Diplomatie made in Germany: Taktlos, dümmlich und arrogant

Donald Trump ist neuer Präsident der USA. Die deutsche Politikelite sieht sich in der Pflicht, dem künftig mächtigsten Mann der Welt zu sagen, wo es im Leben lang geht. Eine Bestandsaufnahme der Diplomatie made in Germany.

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Ursprünglich sollte das ein ganz schlauer Kommentar zu dem Wahlergebnis in den USA werden. Ich wollte darüber schreiben, dass ich es nahezu unerträglich finde, einen Menschen wie Donald Trump an der Spitze der noch einzig verbliebenen Weltmacht zu wissen.

Ebenso wollte ich über Hillary Clinton und ihren Machenschaften schreiben rückblickend über den ätzenden US-Wahlkampf. Doch es ist schon alles darüber geschrieben worden.

Trump auf der Kommandobrücke

Es bleibt mir nur zu sagen, dass das angeschlagene Schiff H.M.S. USA den im Brackwasser aus Wirtschaftskrise, gesellschaftlichem Niedergang und Zukunftsängsten treibenden Bürgern zwei Rettungsringe zugeworfen hat, die mit Zement statt mit Luft gefüllt waren. Beide Kandidaten, Clinton und Trump waren unwählbar. Die einzigen wirklichen Alternativen wären Bernie Sanders und Jill Stein gewesen. Die Wähler haben andere Vorstellungen: Trump ist jetzt auf der Kommandobrücke.

In Deutschland hingegen schert man sich nicht um den Willen des amerikanischen Volkes, vor allem nicht in den politischen Kreisen. Diejenigen, die wissen müssten, dass sie eine Vorbildfunktion haben, führen vor, wie man es nicht macht.

Noch bevor Donald Trump seinen Amtseid geleistet und irgendeine Amtshandlung vollzogen hat, wird er ermahnt und vorverurteilt. Hervorzuheben wäre dabei das Fehlverhalten unseres obersten Diplomaten Frank-Walter Steinmeier, der über all seiner Entrüstung über das Wahlergebnis, dem Sieger noch nicht einmal gratulierte. Das ist arrogant und dümmlich.

Ermahnungen gehören nicht in die Öffentlichkeit

Ein deutliches Zeichen für mangelndes Taktgefühl sind die Ermahnungen von Kanzlerin Angela Merkel, die in ihrem öffentlichen Statement an den zukünftigen Präsidenten appelliert, er möge an demokratische Werte denken.

Merkels Verhalten scheint durch Donald Trumps Sprüche während des Wahlkampfes durchaus berechtigt. Aber diese Ermahnungen gehören nicht in die Öffentlichkeit: So macht man sich in der zukünftigen US-Administration bestimmt keine Freunde.

Im Wahlkampf hatte Trump seine Pläne für die ersten 100 Tage seiner Regierung dargelegt. Das Meiste davon ist abzulehnen, beispielsweise die Streichungen der Zahlungen an die UNO.

Aber auch ein Präsident der USA muss sich an die Verfassung halten und wir wissen nun einmal nicht, wie viele Punkte von seinem Plan, sich wirklich realisieren lassen. Zurückhaltung in den Äußerungen wäre also angebracht.

Eine Ohrfeige für die USA

Es wird oft betont, dass man Werte mit Amerika teilt. Das mag in groben Zügen stimmen, es gibt aber einen Unterschied in der Mentalität. Und hier begeht man immer wieder denselben Fehler: Man legt an seinen Gegenüber eigene Maßstäbe an.

Was in Deutschland als rechtspopulistisch ausgelegt wird, muss in den USA lange nicht so sein, auch wenn es nicht ins eigene Weltbild passt. Die Anfeindungen gegen Trump während und nach dem US-Wahlkampf sind daher ein diplomatischer Rohrkrepierer. Die komplette erste Garnitur deutscher Politiker hat auf ganzer Linie versagt.

Selbst wenn ich den meisten Befürchtungen und Argumenten inhaltlich zustimme. Ich kann nicht gutheißen, was für Statements vor laufenden Kameras abgegeben wurden. So geht man mit keinem frisch gewählten amerikanischen Präsidenten um.

Für einen Großteil des amerikanischen Volkes dürfte es eine diplomatische Ohrfeige gewesen sein. Denn Trump ist nicht durch einen Putsch Präsident geworden, sondern durch den Willen der Wähler und durch das bestehende Wahlsystem.

Die Verhaltensweise der deutschen Politikerkaste ist daher ein klares Zeichen, wie weit die Empathielosigkeit gegenüber dem Wählerwillen fortgeschritten ist.

Vier unberechenbare Jahre mit Donald Trump

Donald Trump wird in den kommenden vier Jahren beweisen müssen, ob er tatsächlich die Stimme des amerikanischen Volkes vertritt oder dem Glauben an Freiheit und Demokratie endgültig einen Todesstoß versetzt. Sein künftiges Handeln ist zum jetzigen Zeitpunkt unberechenbar. Seitens der deutschen Politik ist daher Fingerspitzengefühl gefragt.

Vielleicht ist es hilfreich, sich die Erwartungen gegenüber Barack Obama zu vergegenwärtigen und mit den Ergebnissen seiner Regierungszeit abzugleichen. Auf diesem Wege kann die Politik zur Erkenntnis kommen, dass alle Hypothesen über das Verhalten eines US-Präsidenten auf schwachen Füßen stehen.

Foto: Gage Skidmore (flickr.com) – CC BY-SA 2.0

2 Thoughts

  1. Sicher können unsere Politiker eigene Maßstäbe anlegen. Es geht schließlich um den Kaiser und ersten Konsul unseres Weltreiches und als Untertanen dürfen wir beleidigt spielen, wenn der Imperator uns im Wahlkampf als unbedeutende Peripherie abtat und nur der Stadt und dem Kernland seine Liebe schenken will.

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  2. Generell möchte ich den Ausführungen des Autors uneingeschränkt zustimmen: Die Ansprüche an das eigene Land/Wertvorstellungen müssen nicht in einem anderen Land dieselben sein. Außerdem „gehört es sich einfach“ dem Gewinner einer demokratischen Wahl zu gratulieren. Und dabei handelt es sich bei Trump. (auch wenn ich persönlich die Ablehnung gegen ihn aufgrund seines Wahlkampfes nachvollziehen kann). Was hier -in der Öffentlichkeit praktiziert wurde, ist schlechter Stil und sollte von deutschen Politiker nicht nötig sein.
    Andererseits, wenn ich mir heute die Ereignisse in der Pressekonferenz mit Steinmeier in Ankara und die dazugehören Kommentare in Medien wie der FAZ anschaue, frage ich mich, wo die Verhältnismäßigkeit bzw. der Unterschied ist…
    Ob ein deutscher Außenminister beleidigt wird oder eben jemanden quasi beleidigt: Er wird kritisiert. Was verwunderlich ist, wenn man sich die jeweiligen Adressaten betrachtet.

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