Jairo Gomez Meinung

„Das vereinigte Volk wird niemals besiegt werden!“

Sergio Ortega komponierte 1970 das Lied "El pueblo unido jamas será vencido" (auf Deutsch: Das vereinigte Volk wird niemals besiegt werden). Es wurde in Chile zum Symbol des Widerstands gegen die Diktatur Augusto Pinochets. Heute ist es wieder aktuell.

Sergio Ortega komponierte 1970 das Lied „El pueblo unido jamas será vencido“ (auf Deutsch: Das vereinigte Volk wird niemals besiegt werden). Es wurde in Chile zum Symbol des Widerstands gegen die Diktatur Augusto Pinochets. Heute ist es wieder aktuell.

Meiner Meinung nach ist sie sogar aktueller denn je. Im Grunde skizziert die Widerstands-Hymne die Ideen der spanischen Partei „Podemos“ (Wir können) und der französische Bewegung „Nuit Debout“.

Ein wesentlicher Aspekt ist in beiden Fällen, dass sich Menschen aus allen politischen Lagern zusammengetan haben, obwohl dies bestimmt nicht einfach ist. Doch die gemeinsame Unzufriedenheit, Empörung und der Zorn auf die etablierten Politikeliten und deren als ungerecht und menschenverachtend wahrgenommenes Handeln, führen zu einem Brückenschlag. Das bringt eine Opposition hervor, die von der Politik ernstgenommen werden muss.

Das eigene Süppchen

Auch in Deutschland ist die Unzufriedenheit über die politische Linie sichtbar. TTIP, CETA, Griechenland- oder Flüchtlingskrise: Die Menschen regen sich auf und wollen einen Kurswechsel. Doch ihre Stimmen dringen nicht durch. Sie sind verteilt auf unzählige NGOs, Bürgerbewegungen und Projektgruppen. Jeder kocht dabei sein eigenes Süppchen.

Niemand scheint zu realisieren, welche Möglichkeiten eine geeinte Gruppierung hat. Die Vereinigung eines Großteils der Bevölkerung in einer Bürgerbewegung käme einem kleinen Erdbeben gleich. Manch ein Politikergesicht würde in Berlin erbleichen.

Dabei wäre es nicht das erste Mal, dass sich in Deutschland die Menschen Gehör verschaffen. Erinnert sei an die Montagsdemonstrationen von 1989 und 1990. Es ist davon auszugehen, dass die damaligen Teilnehmer keine einheitliche politische Meinung hatten. Doch die Mauer haben sie trotzdem zusammen niedergerissen, was die Montagsdemos zu einer Art Vorläufer von Podemos macht.

Empören auch bei Regen

Es sei deshalb die Frage erlaubt: Warum nicht jetzt? Es gebe genug Gründe, um erneut gemeinsam vorzugehen. Politiker die bewusst lügen, eine ungerechte Sozialpolitik und eine Beeinflussung der Politik insgesamt durch Lobbyisten auf Kosten der Bürger. Die Verschwendung von Steuergeldern, die kaschierte Korruption und die Verarmung der Rentner. Die Verbreitung deutscher Waffen. Es gibt noch mehr Gründe, die man aufzählen könnte.

Wir sehen in diesen Tagen viele Versammlungen von Menschen in Frankreich und in Spanien. Sie finden landesweit auf zentralen und öffentlichen Plätzen statt. Dort wird miteinander gesprochen. Es wird sich ausgetauscht und man bekundet friedlich seinen Unmut.

Am 15. Mai jährte sich in Spanien zum fünften Mal der Tag der Empörten. Dies nahm man zum Anlass, die Stimme in ganz Europa zu erheben. In Spanien und Frankreich füllten sich wieder die Plätze. Ähnliche Veranstaltungen fanden in Deutschland  nur in wenigen Städten und mit wenig Zulauf sattt. Lag es am Wetter? In Frankreich hat es geregnet und die Plätze waren mit Menschen gefüllt.

Die Spaltung überwinden

Was ist der Grund dafür, dass es in Deutschland keine Bewegungen wie Podemos oder Nuit Debout gibt?

Meines Erachtens ist die hiesige Bevölkerung weit aus mehr gespalten als in Frankreich oder Spanien. Als ehemalige Kolonialmacht hat Frankreich einen hohen Anteil an Bürgerinnen und Bürgern aus nahezu allen Kontinenten, Ethnien und Religionen. In Spanien sieht es kaum anders aus. Migranten kommen hauptsächlich aus Lateinamerika, aber auch aus Nordafrika und der Sahel-Zone.

Und Deutschland? Dort führte die Flüchtlingskrise zu einer tiefen Spaltung der Gesellschaft. Ängste und Sorgen der Bevölkerung, seien sie berechtigt oder auch nicht, wurden von der Politik kaum ernst genommen, elegant übersehen oder arrogant zur Seite geschoben. Ein fataler Fehler. Rechte Kräfte wussten diese Haltung auszunutzen. Sie konnten durch ihr Treiben Einheimische gegen Flüchtlinge aufhetzen und somit eine weitere Spaltung in unserem Land erreichen.

Solidarität und Selbstwertgefühl

Die linke Szene und die Friedensbewegungen reiben sich unterdessen intern in ideologischen Streitereien auf. Somit verpufft ihr Potential und ihre einende Kraft. Schubladendenken hat den Pragmatismus abgelöst. Wer nicht bis ins kleinste Detail mit den eigenen Idee übereinstimmt, dem werden Dialog und gedanklicher Austausch entzogen.  Am Ende wird jeder wahlweise in die linke oder rechte Ecke geschubst.

Unmut, Frust und Enttäuschung sind Gefühle, die sich quer durch sämtliche Gruppierungen unserer Gesellschaft ziehen. Wollen wir dem Abhilfe schaffen, wird uns nichts anderes übrig bleiben, als von anderen Ländern zu lernen. Dort hat man sich durch Solidarität das Selbstwertgefühl zurückgeholt. Den Regierenden wurde gezeigt, dass die Bevölkerung nicht mehr alles mit sich machen lässt. Nebenbei wurde den etablierten Parteien der Laufpass gegeben.

Nein, Podemos und Nuit Debout sind noch lange nicht am Ziel. Jedoch haben uns beide Bewegungen etwas wichtiges voraus: Sie sind vereint.

 

Foto: CC0 Public Domain – WikiImages (Pixabay.com)WikiImages (Pixabay.com)

 

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