„Die Medien sind voll mit Bullshit!“

Kann man unbesehen glauben, was in der Zeitung steht? Nein, sagt Alexander Podlubnij. Gunther Sosna sprach mit dem Blogger über kompromisslose Ansichten, Meinungsmache durch Eliten und warum jeder Medienbericht hinterfragt werden muss.


Gunther Sosna: Alexander, du feuerst auf deiner Webseite bullshitfree.info gegen die Berichterstattung der Mainstream- und Alternativmedien. Was stört dich vor allem am heutigen Journalismus?

Alexander Podlubnij: Alle großen Medien, egal, in welchem Land, sind in der Hand von Kapitaleliten. Ob direkt als kommerzielle Medien oder indirekt im Sinne von staatlichen Medien. Wahrscheinlich sind Russland, China und ein paar andere Länder die wenigen Ausnahmen von dieser Regel, wo staatliche Institutionen auch wirklich das Sagen haben oder zumindest gegenüber den Kapitaleliten ein Vetorecht besitzen.

Was muss man sich unter der Kapitalelite vorstellen?

Ich teile die Einschätzung von Professor Hans Jürgen Krysmanski (Anm.: Ehemaliger Professor für Soziologie an der Universität Münster), wonach die Welt von Ultrareichen regiert wird, die aber in den Medien kaum erwähnt werden.

Aber wer oder was soll das jetzt genau sein?

Nach Krysmasnkis Theorie lassen sich diese Eliten in vier Gruppen aufteilen. Die unterste Ebene bilden die Facheliten, die aus Top-Wissenschaftlern, Journalisten, Ärzten, Beamten etc. bestehen. Dahinter kommen die Politikeliten in den Bundes- und Landesregierungen. Darüber befinden sich die Manager der Konzerne. Die oberste Ebene bilden die Konzerneigner, deren Identität oft genau nicht mehr genau festzustellen ist.

Gilt das speziell für Deutschland?

Nein. In Deutschland dürfte das etwas anders sein. Ich denke, dass die deutsche Politikelite in erster Linie den US-Eliten untersteht. Dass bedeutet, dass die deutsche Kapitalelite nur dann Einfluss hat, wenn die USA es zulassen.

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Jedenfalls unterliegen diese Kapitaleliten weitgehend der US-Doktrin, die wiederum von US-Konzernen und deren Besitzern bestimmt wird. Das Resultat ist, dass die hiesigen Medien auf eine widerwärtige und meistens billige Art und Weise alles Geschehen in der Welt aus der Perspektive der kannibalischen US-Kapital-Eliten betrachten und beschreiben.

Was bedeutet das konkret?

Dass alles, was den Interessen der Mitglieder der US-Elite und deren Marionetten in ihren Kolonien schaden könnte, von den Medien entweder gar nicht oder nur im schlechten Licht, unter Auslassung von Fakten oder deren Verdrehung thematisiert wird. Es sickern jedoch in den Mainstreammedien ab und zu authentische Berichte durch.

Der Hauptzweck meiner Webseite besteht darin, diese Berichte zu archivieren und zu konzentrieren und damit Menschen, mit denen ich in Kontakt komme, eine Datenbank an authentischem Wissen zur Verfügung zu stellen.

Momentan arbeite ich noch an technischen Details der Seite, sodass das Archiv momentan noch recht überschaubar ist. Sobald die Seite aber technisch optimiert ist, wird es schnell wachsen.

Was gibt es dann im Archiv zu finden?

Neben gesicherten Fakten stelle ich alternative jedoch seriöse Thesen, wenn man so will, mathematische Formeln zur Beschreibung des Weltgeschehens zur Diskussion. Denn nicht nur Mainstreammedien sind voller Bullshit, sondern auch alternative Medien. Mit Themen wie hohle Erde, Ufos, Reptiloiden, Mondlandungen, Mayakalender und, und, und, werden meiner Ansicht nach alternative Bewegungen und Denkweisen gezielt verunreinigt.

Und was hat den Ausschlag gegeben, die Seite bullshitfree.info ins Internet zu bringen? Du hättest ja in den sozialen Netzwerken Berichte einfach kritisch kommentieren können, um dir Gehör zu verschaffen.

Eine eigene Seite zu diesem Thema ins Netz zu stellen, habe ich entschieden, als ich Ende 2014 für kurze Zeit als Redakteur für die antifaschistische Seite Antimaidan Deutsch tätig war. Meine Beiträge kamen bei den Lesern zwar meistens ziemlich gut an, doch fand ich die Kommunikation des Gründers gewöhnungsbedürftig.

Als ich mich dann noch mit einem Redakteur und infolge dessen auch mit weiteren Redakteuren zerstritten habe, und der Gründer der Seite nicht im Stande war eine klare Linie vorzugeben, habe ich das Team verlassen und mir die Domain Bullshitfree.info gesichert. Die Seite ist also aus dem Bedürfnis entstanden unverfälscht und kompromisslos eigene Thesen und Ideen kund zu tun.

Aber warum nicht in den sozialen Netzwerk?

Wie gesagt, ich möchte kompromisslos meine Ansichten kundtun. Das geht in den sozialen Netzwerken nicht. Sie gehören den Eliten. Zum Beispiel wurde Antimaidan Deutsch von Facebook dichtgemacht, weil sie kritisch über die Ukraine berichteten und Fotos von Neonazis teilten, die in der Kiewer Hauptverwaltung des Innenministeriums den Hitlergruß zeigten.

Ich bin auf Facebook zwar weiterhin aktiv, doch rechne ich jederzeit mit der Schließung meiner Accounts. Natürlich kann auch meine Domain blockiert oder von Google aus dem Index genommen werden, aber das ist momentan eher unwahrscheinlich.

Beitrag - Neue Debatte - Medienkritik Bullshitfree -PDPics - pixabay.com - CC0 Public Domain

Der Onlinejournalismus hat zu einer extrem hohen Nachrichtenfrequenz geführt. Täglich werden Tausende Meldungen über die unterschiedlichsten Kanäle verbreitet. Facebook und Twitter sind in Deutschland praktisch die Salzstreuer für alle erdenklichen Nachrichten. Wie und wo findest du die Berichte, die du genauer unter die Lupe nimmst?

Der Fokus meiner Seite soll zumindest mittel- und langfristig eher auf Geschichte als auf aktuellen Themen liegen, da sich die Geschichte stets wiederholt und es für in der Vergangenheit liegende Ereignisse mehr Belege für die Machenschaften der Eliten gibt.

Die aus der Analyse der Geschichte aufgestellten Thesen und Schablonen sind oft eins zu eins auf die Gegenwart übertragbar, sodass ich Nachrichten primär aus den Mainstreammedien beziehe und dann meine eigenen Recherchen im Internet und in Büchern anstelle.

Oft stoße ich aber auch auf Facebook und auf russischen Nachrichtenportalen wie vz.ru oder auch vk.com auf interessante Themen und Meldungen. Jedoch schaffe ich es nicht immer mich von aktuellen Debatten fernzuhalten und gebe meistens meinen Senf dazu.

Du lebst ja in Berlin. Dort findet sich die höchste Mediendichte in Deutschland. Als Blogger bist du ein Teil davon. Wie ist der Kontakt zu Redakteuren, Journalisten und anderen Bloggern? Tauscht man sich über die Problematiken der schnellen Berichterstattung aus und sucht gemeinsam nach Lösungen oder geht jeder seine eigenen Wege?

Ich bin eher ein Einzelgänger, da ich viele unterschiedliche, auf den ersten Blick einander in Widerspruch stehende, Ansichten vertrete und ich mich nicht in eine starre Ideologie pferchen lasse. Zwar gibt es sehr viele Autoren und Fachleute, deren Arbeiten ich schätze, doch ich hinterfrage jede Hierarchie. Es gibt nur wenige Menschen, die ich als Autoritäten anerkenne. Die kann man an einer Hand abzählen.

Das führt doch sicher zu Problemen …

Klar. Mir wurde beispielsweise 2008, als ich anfing mich mit alternativen Sichtweisen zu beschäftigen, bei einem Treffen eines Alternativenmediums durch die Organisatoren eine Tätigkeit für den BND oder Verfassungsschutz unterstellt, und zwar deshalb, weil ich nicht konform mit deren Ansichten lief. Diese Eigenschaft, keine Autorität blind anzuerkennen, scheint mir im Blut zu liegen. Sowohl in der Sowjetunion als auch hier in Deutschland hatte ich schon als Schüler Schwierigkeiten mit den Lehrern.

Wenn man anfängt, zum Beispiel die Berichterstattung zum Konflikt in Syrien, über die politischen Verhältnisse in der Ukraine oder die abgekühlten Beziehungen zu Russland zu hinterfragen, entsteht der Eindruck, man dürfe grundsätzlich nichts glauben, was zu diesen Themen in den hiesigen Zeitungen steht. Ist das wirklich so oder ist Gegenrecherche lediglich die neue Medienkompetenz, die das Internet dem Nutzer abverlangt?

Man muss grundsätzlich in jeder Beziehung die Art der Vertrauensbasis überprüfen. Das Vertrauen, das man jemanden entgegenbringt, sollte begründet sein. Wenn man die durch Familie und soziale Umgebung entstandene Vertrauensbasis gründlich überprüft, wird man feststellen, dass es keinerlei objektive Gründe gibt, den Medien alles blind zu glauben. Auch Berichte alternativer Medien, ob nun von RT Deutsch oder Sputnik oder wie sie alle heißen, müssen gegengeprüft werden.

Was folgerst du daraus?

Es besteht für mich kein Zweifel, dass es nicht nur in Deutschland ein Diktat gibt, dass uns ein bestimmtes Verhalten und Denken auferlegt und jegliche Abweichung davon bestraft wird.

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Die Strafe hängt dabei von der Schwere und der Bedeutung der Widrigkeit ab und kann meiner Ansicht nach für Persönlichkeiten, die für die Elite schädliche Informationen preisgeben, tödlich sein.

Ein Beispiel dafür ist Gary Webb (Anm.: US-Journalist, der die Verbindungen des amerikanischen Auslandsgeheimdiensts CIA zum organisierten Drogenhandel aufdeckte. Sein Leben wurde verfilmt. Seine Artikelserie „Dark Alliance“ ist im Netz verfügbar.).

Der kündigte eine neue Dokumentation und weitere Enthüllungen über die CIA und die Verwicklungen in den Drogenhandel an, wird dann mit zwei Kopfschüssen tot aufgefunden und die Behörden deklarieren das als Selbstmord.

Du kommst ursprünglich aus Weißrussland. Wurde dir deshalb schon einmal unterstellt, dass du voreingenommen bist, wenn es um die Bewertung von Russland und seiner Außenpolitik geht? Wie regierst du auf diese Kritik?

Ich wurde schon oft gefragt, warum ich hier noch lebe, wenn es mir hier nicht gefällt und ich Putin so toll finde. Es fiel mir bisher schwer, bei solchen Fragen cool und sachlich zu bleiben. Und tatsächlich möchte ich auch wegen solcher Kommentare aus Deutschland so schnell wie möglich weg nach Russland oder nach Asien. Dank des Selbststudiums des Webdesigns, das mir hoffentlich auch von unterwegs ein gutes Einkommen gewährleisten wird, hoffe ich, dies auch bald zu können.

Heute würde ich jedoch antworten, dass man nicht unbedingt aus- oder zurückwandern muss, wenn einem etwas im Land nicht gefällt. Denn nach dieser Logik wäre jegliche Opposition, die ja zur Demokratie dazugehören soll, obsolet. Doch lässt es sich bei solchen Sprüchen schlecht sachlich argumentieren, da die Vorwürfe ja aus der Kapitulation gegenüber einer sachlichen Argumentation und aus Ignoranz heraus entstehen.

Und wie ist nun deine Haltung zu Russland?

Auch wenn ich gegen chauvinistischen und rassistischen Nationalismus bin, so fühle ich mich doch sehr stark mit der Geschichte Russlands und der Sowjetunion verbunden und identifiziere mich auch heute noch, nach 22 Jahren in Deutschland, mit Russland. Von daher fällt es mir schwer, bei den aktuellen Ereignissen und angesichts des Grades des Brainwashings der Deutschen in Sachen Russland gelassen zu bleiben.

Wie äußert sich das?

Oft lese ich gar nicht mehr die Nachrichten in Bezug auf Russland, weil sie mich angesichts der offensichtlichen Lügen rasend machen. Wobei mich aber mehr als die Korruptheit, Dreistigkeit und der Zynismus der Medien und Politiker, die Gleichgültigkeit der Menschen in Deutschland aufregt. Die Leute sind entweder politisch desinteressiert oder von falschen Ideen in die Irre geführt.

Du greifst sehr viele unterschiedliche Thematiken auf. Wie viele Stunden am Tag investierst du eigentlich in das Lesen von Nachrichten und in Recherchen?

Unterschiedlich. Oft den ganzen Tag. Momentan bin ich mehr mit dem Programmieren meiner Seite beschäftigt. Ein bis zwei Stunden am Tag dürften es aber meistens schon sein.

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Kann jeder diesen Aufwand betreiben oder wie sollte man überhaupt am besten vorgehen, wenn man sich durch den Dschungel aus unterschiedlichen Nachrichten arbeiten will?

Nein, das kann nicht jeder leisten. Vor allem wenn man Familie hat. Wenn man nach 8 bis 10 Stunden Arbeit mit scheiß Kollegen und scheiß Vorgesetzten nach Hause kommt, möchte man sich entspannen und einer Tätigkeit nachgehen, die Energie gibt. Das Lesen von Nachrichten gehört definitiv nicht dazu.

Und Geld kostet es auch. Für das Wissen, das ich mir im Laufe der letzten zehn Jahre angeeignet habe, musste ich teuer bezahlen. Unter anderem habe ich dieses Selbststudium mit Bafög und Studentenkredit finanziert, welchen ich nun abzuzahlen habe. Doch bringt dieses Wissen in den seltensten Fällen finanziellen Gewinn. Es ist aus materieller Sicht ein ziemlich teueres Hobby.

Noch einmal zurück zur Medienkritik allgemein. Bildblog.de berichtet schon seit 2004 kritisch über die BILD-Zeitung und prangert deren Falschmeldungen und Verstöße gegen den Pressekodex an. Ist bullshitfree.info so etwas wie ein kleiner Bruder von Bildblog?

Von bildblog.de höre ich jetzt zum ersten Mal. Mein Ziel ist eher die gesamten Medien anhand bestimmter Themen wie Russland und Religion zu analysieren. Außerdem möchte ich eigene im Laufe der Zeit entstandene Thesen zur Beschreibung der Welt verbreiten.

Bildblog.de hat es ja nicht geschafft, die Macher der BILD zu bekehren, aber zumindest viele Menschen zu einer kritischen Sicht auf den Boulevardjournalismus zu bewegen. Ist das auch der Anspruch, den du mit deiner Webseite verfolgst?

Wenn sich daraus etwas Größeres ergibt, fände ich das super. Aber ich möchte vor allem Informationen bereit- und wenig beachtete Ansichten darstellen. Auch würde ich mich freuen, wenn sich daraus ein paar Freundschaften ergeben. Ich hege dabei jedoch keine großen Ambitionen. Ich denke, dass man gegen die Eliten nur auf lokaler Ebene etwas ausrichten kann. Global betrachtet sind sie zu mächtig. Aber sie können nicht jedes kleine Dorf kontrollieren. Vielleicht wird deshalb die Urbanisierung der Welt vorangetrieben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Foto: Alexander Podlubnij (privat), PDPics, Geralt und IvanPais (alle pixabay.com) – CC0 Public Domain

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