EM 2016: Warum der Fußball-Patriotismus nicht verteufelt werden sollte

In einem Beitrag für Tagesspiegel Causa warnt die Sprecherin der Grünen Jugend Berlin, Emma Sammet, vor den Gefahren des Party-Patriotismus bei der Fußball-EM. Unser Autor Jairo Gomez schreibt, warum Sammet mit ihrer Warnung weit über das Ziel hinaus schießt.

In einem Beitrag für Tagesspiegel Causa warnt die Sprecherin der Grünen Jugend Berlin, Emma Sammet, vor den Gefahren des Party-Patriotismus bei der Fußball-EM. Unser Autor Jairo Gomez schreibt, warum Sammet mit ihrer Warnung weit über das Ziel hinausschießt.

Mein Geburtsland ist Spanien. Meine Mutter ist gebürtige Spanierin, mein Vater war Kolumbianer. Ich habe Verwandte in Kolumbien, in Frankreich und in Schweden. Nach dieser Aufzählung wird man, so denke ich, nicht annehmen, dass ich irgendein fehlgeleiteter Patriot bin. Ich selbst fühle mich als Europäer oder auch Erdenbürger.

Wie jeder Mensch, der davon überzeugt ist, über einen gesunden Verstand zu verfügen, bin ich gegen Gewalt jeglicher Art – ausgenommen zur Selbstverteidigung und zur Verteidigung der Familie, von Freunden und hilflosen Menschen.

Fahnen und abstruse Ideologien als Halt

Das Ziel, Patriotismus im allgemeinen oder den Nationalismus im speziellen abzuschaffen, wird meines Erachtens immer eine Utopie bleiben. Es wird stets und immer Zeitgenossen geben, die sich an Fahnen und abstrusen Ideologien festhalten.

Verharmlosen will ich diese Gruppe damit bestimmt nicht. Dennoch ist es nun mal das Los einer Demokratie, dass eben auch solche Menschen ihre Nische finden. Es ist dann angesagt, sie im Auge zu behalten.

Was ist aber mit Menschen aus anderen Ländern, die bei Sportveranstaltungen jeglicher Art im wahrsten Sinne des Wortes Flagge zeigen? Bei ihnen ist es in Ordnung, aber bei den Deutschen nicht?

Die Kirche sollte im Dorf bleiben

Der 2. Weltkrieg ist lange vorbei. Das damalige Unrecht und die Gräueltaten sind aber nicht vergessen. Das ist auch gut so.

Die Generationen, die nach dem Krieg geboren wurden, haben allerdings mit dem Krieg und den damit verbundenen Verbrechen nichts mehr zu tun.

Ich finde, zu versuchen, diesen Generationen ihre nationale Identität schlecht zu reden und mies zu machen, schießt deshalb weit über das Ziel hinaus.

Im Übrigen: Was ist mit den vielen Menschen, deren Wurzeln in anderen Ländern liegen und die sich mittlerweile als Deutsche fühlen?

Deren Eltern oder Großeltern haben nichts mit der dunklen Vergangenheit Deutschlands zu tun. Will man ihnen jetzt verbieten sich als Deutsche zu fühlen oder will man ihnen gar ein schlechtes Gewissen einreden, wenn sie bei einem Fußballspiel die deutsche Fahne schwenken? Vielleicht sollte man die Kirche mal im Dorf lassen.

Die Vielfalt Europas

Wir leben nun mal auf einem Kontinent der Vielfalt. Es gibt laut Wikipedia weit über 100 verschiedene Sprachen in Europa. Daraus könnte man folgern, dass es auch weit über 100 Identitäten gibt. Die deutsche Sprache ist eine unter vielen.

Das wird wahrscheinlich auch so bleiben. Ich sage wahrscheinlich, weil ich in Zeiten des Umbruchs, von Klimaveränderung und Kriegen nicht weiß, wie sich die Dinge entwickeln werden.

Lassen wir den Menschen zu Gelegenheiten wie der Fußball-Europameisterschaft dennoch ihren Spaß und versuchen nicht sie zu bevormunden. Das passiert in diesen Zeiten schon zur Genüge.

Achtsamkeit und Respekt

Achten wir natürlich darauf, dass wir andere Völker und Menschen mit Respekt behandeln und nicht von oben herab. Niemand kann sich seinen Geburtsort aussuchen.

Schon aus diesem Grund darf man nicht zu stolz darauf sein, einer bestimmten Nationalität anzugehören. Denn das kann niemand beeinflussen.

Ein Fakt, den sich so mancher Zeitgenosse gut einprägen sollte, der allein wegen seiner Herkunft meint, die Fahne eines Landes schwenken zu müssen.

Foto: Creative Commons (CC0) –  Gordon Johnson (Pixabay.com)

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