Pimmel über Berlin: Realsatire an der Tischtennisplatte

Hans-Günter Wallraff hat keine neuen Enthüllungen über die BILD veröffentlicht, sondern Kai Diekmann, den Herausgeber des Boulevardblatts in einem Tischtennis-Duell bezwungen. Der wirkliche Sieger war aber Kai Diekmann.

So ändern sich die Zeiten. Hans-Günter Wallraff hat keine neuen Enthüllungen über die BILD veröffentlicht, sondern Kai Diekmann, den Herausgeber des Boulevardblatts in einem Tischtennis-Duell bezwungen.

Beitragsbild - Neue Debatte - Satire Wallraff Diekmann - 27052016 - Sir James - CC BY-SA 3.0 - wikipedia.org -2009-09-19_Berlin_Genosse_Kai_Diekmann_taz_Genossenschaft_Generalversammlung_02

BILD-Herausgeber Kai Diekmann

Der als „Kampf der Titanen“ von Realsatire.de initiierte Vergleich endete mit einem 4:1-Sieg für Wallraff. Der erreichte vor allem durch kritische Reportagen über Großunternehmen und in den 1970er-Jahren durch Enthüllungen über die Arbeitsmethoden der Bild-Zeitung Bekanntheit.

In dem Bestseller „Der Aufmacher. Der Mann, der bei „Bild“ Hans Esser war“ schildert Wallraff (Titelfoto) seine Erfahrungen in der BILD-Lokalredaktion Hannover und weist der Zeitung schwere journalistische Versäumnisse und unsaubere Recherchemethoden nach. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem Springer-Verlag.

Heute steht man sich versöhnlicher gegenüber und duelliert sich an der Tischtennisplatte. BILD übertrug das Ping-Pong-Spielchen als Livestream auf seiner Facebook-Seite.

PR-Erfolg für Kai Diekmann

Friede_sei_mit_Dir- Beitragsbild - Neue Debatte - Satire Wallraff Diekmann - 27052016 - Franz Richter - CC BY-SA 3.0 - wikipedia.org

Der wirkliche Sieger war aber Kai Diekmann. Günter Wallraff, der Realsatire.de unterstützt, stimmte zu, dass man über eine Crowdfunding-Plattform zugunsten des Portals für 1.111 Euro ein Tischtennismatch gegen ihn buchen könne. Diekmann erkaufte sich das Duell und bestätigte nicht zum ersten Mal sein feines Näschen für einen PR-Coup.

 2003 war Diekmann für einen Tag Chefredakteur der TAZ und gestaltete das Blatt. Gut ein Jahr vorher hatte er die Zeitung noch wegen eines satirischen Artikels verklagt. 2009 wurde Diekmann Mitglied der taz-Genossenschaft.

Seitdem hing am TAZ-Gebäude ein satirisches Relief von Bildhauer Peter Lenk. Es trägt den Titel Friede sei mit dir. Bekannt wurde es auch unter der Bezeichnung Pimmel über Berlin.


Fotos: Sir James (Kai Diekmann), Elke Wetzig (Titelbild/Hans-Günter Wallraff) und Fanz Richter (Relief „Friede sei mit dir“) – CC BY-SA 3.0


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