Gastbeitrag Interview

Die geldfreie Gesellschaft: Eine Perspektive außerhalb der Box

Tobi Rosswog setzt sich mit dem Netzwerk living utopia für einen gesellschaftlichen Wandel ein. Carlos von Spiegeldich.net sprach mit dem Aktivisten über Konsum, konstruierten Mangel und über die Idee einer geldfreien Gesellschaft. Die Neue Debatte bringt Auszüge aus dem lesenswerten Interview.

Carlos: Hey Tobi, schön, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Du bist Aktivist in Vollzeit. Kann man das so nennen? Mit der Aktivistin, Freilernerin und Bloggerin Pia Damm hast du gemeinsam das Netzwerk „living utopia“ initiiert. Vielleicht kannst du selbst einmal kurz beschreiben, was genau ihr macht und was eure Vision dahinter ist?

Tobi Rosswog: Vollzeitaktivist trifft es durchaus, denn ich möchte meine gesamte Motivation, Zeit und Energie in den gesellschaftlichen Wandel stecken und durch verschiedene Aktivitäten Impulse geben, um außerhalb der Box zu denken und  neue Wege zu gehen! Dafür haben wir auch das Netzwerk „living utopia“ initiiert …

Krass, das hört sich konsequent an. Ich bin beeindruckt, dass du das so durchziehen konntest, und kann es gleichzeitig aber noch nicht ganz nachvollziehen. „Geld-freier“ hört sich ja erstmal relativ leicht realisierbar an. Da kann ich mir was drunter vorstellen. Aber nun hast du ja fast drei Jahre komplett geldfrei gelebt. Wie lässt sich so etwas umsetzen?

Wir leben in einer unglaublichen Wegwerfgesellschaft. Eigentlich gibt es alles zum Leben im Überfluss. Wir leben in einer unglaublichen Fülle und Mangel ist nur konstruiert.

Beispielsweise könnten wir nach dem aktuellen Produktionsstand mindestens 12 Milliarden Menschen ernähren. Wir sind gerade mal höchstens acht Milliarden Menschen auf der Welt und trotzdem hungert knapp eine Milliarde Menschen. Das Motto ist also: Vorhandenes sinnvoll nutzen!

Vielen Dank für diesen Einblick und die konkreten Vorschläge, wie man verschiedene Lebensbereiche geldfreier gestalten kann. Es ist toll zu sehen, was es da schon für Möglichkeiten gibt. Trotzdem habt ihr ja das komplett geldfreie Leben nach drei konsequenten Jahren (vorerst?) aufgegeben. Woran liegt das und wie handhabt ihr das mit dem Geld jetzt?

Während der geldfreien Zeit sind wir von Konferenz zu Kongress und verschiedenen anderen Veranstaltungen gereist, um dort Vorträge zu geben. Fast jeden Tag waren wir dann an einem anderen Ort und haben eigentlich auf der Reise unsere großen Projekte wie beispielsweise den Mitmachkongress utopival organisiert.

Das hat wunderbar funktioniert, aber war natürlich nicht so einfach wie jetzt. Denn nun haben wir ein Projekt- und Gemeinschaftshaus in Mainz initiiert, indem wir einen Co-Wupping Space haben, der acht Schreibtische bereit hält, um an Projekten und Kampagnen zu wuppen …

Das freut mich zu hören, dass das so gut angenommen wird und immer mehr Menschen sich dafür zu interessieren scheinen. Kannst du die Haupterkenntnisse für unsere Leserinnen und Leser zusammenfassen, die du aus deiner komplett geldfreien Zeit mitgenommen hast?

Vielleicht drei kurze Impulse, die aber auf keinen Fall die Fülle der Erfahrungen und Perspektivwechsel wiedergeben können.

1. Vorhandenes sinnvoll nutzen – also Nicht-Konsum – ist das Nachhaltigste, was Du tun kannst! Indem wir eben keine weitere finanzielle Nachfrage für ein Angebot schaffen, was im Übermaß da ist. Lasst uns umsonstökonomische Strukturen – also geldfreie Räume und damit utopietaugliche Halbinseln – schaffen, in denen sich Menschen auf einer anderen Ebene begegnen können.

2. Mensch sein …

Zum vollständige Gespräch mit Tobi Rosswog geht es hier … Mit Dank an das Team von Spiegeldich.net für die Zustimmung zur Übernahme von Teilen des Interviews.

Titelfoto: Currens (Pixabay.com) – CC0 Public Domain