Die digitale Steinzeit und ihre Primaten

Anzügliche Bemerkungen, Sexismus, Schwanzbilder: In den sozialen Netzwerken fallen alle Hemmungen. Leonie Aleppo schreibt über die Verrohung im Netz.

Anzügliche Bemerkungen, Schwanzbilder, Sexismus: In den sozialen Netzwerken fallen alle Hemmungen. Leonie Aleppo schreibt über die Verrohung im Netz, männliche Steinzeittypen und Frauen, die nicht besser sind.

In der heutigen digitalen Gesellschaft gelten alte Regeln nicht mehr. Respekt, der im realen Leben da ist, geht in der digitalen Welt vollkommen unter. Berührungsängste oder Tabus scheint es nicht mehr zu geben. Es wird gemobbt und gepöbelt, was das Zeug hält.

Dinge die es im normalen Leben nicht gibt (oder nur im stillen Kämmerlein), werden ausgelebt und auf die Spitze getrieben.

Das macht sich natürlich auch im realen Leben bemerkbar. Die Hemmschwelle zur Gewalt singt rapide. Schwere Körperverletzungen, Raub oder gar Mord sind (subjektiv) an der Tagesordnung.

Das Internet ist zu einer großen Wichsmaschine für Pädophile oder sonstige perverse verkommen.

Ein kleines Beispiel aus meinem Leben

Im Real Life bin ich lesbisch, Pflegedienstleitung und Mutter. Also eigentlich ist alles ganz normal und die meisten Leute akzeptieren das auch so.

Im den sozialen Netzwerken sieht das ganz anders aus. Dort werden Steinzeit-Prototypen der Männerwelt wieder ausgepackt. Eine Frau ist in dieser Umgebung in erster Linie ein sexuelles Wesen.

Da man im Internet keine Keule auspacken kann, geht man dazu über, direkt und frontal seine Geschlechtsteile zu zeigen. Sogenannte Schwanz-Accounts bieten sich im Internet den Frauen an. Und das auf absolutem Neandertaler-Niveau.

Man stelle sich das in der Realität vor. Ein Mann kommt in eine Kneipe oder in eine Bar und packt grußlos seinen Schwanz aus. Nun erwartet er, dass die Weibchen (vielleicht) aufspringen und sich an seinen Genitalien laben.

Das klingt im ersten Moment etwas befremdlich, aber genau das wäre die Metapher für das reale Leben. Wenn das kein Modell aus der Steinzeit ist, dann weiß ich es auch nicht.

Nun könnte man denken, das ist ein rein männliches Problem. Weit gefehlt! Bei Frauen ist dieses Phänomen auch zu beobachten. Zwar nicht in dem gewaltigen Ausmaß wie bei Männern – aber es ist da.

Verhalten wie bei Party-Pikant

Ich möchte noch ein weiteres Beispiel nennen. Ein Mann flirtet in einem öffentlichen Chat mit einer Person. Man kann natürlich nicht verhindern, dass es Voyeure gibt, die sich an diesem Szenario aufgeilen. Das sieht man auch, wenn man auf Veranstaltungen vom KitKatClub, Party-Pikant oder Kinky Beats geht. Da weiß man allerdings, dass es so etwas gibt, weil man ja sexuell offen ist. Was aber nicht bedeutet, dass das nicht auch störend ist.

Aber gehen wir weiter auf die Flirtszene ein. Stellen wir uns vor, wir sitzen in einer Bar oder Kneipe und wir flirten miteinander. Normalerweise wird man dort nicht gestört und kann in Ruhe seinen Geschäften nachgehen. Im Internet ist das ganz anders. Hinz und Kunz mischen sich in diesen Flirt ein und geben ihren Unsinn zum Besten.

Das Internet bringt Primaten hervor

Bei manchen glaubt man ganz genau zu merken, dass sie vor ihrem Handy oder Computer sitzen und masturbieren.

Ein solches Verhalten kann man in der Natur bei Affen beobachten. Das Internet macht aus sowieso niederen Geistern Primaten. Als Frau würde ich so etwas ganz genau beobachten und meine Rückschlüsse auf diese Männer ziehen. Soll heißen: Ich meide Sie.

Es ist ja schon auffällig, wenn ein Mann mit vielen Frauen flirtet und sich im Internet unbeobachtet fühlt. Er kommt gar nicht auf die Idee, dass ihn Hunderte oder gar Tausende Frauen bei seinem Treiben beobachten.

Dieser Beitrag soll nicht unbedingt anklagen. Er soll die Augen öffnen für ein Phänomen, das weiter um sich greift.

Vergebliche Suche nach Traumprinz oder Prinzessin

Was ich auch sehr traurig finde: Viele Menschen versuchen ihre Einsamkeit im Internet zu bekämpfen. Auch Frauen. Das liest man in sehr vielen traurigen Tweets.

Die Hoffnung dahinter ist, dass sich irgendein Traumprinz oder eine Prinzessin bei ihnen meldet und ihr Leben bereichert. Keiner merkt dabei, dass er inzwischen onlinesüchtig geworden ist oder seine Ansprüche natürlich viel zu hoch sind.

So bleibt man weiter alleine. Denn im Grunde genommen geht es nur darum, online präsent zu sein. Ein reales Leben ist dabei wirklich nur störend. Man befindet sich in einer Traumwelt und möchte diese auch behalten.

Denkt mal darüber nach.

Leonie Aleppo bloggt im Netz „Eine Geschichte von treuloser Treue“ und ist als Mikrobloggerin @hollowloop auf Twitter aktiv. Mit Dank an Leonie für die Zustimmung zur Veröffentlichung ihres Beitrags.

Foto: CC0 Public Domain – Kai Stachowiak

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