Rassismus im Alltag: „Ich hab ja nix gegen Schwule, aber …“ (Part 1)

Toleranz ist ein Luxus, den sich viele Menschen nicht leisten. Unsere Autorin Alex geht in einer dreiteiligen Beitragsreihe der Frage nach, warum Vorurteile und Rassismus ständig unser Leben begleiten und liefert Beispiele aus ihrem Alltag.

Toleranz ist ein Luxus, den sich viele Menschen nicht leisten. Unsere Autorin Alex geht in einer dreiteiligen Beitragsreihe der Frage nach, warum Vorurteile und Rassismus ständig unser Leben begleiten und liefert Beispiele aus ihrem Alltag.

Hallo, hier die Alex. Ich wollte kurz etwas einwerfen, bevor die Show startet. Also, Sie werden merken: Ich mache mir viele Gedanken und möchte Sie daran teilhaben lassen.

Aber als Vorwarnung: Ich bin zwar auch ein Freund des saloppen Wortes, aber Nietzsche und Kant stauben nicht in meinem kognitiven linguistischen Regal vor sich hin, sondern liegen auf meinem Nachttisch. Also für „eben mal zwischendurch“ bin ich nicht gedacht.

Ich will Sie provozieren und wütend machen.

Die Professuren liegen mir eben mehr als das einfache Bildleserkollektiv. Sie können sich uns gern anschließen, so ist es nicht. Nur erwarten Sie nicht, dass ich Sie mit einfachen Phrasen, die überall schon stehen, abspeise. Kommen Sie schon. Zeigen Sie mir, was Sie haben. Ich will Sie provozieren und wütend machen. Das zeigt psychologisch, dass ich voll ins Schwarze getroffen habe. Viel Spaß!

Ich möchte niemanden als homophoben Rassisten beleidigen oder einen homophob-rassistischen Hintergrund zuschreiben, aber … Auch mir fällt es schwer mich gegen die Mantras der Gesellschaft zur Wehr zu setzen beziehungsweise einen Umweg, um sie herum zu finden: Sie fließen in uns wie das Wasser in der Lunge eines Ertrinkenden, ohne dass er sich an die Oberfläche erheben könnte, weil ihm eine Tonne Beton am Fuß klebt. Gefertigt aus ungeschriebenen Gesetzen der Medien und der gehobenen Schicht. Erfunden für den Pöbel, um ihn gefügig zu machen.

„Ich hab ja nix gegen Schwule, aber …“

Mir geht da eine Sache nicht so wirklich aus dem Kopf: und zwar die Toleranz in meinem Umfeld (und damit auch ein Stück weit in der Gesellschaft). Inwieweit sind wir Menschen tolerant? Beziehungsweise inwieweit sind wir zur Toleranz fähig? Aber vor allem inwieweit ist uns der homophobe Rassismus in uns bewusst!? Und die damit verbundene Nicht-Toleranz.

Ich schreibe bewusst „wir“, da ich mich nicht ausschließen möchte. Es betrifft mich genauso wie alle anderen. Ich bin keine Heldin, sondern auch nur ein Mensch, der nicht perfekt ist.

Ich agiere genau wie Sie. Nur mache ich mir Gedanken und formuliere sie und bemühe mich damit etwas an dem Ungerechten zur Sprache zu bringen und hoffentlich zu ändern. So …

Der Kabarettist wird’s wissen.

Obwohl das Wort Toleranz vielleicht unglücklich gewählt ist, da dieses Wort einen ganz anderen Ursprung hat, als ich erwartet hatte; und wie es scheinbar in der Gesellschaft verankert ist. Denn Toleranz stammt von dem lateinischen Wort tolerare ab, was dulden oder ertragen bedeutet. „Mit toll finden hat das nichts zu tun“, sagt Volker Pispers. Der Kabarettist wird’s wissen.

Deshalb möchte ich mit dem Wort Respekt agieren. Den Respekt, den jeder Mensch verdient, allein dafür, dass er ein Lebewesen auf dieser Erde ist. Schon Goethe hat einst geschrieben: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein. Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Also: Inwieweit sind wir Menschen respektvoll? Beziehungsweise inwieweit sind wir zu Respekt fähig? Aber vor allem inwieweit ist uns der homophobe Rassismus in uns bewusst!? Und die damit verbundene Respektlosigkeit.

Hier ein Beispiel aus meinem Alltag:

Respekt und Toleranz sind hohe Werte einer aufgeklärten Gesellschaft.Aus Respektgründen möchte ich keine Namen nennen. Ich möchte niemanden als schwarzes Schaf an den Pranger stellen.

Der Gesellschaft, den Medien einen Volldeppen auf dem Silbertablett servieren, auf den gespuckt wird, dessen Leben zerstört wird, nur für Brot und Spiele – ohne ernsthaft über das eigene Handeln nachgedacht zu haben.

Beispiele gibt es da genügend in unserer Vergangenheit. Dieses Klischee möchte ich nicht bedienen. Das nicht!

Aber ich stelle fest: Um auf etwas aufmerksam zu machen, um etwas zu erklären, sind Beispiele unabdingbar.

Es gab folgendes Gespräch:

Andere Person: „Na, wo würdest du gern in deinem Leben noch hinreisen wollen?“

Ich: „Och, eigentlich … einmal in die USA. In Kombination mit einem großen Bowlingturnier, aber sonst reizt mich da nicht viel. Bin ganz glücklich hier in Deutschland. Nicht, dass ich kein Interesse an anderen Lebensweisen oder Ländern hätte, aber reisen … weiß nicht. Kommt vielleicht noch. Und du?“

Andere Person: „Ich würd gern mal nach Ägypten, die Pyramiden ansehen. Das stell ich mir richtig interessant vor. Aber momentan nach Ägypten zu reisen, … ah, ist nicht so eine gute Idee.“

Ich: „Ja okay, das stimmt schon. Ägypten ist ein schönes Land, aber das fällt bei mir aus einem anderen Grund raus.“

Andere Person: „Wieso?“

Ich: „Na ja, in dem Land steht Homosexualität unter Strafe.“

Andere Person: „Ja, aber du musst es für die paar Wochen ja nicht ausleben.“

Das Gespräch hat wirklich stattgefunden und ist so abgelaufen. Ich betone das, weil sich ein anderes Gespräch anschloss, was uns zurück zur Frage nach Respekt und Respektlosigkeit bringt.

Ich habe diesen Text meinem besten Freund zum Korrekturlesen gegeben und folgende Reaktion kam:

Na und?

Ein schwerer Schock für mich. Mein bester Freund hat nichts an dieser diskriminierenden und menschenverachtenden Situation zu kritisieren. Aber im darauf folgenden Gespräch begannen wir, uns zu verstehen …

Hier geht es zum zweiten Teil von Rassismus im Alltag: „Ich hab ja nix gegen Schwule, aber …“

Über die Autorin: Alex emi­g­rie­rte aus den schwäbisch-bayrischen Bergen in die Lüneburger Heide. Nach dem Abitur zog sie nach Hamburg, um ein Handwerk zu erlernen. Alex gibt sich dem Schreiben hin und der kreativen Malerei. Ihre Essays unterzieht sie dem Urteil der eifrigen Leserkultur. Sie ist 22 Jahre alt und lebt im Norden Deutschlands.

Fotos: Kurious und naeimasgary (beide pixabay.com) – Creative Commons Zero

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