Granada – Eine unvollkommene Beschreibung

Jairo Gomez ist ins spanische Granada gereist und berichtet über das Zusammentreffen von Orient und Okzident und über zu Stein gewordene Erzählungen aus 1001 Nacht.

Granada. Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen. Es ist eine Stadt, die alle Sinne anspricht und die man erleben muss. Was ich schreibe, erfasst nur einen winzigen Ausschnitt dessen, was Granada ausmacht.

Schon die geografische Lage ist besonders. Granada liegt im Südosten Spaniens, schmiegt sich an die südlichen Ausläufer der Sierra Nevada an und breitet sich bis in die Flussebene des Rio Genil aus. Bis zum Mittelmeer sind es kaum 50 Kilometer.

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An vielen Punkten Granadas ist ein freier Blick auf die höchsten Gipfel der Iberischen Halbinsel möglich. Der Mulhacén thront mit einer Höhe von 3482 Metern mächtig über der Stadt. Nicht weniger majestätisch wacht der Pico del Veleta. Er ist der markanteste Berg in der Umgebung. Bei guter Sicht kann man von ihm aus über das Mittelmeer bis nach Marokko blicken.

Die Küste Granadas, bekannt als Costa Tropical, in dessen Mikroklima ganzjährig tropische Pflanzen gedeihen und die Speisekarten der Restaurants und Privathaushalte mit Avocados, Mangos, Papayas und Bananen bereichern, ist Teil der Costa del Sol.

Almuñecar, an der Costa Tropical gelegen
Almuñecar, an der Costa Tropical gelegen.

Geprägt durch Römer, Phönizier und Mauren

Nicht nur die einmalige Landschaft und das Klima verleihen Granada den einzigartigen Flair. Es ist ein magisches Fleckchen Erde, das seit Urzeiten die Menschen anzieht und auf dem Hochkulturen ihre Spuren hinterlassen haben. Phönizier, Römer und Westgoten haben Granada geprägt.

Architektonisch ist die Stadt eine Schatztruhe. Auf engstem Raum finden sich die unterschiedlichsten Baustile: Gotik, Renaissance und Barock stehen neben modernen Bauwerken. Aber die arabische Bauweise dominiert. Denn erst die Mauren, die im 8. Jahrhundert nach Spanien eindrangen, verwandelten die Stadt in ein Juwel. 781 Jahre dauerte ihre Herrschaft. Während dieser Zeit arbeiteten sie unentwegt am Stadtbild.

Das wichtigste architektonische Zeugnis hinterließen sie mit der Alhambra (Anm.: Arab.; rote Burg). Die gewaltige Stadtfestung, die auf phönizisch-römischen Fundamenten steht und jedes Jahr fast 2,5 Millionen Besucher anlockt, wurde von den Mauren zu einer Erzählung aus 1001 Nacht ausgebaut.

So sieht das Paradies aus

Den Mauren muss das Gebiet ohnehin wie ein Paradies auf Erden vorgekommen sein, waren sie doch aus den Wüsten vor allem Wasserknappheit gewohnt. Hier herrschte kein Mangel. Mit ihren Kenntnissen blühende Oasen am Leben zu erhalten, schufen sie in den Auen des Rio Genil eine der fruchtbarsten Gegenden Andalusiens. Ihre Bewässerungssysteme sind bis heute intakt.

In der Flussebene werden zahlreiche Obst- und Gemüsesorten angebaut. Manche wurden aus dem Orient mitgebracht wie zum Beispiel Zitrusfrüchte, Auberginen, Zucchinis und auch Mandeln. Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Mais, Kürbis und andere Nutzpflanzen kamen durch die Verbindung zu Amerika hinzu. Die hatte in Granada ihren Ausgangspunkt.

Wasser. Immer wieder Wasser.
Wasser. Immer wieder Wasser.

Granada als Ausgangspunkt für Christoph Columbus

Dass Christoph Columbus nicht der Entdecker Amerikas ist, weiß man zwar mittlerweile. Seine Reisen beeinflussten dennoch die Geschichte der Menschheit und Spaniens enorm.

Die Weichen dazu wurden in Granada gestellt, als Columbus den katholischen Königen hierher folgte und die Erlaubnis für seine erste Seereise erhielt. Ein Austausch ungeahnten Ausmaßes zwischen zwei Kontinenten wurde damit ausgelöst.

Der Enkel der katholischen Könige, der Habsburger Kaiser Karl V. plante sogar Granada zur Hauptstadt des heiligen römische Reiches deutscher Nation zu machen. Ein Überbleibsel seiner Ambitionen ist der nach ihm benannte Renaissance Palast Palacio de Carlos V auf dem Gelände der Alhambra.

Gaumenfreuden und Flamenco

Granada ist ein Schmelztiegel der Kulturen, wie er nur selten zu finden ist. Seit jeher treffen in dieser Stadt Orient und Okzident sowie Antike und Moderne aufeinander. Nicht dass es immer friedlich zugegangen wäre. Es hat immer wieder Probleme zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen gegeben. Im Großen und Ganzen verstanden es die Menschen aber miteinander auszukommen und voneinander zu profitieren. Die Sprache, die Architektur, die Küche und die Musik Granadas zeugen davon und fügen sich zu einem harmonischem Bild zusammen.

Zudem bildet ein Strauß aus Gaumenfreuden die Grundlage einer kulinarischen Kultur, die sich in Spanien etabliert hat und weltweit bekannt geworden ist. Tapas, die kleinen Häppchen, die beispielsweise zu jedem Bier oder Wein in jeder Kneipe in der ganzen Provinz gratis gereicht werden, sind einer der bekanntesten Botschafter.

Eine der vielen Köstlichkeiten, die zu Bier oder Wein gratis gereicht werden.
Eine Köstlichkeit, die zu Bier gereicht wird.

Musikalisch ist Granada eine Hochburg des Flamencos. Im Frühsommer geben sich Klassik und Ballett bei einem internationalen Musik- und Tanzfestival ein Stelldichein. Jeden Herbst findet in der Kleinstadt Almuñecar ein internationales Jazzfestival statt.

Lehre und Wissenschaft

Granada hat aber noch viel mehr zu bieten. Schon die Mauren unterhielten die Madrasa, eine Schule in der sowohl Islamwissenschaften als auch Mathematik und Medizin gelehrt wurden. Im Jahr 1531 wurde die Universidad de Granada gegründet. Die Universität besteht bis heute. Fast 70.000 Studenten besuchen die verschiedensten Fakultäten.

Die Studenten prägen natürlich das pulsierende Stadtbild und auch das Nachtleben. Neben zahlreichen Tapaskneipen gibt es viele Pubs, Cocktailbars und Diskotheken.

An Freizeitangeboten herrscht ebenfalls kein Mangel. Die Bergregionen laden im Sommer zum Wandern, Freeclimbing, Mountainbiking, Paragliding und anderen Abenteuern ein. Im Winter ist Skifahren angesagt. Die nahe Costa Tropical ist fast das ganze Jahr Anziehungspunkt für Sonnenanbeter, Taucher und Surfer.

Eine Farbexplosion in den Gärten der Alhambra.
Eine Farbexplosion in den Gärten der Alhambra.

Heiße Schokolade und glühende Berge

Ich schrieb am Anfang meines Reiseberichts, dass Granada sämtliche Sinne beansprucht. Deshalb sind die Stadt und das dortige Leben mit Worten kaum zu skizzieren.

Wie sollte ich es auch beschreiben, wenn sich in einem der angesagtesten Cafés, dem seit 1922 bestehendem „Café Futbol„, die Gerüche von frischem Kaffee, heißer Schokolade, getoastetem Brot und dem nationalen Frühstücksgebäck Churros miteinander vermischen? Wie will man das sanfte Plätschern der Springbrunnen und den Duft unzähliger Blumen in den Gärten der Alhambra beschreiben? Oder die friedliche Stille im Kreuzgang eines Klosters?

Dazu das Glühen der Berge bei Sonnenuntergang und die Lichtspiele, die die heranziehende Nacht auf die Mauern einer der schönsten Städte Europas zaubert. Das alles sollte jeder selbst gesehen und erlebt haben: Granada ist mehr als eine Reise wert.

Fotos: NEUE DEBATTE – Jairo Gomez

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