Mein härtester Kritiker

Du bist undiszipliniert! Nie bringst du etwas zu Ende! Du bist nicht gut genug! Du bringst anderen nur Unglück! Was kannst du überhaupt?

Unsere Gastautorin Silvana schreibt über falsche Selbstzweifel, die Grübelspirale und die Befreiung von der Irrationalität. Sie kehrt das Innere nach außen und lernt laufen.

Du bist undiszipliniert! Nie bringst du etwas zu Ende! Du bist nicht gut genug! Du bringst anderen nur Unglück! Was kannst du überhaupt?

Dies sind nur einige Beispiele, die mir ständig begegnen. Wisst ihr, wer diese Dinge zu mir sagt? Ich selbst.

Wieder und wieder gelingt es mir, mich zu degradieren, schlecht zu machen und mir wehzutun. Ich bin zerfressen von Selbstzweifeln, Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen. Ich bin übermäßig streng, hart und kritisch zu mir selbst.

Es ist sehr wichtig auch mal kritisch mit sich zu sein und sich und sein Verhalten kritisch zu reflektieren, allerdings geschieht dies bei mir nicht in einem gesunden Maße.

Grübelspirale und Realitätsprüfung

Ich gebe mir für vieles die Schuld und bin oft enttäuscht von mir. Ich komme ins Grübeln und gerate in regelrechte Grübelspiralen, die mich nach unten ziehen. Meine Gedanken werden immer negativer, immer härter mir selbst gegenüber, immer schonungsloser, bis ich am Ende wie ein Häufchen Elend da stehe und mich selbst hasse. Perspektivlos in die Zukunft sehe und gelähmt in meinem eigens inszenierten Grübelgefängnis hocke.

Doch wie kann man diese Spiralen durchbrechen?

Ich habe auch noch kein Patentrezept dagegen entwickelt, jedoch weiß ich, dass man ihnen entkommen kann, indem man eine Realitätsüberprüfung unternimmt.

„Wie ist meine Eigenwahrnehmung und was ist davon gerade objektiv real? Sind meine negativen Gedanken gerade gerechtfertigt oder konstruiere ich mir in meinem Kopf mein eigenes Selbstzerstörungsszenario?  Bin ich wirklich so schlecht, oder gibt es auch positive Seiten an mir? Worauf kann ich stolz sein? Was habe ich schon alles geschafft? Trage ich wirklich für alles die Schuld, oder habe ich auf manche Dinge keinen Einfluss gehabt?“

Auf diese Art und Weise katapultiere ich mich hinaus aus den Negativspiralen zurück in die Realität und überprüfe den Wahrheitsgehalt meiner Gedanken. Oft merke ich dann, dass ich dazu neige, zu übertreiben, alles schwarz zu malen und zu hart mit mir ins Gericht zu gehen.

Befreiung von der Irrationalität

Ich steuere also bewusst mit anderen, positiveren und rationaleren Gedanken dagegen und befreie mich somit aus dieser absoluten Irrationalität.

Trotzdem frage ich mich, warum diese Gedanken immer wieder kommen. Warum ich die Selbstzweifel, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle nicht los werde. Ich denke mein mangelndes Selbstwertgefühl und die noch fehlende Selbstliebe sind ausschlaggebend dafür.

Ich bin unsicher, ich bin nicht zufrieden mit mir und ich liebe mich nicht. Ich habe wenig Vertrauen in mich selbst und erlebe immer wieder Kontrollverluste, die mich mir gegenüber härter werden lassen. Ich verliere meine Stärken aus den Augen und fokussiere mich auf meine Schwächen und meine Fehler. Dazu kommt die Angst vor Ablehnung. Bevor mich jemand kritisiert, tue ich dies lieber selbst, und zwar so hart und unverfroren, dass mich niemand mit seiner vermeintlichen Kritik mehr verletzen kann.

Ich weiß, dass dieses selbstzerstörerische Verhalten für schwerst traumatisierte Menschen wie mich nahezu „normal“ ist, jedoch möchte ich es unbedingt ändern.

In vielen meiner Beiträge konntet ihr lesen, wie sehr ich daran arbeite, besser mit mir umzugehen, mein Verhalten zu reflektieren, gütiger zu mir zu sein, mir zu verzeihen und letztendlich auch versuche, Selbstliebe zu entwickeln. Dazu gehören Abgrenzung, Selbstfürsorge, Achtsamkeit, emotionale Stabilität, Tagesstruktur und Ziele.

Ich übe mich in allem und setze auch schon sehr viel davon um, allerdings ist der Weg noch sehr holprig und verlangt mir viel Kraft ab. Kleinste Unstimmigkeiten und Rückschritte reißen mich wieder hinein in meine Grübelspiralen. Aber ich mache weiter.

Ich lasse mich nicht mehr hinunterziehen, ich will nicht wieder am Boden liegen. Ich habe bereits gelernt immer wieder aufzustehen, habe gelernt erste Schritte zu machen und bin grad dabei das Laufen zu lernen.

Selbstkritik ist wichtig für dauerhaftes Unglücklichsein. -von Unbekannt-

Danke.

Eure Silvana

Silvana voninnennachaussenblogÜber die Autorin: Silvana kommt aus dem Ruhrgebiet und veröffentlicht auf dem voninnennachaussenblog Texte, die durch ihre Tiefe zum Nachdenken anregen oder einfach nur begeistern. Sie schreibt über Selbstwert, Mut, Stärke, Zweifel und entzückende Gedanken.

Hinweis: Der Beitrag „Mein härtester Kritiker“ erschien erstmals auf ihrem Blog. Wir danken Silvana für die Zustimmung zur Übernahme auf Neue Debatte.

Foto: Skeeze (Pixabay.com) – CC0 Public Domain

Wie ist Deine Meinung? Schreibe einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: