Donald Trump als logische Konsequenz eines kriminellen und korrupten Establishment

Die Meinungsforscher sahen Hillary Clinton noch am Wahltag als neue Präsidentin der USA. Ein gewaltiger Irrtum. Donald Trump machte das Rennen. Er profitierte auch von einem Establishment, dass von den Wählern zutiefst verachtet wird. Eine kritische Betrachtung von Luke (Sott.net).

Nun steht das Ergebnis fest: Nach einer bizarren Wahlshow, in der Beleidigungen, Sexskandale und Wahlfälschungsvorwürfe wichtiger waren als eine sinnvolle Diskussion der vielen brennenden Themen, hat also Donald Trump das Rennen gemacht.

Und das mit beeindruckenden Ergebnissen – entgegen der vielen Prognosen in den Medien, die Hillary Clinton vorne sahen, gewann er die Wahl haushoch.

Entsprechend schäumend vor Wut zeigten sich die Clinton-Anhänger, zu denen auch die Medien und weite Teile des westlichen Establishments zählen. Fassungslos betrachteten die Moderatoren der großen Sender ihre Monitore – sie waren sich ihrer Sache wohl sehr sicher.

Es ist gar nicht schwer zu verstehen

Auch in Deutschland machte man kaum einen Hehl aus der Verachtung für Trump und dessen Wähler: Ursula von der Leyen (CDU) bezeichnete seine Wahl als „Schock„, Sigmar Gabriel von der SPD nannte ihn gar einen „Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen“ und die FAZ schiebt die Schuld herablassend auf „weiße Amerikaner ohne Hochschulabschluss„. Die BILD fragt immerhin: „Wie konnte das passieren?“

Nun, eigentlich ist es gar nicht schwer zu verstehen: Den Menschen geht es schlecht, das Establishment ist bis ins Mark korrupt und Trump verspricht, dagegen etwas zu unternehmen. Und diejenigen, die in Deutschland jetzt am lautesten schreien, sind jene, die sich jahrelang zu Komplizen der transatlantischen Verbrechen gemacht haben.

US-Eliten: korrupt, degeneriert, kriminell

Ein Kommentator auf Facebook brachte es gut auf den Punkt: Das echte Leben sei eben keine Wohlfühlveranstaltung, und wenn man als hart arbeitender Bürger dennoch seine Rechnungen nicht bezahlen kann und sich die Schulden türmen, während Politiker und deren Entourage längst ihre Seele an den Meistbietenden verscherbelt haben, und mit 2000 Euro-Designer-Handtaschen auf Events herumlaufen, dann wird man eben wütend – und das zu Recht.

Donald Trump setzte sich entgegen aller Prognosen bei der Präsidentenwahl durch.
Donald Trump setzte sich entgegen aller Prognosen bei der Präsidentschaftswahl gegen Hillary Clinton durch. (Foto: Gage Skidmore)

Donald Trump hat genau dies bedient, indem er versprach, wieder Jobs nach Amerika zu holen und in Washington „aufzuräumen“. Ob er tatsächlich etwas von seinen Versprechen umsetzt, ist fraglich und bleibt abzuwarten.

Ebenso kann man noch nicht sagen, in welche Richtung es mit Trump geht – die Optionen reichen von echtem Fortschritt und einer endlich wieder gemäßigten Außenpolitik bis hin zu offenem Totalitarismus.

Der Mann ist in seinem grenzenlosen Narzissmus wahrlich schwer berechenbar. Bei Politikern ist es wichtig, nicht darauf zu hören, was sie sagen, sondern darauf zu achten, was sie tatsächlich tun. Trump ist hier politisch noch ein unbeschriebenes Blatt.

Donald Trump ist eine gefährliche Lösung

Hillary Clinton dagegen war die Personifizierung des korrupten Establishments – ein Skandal nach dem anderen, befeuert durch die Wikileaksveröffentlichungen, zeigten unmissverständlich das Ausmaß ihrer Lügen, ihrer schamlosen Selbstbereicherung, ihrer Verbindung zu den Saudis, ihre brutale Außenpolitik.

Ganz abgesehen davon, dass sie in der Vergangenheit im Senat für sämtliche Kriege stimmte und trotz aller großen Worte stets fromm die Interessen von Wall Street & Co vertrat. Wer möchte allen Ernstes so eine Frau als Präsidentin? Weil sie eine Frau ist? Dass solch ein lächerliches Argument überhaupt Bestand hat, sagt schon viel über das Niveau des politischen Diskurses während des Wahlkampfs aus.

Der von der FAZ gefürchtete „weiße Amerikaner ohne Hochschulabschluss“ hat wenigstens verstanden, wer ihn unterdrückt, auch wenn Donald Trump sicher eine sehr gefährliche Lösung ist.

Die Hillary-Anhänger hingegen bewegen sich in einer imaginären Scheinwelt, in der das Geschlecht des Präsidenten wichtiger ist als genug Essen auf dem Tisch für die Bevölkerung und das Beenden des Massenmords, den die USA überall auf der Welt anstiften und unterstützen.

Teile und herrsche als uralter Trick

Jedenfalls gab es wohl kaum eine Wahl, bei der die Anhänger der beiden Kandidaten so derartig voller Hass gegen den jeweils anderen Kandidaten waren. Ein voller Erfolg also – zumindest aus Sicht des Establishments, das aus dem Dunstkreis von Banken, Großkonzernen, militärisch-industriellem Komplex und Big Oil heraus die USA und einen Großteil der Welt regiert.

Denn eine Bevölkerung, die sich an ewigen Reizthemen wie Schusswaffenverbot, Einwanderern oder Homo-Ehe aufhängt, statt Gemeinsamkeiten zu finden und die wirklich wichtigen Themen zu besprechen, wird niemals etwas ändern. Teile und herrsche: das ist ein uralter Trick zur Aufrechterhaltung der Macht.

Auch in Deutschland können wir dieses Phänomen beobachten. Zum Beispiel sind die AfD-Anhänger für eher links sozialisierte Deutsche ein gefundenes Fressen – böse Nazis, die Ausländer anpöbeln. Umgekehrt ziehen linksorientierte Menschen den Hass der Rechten auf sich: Gutmenschen, Schmarotzer, die unser Land und unsere Traditionen zugunsten von Bio-Supermärkten abwickeln.

Verbindung zu einem totalitären Machtblock

Die Fronten sind also geklärt, es gibt kein Vor und kein Zurück, und mitten in diesem Spannungsfeld entwickeln sich absurde Theorien, blinder Hass und die Unfähigkeit, andere Menschen ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören – kurzum, wir verlieren unsere Empathie.

Derweilen ist das schrittweise Abgleiten in den Faschismus – also die Verbindung von Konzernen und Staat zu einem totalitären Machtblock – auch hierzulande längst zu beobachten. Aber gestritten wird sich über Flüchtlinge, Islamisierung und die Rolle der Frau. Absurd.

Dabei haben wir doch vielleicht mehr Gemeinsamkeiten, als wir denken. Kann denn zum Beispiel jemand aus dem linken Milieu nicht verstehen, dass sich ein anderer Mensch nach einem traditionelleren Lebensstil sehnt? Nach einer Welt, die nicht völlig von stumpfer Konsumkultur und der damit einhergehenden Verrohung der Werte geprägt ist? Sehnt sich denn nicht auch ein Linker nach der Zeit, als die Grünen noch für mehr standen als Krieg und Kita?

Aber auch aus dem rechts-konservativen Spektrum könnte man doch die Gemeinsamkeiten sehen, etwa in der Ablehnung des US-Imperialismus und dessen barbarischer Wertvorstellungen, im Streben nach einem Gesellschaftsmodell, das wieder die Gemeinschaft betont. Es gibt viele weitere Beispiele.

Unwichtigkeiten vor dem Hintergrund riesiger Probleme

Wenn Menschen miteinander reden, sich zuhören und sich in andere Menschen hineinversetzen können, dann erscheinen auch Reizthemen wie Homo-Ehe und selbst Flüchtlingskrise plötzlich gar nicht mehr so wichtig.

In welche Richtung sich die USA unter Trump bewegen, ist völlig offen.
Quo vadis, Amerika? In welche Richtung sich die USA unter Donald Trump bewegen werden, ist völlig offen. (Foto: Barbara Rosner)

Wenn die Hypnotisierung durch Ideologie und Parolen nachlässt, merken wir plötzlich, dass man sich trotz unterschiedlicher Auffassungen verstehen kann. Flüchtlingskrise? Kein Weltuntergang. Packen wir’s ganz pragmatisch an. Homo-Ehe? Ach, leben und leben lassen. Rolle der Frau? Soll doch jede selbst entscheiden.

Das alles ist letztlich völlig unwichtig vor dem Hintergrund der riesigen Probleme, vor denen wir stehen. Wer allerdings schwarz-weiß und in Freund-Feind-Bildern denkt, der entfernt sich von der Realität, von echten Beziehungen und lebt auf einer Insel der Ideologie.

Der wahre Feind: fehlendes Wissen

Leider schwingen sich einige – meist pathologische – Figuren schnell an die Spitze solcher Ideologien, wo sie Macht und Kontrolle ausüben können, wie es im hier oft zitierten Buch Politische Ponerologie beschrieben wird.

Dadurch binden sie ihre willige Herde noch fester an sich und ihre Ideologie und hetzen sie gegen Andere auf. Das lässt sich hierzulande sehr schön an diversen Parteien und Medien im linken wie im rechten Spektrum sehen. Die Menschen sind paralysiert, voller Hass und voll auf eine Ideologie eingeschworen.

Die Korrumpierung oder gar Gründung von Bewegungen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wir erinnern uns an die Grünen, die einst als pazifistische Partei anfing und später Deutschland in den ersten Krieg nach den Nazis getrieben hat. Wir erinnern uns an die SPD, die spätestens unter Schröder ihre sozialen Werte verscherbelt hat.

Joschka Fischer und Gerhard Schröder

Dass dies überhaupt möglich ist, haben wir ebenfalls der Indoktrinierung durch Ideologie zu verdanken – die ursprüngliche Sprache der Bewegung wird von deren pathologischen Führern einfach umgedeutet und gegen sie verwendet, wie es in Politische Ponerologie beschrieben wird.

So hat Joschka Fischer die Grünen mit dem Argument „Nie wieder Krieg“ in den Kosovokrieg getrieben – „Nie wieder Krieg“ bedeutete für ihn „Jetzt wieder Krieg“, nur haben es viele Grüne nicht bemerkt.

Gerhard Schröder hat den Sozialabbau ebenfalls in der Sprache der alten SPD-Werte verkauft: Stets ging es ihm um Chancengleichheit, Schaffung von Arbeitsplätzen für sozial Schwache etc., während er etwas ganz anderes meinte, etwa die Abschaffung der Sozialhilfe und stattdessen die Schaffung von ausbeuterischen Minijobs.

Die Revolution von Niall Bradley

Leider wissen viel zu wenige Menschen um die Mechanismen der Psychopathologie und wie sich diese auf Politik, Bewegungen und deren Sprache auswirkt. Doch gerade in Zeiten von Donald Trump, AfD & Co. brauchen wir dieses Wissen, um die immer wiederkehrenden Muster zu erkennen, mit denen diverse Führer uns einlullen, in eine Ideologie zwängen und uns damit zu ihrem Spielball machen.

Wir sollten aus den Beispielen der Vergangenheit lernen und wissen, wie gefährlich es ist, falschen Führern und Bewegungen – ob links oder rechts, ob konservativ oder progressiv – zu folgen, ohne die Mechanismen dahinter zu verstehen. Stattdessen sollten wir lernen, wirklich kritisch zu denken, und zwar auf Grundlage eines möglichst guten Verständnisses der menschlichen Situation.

Die wahre Revolution, wie Niall Bradley richtig schreibt, fängt bei uns an: Wir müssen an uns selbst arbeiten, im täglichen Leben bessere Menschen zu werden. So setzen wir ein Zeichen, dass ein anderes Leben möglich ist – eines ohne ständige Konfrontation, Lügen, falsche Ideologien und pathologische Taugenichtse an der Spitze.

Ein Fazit

Die meisten Amerikaner haben die Nase voll von „ihrem“ Establishment. Gleichzeitig herrscht eine sehr starke und durchaus gewollte Spannung zwischen den beiden Lagern der Trump-Anhänger und „Progressiven“ – ein ähnliches Phänomen, wie es sich auch in Deutschland mit der AfD oder in Frankreich mit Le Pen zeigt.

Ohne ein gutes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen werden wir aber nicht weiterkommen und entweder den Lügen des Establishments oder der Agitation von neuen falschen Führern und Ideologen verfallen.

Letztlich sollten wir bei uns anfangen, um etwas zu bewegen: uns das notwendige Wissen zum Verständnis unserer Welt aneignen und in unserem Leben umsetzen, was natürlich viel Einsatz bedeutet. Denn niemand – kein Trump, keine Linke, keine AfD – wird uns diese Anstrengung abnehmen.

Donald Trump verspricht viel, aber was er wirklich einhalten kann, steht auf einem anderen Blatt.
Donald Trump verspricht viel, aber was er als US-Präsident wirklich einhalten kann, steht auf einem anderen Blatt. (Foto: Gage Skidmore)

Mit Dank an das Team von Sott.net für das Recht der Übernahme des Beitrags.

Über Sott.net: Das alternative Medium greift kontroverse Aspekte des Zeitgeschehens auf und wendet sich mit seinen Analysen, Reportagen und Berichten an eine kritische Leserschaft, die nicht nur die offensichtliche Fassade einer Thematik kennenlernen will, sondern auch die unwegsamen Winkel und theoretischen Optionen komplexer Problemstellungen. Sott.net ging 2002 online und erscheint mittlerweile weiltweit in zehn Sprachen.

Fotos: Gage Skidmore (flickr.com) – CC BY-SA 2.0 und Barbara Rosner (pixabay.com) – CC0 Public

One thought

  1. Schon oft geschrieben und doch immer wieder muss man es wiederholen: Toleranz ist das Zauberwort, wie der Autor auch sehr eindrucksvoll beschreibt.
    Obwohl ich eine seiner Kernaussagen teile, das „Nichtwissen der wahre Feind“ ist und man die Zusammenhangänge hinterfragen muss. Habe ich den Eindruck, das er davon in einigen Passagen abweicht. (Der Kommentar zu Gehard Schröder und am Anfang zu den Designertaschen. M.m.n etwas zu kontrovers formuliert.) Dies mag allerdings der unterschiedlichen Sichtweisen auf wirtschaftliche Zusammenhänge von Autor und mir geschuldet sein. Allerdings zeigt dies, dass – überspitzt formuliert- auch hier wieder unterschiedliche Ideologien deutlich werden. :-)

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