Umweltethik: Das Prinzip Verantwortung von Hans Jonas

2. Dezember 2016 By Christian Weilmeier

Umweltethik: Das Prinzip Verantwortung von Hans Jonas

“Das Prinzip Verantwortung” ist eines der wichtigsten Werke, wenn es um das Verständnis für Umweltethik geht. Der Philosoph Hans Jonas veröffentlichte sein Buch 1979 und skizzierte eine Ethik für die technologische Zivilisation. Sie wirkt bis heute.

Ein wesentliches Element ist die Anerkennung der Eigenrechte der Natur. Die Menschheit übernimmt hierfür die Verantwortung, da sie sich in der Position des Handelnden befindet.

Außerdem ist die Vermeidung unkalkulierbarer Risiken, die den Bestand der Menschheit als Ganzes gefährden würden, substanziell. Die Menschheit hat demnach die Pflicht, zu existieren. Sie kann sich nicht einfach aufgeben.

Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.

Hans Jonas; Das Prinzip Verantwortung

Beispielsweise steht der Bau von Atombomben oder die Verschmutzung der Umwelt im Widerspruch zur Existenz der Menschheit und ist somit nach Jonas unethisch.

Durch seine Schrift hat Hans Jonas die Gesellschaft und den heutigen Zeitgeist geprägt. Die Heuristik der Furcht, die Kritik an Fortschritt und Wirtschaftswachstum, aber auch Umweltschutz, Tierschutz, Nachhaltigkeit und Verantwortungsethik sind durch Das Prinzip Verantwortung motiviert.

Der schlechten Prognose den Vorrang zu geben gegenüber der guten, ist verantwortungsbewußtes Handeln im Hinblick auf zukünftige Generationen.

Hans Jonas

In meinem Video erkläre ich die Zusammenhänge des ökologischen Imperativ, aber auch die Heuristik der Furcht und warum die Ethik bestimmt wird durch die Verantwortung für die ganze Erde.


Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Foto: Jonny Lindner – Pixabay.com – Creative Commons CC0.

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Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.

COMMENTS

Tragen Wissenschaftler die Verantwortung für die Folgen ihrer Erfindungen,
auch wenn das ‘Negative’ nicht ihre Absicht war ?
Ein Beispiel wäre die Atombombe

Vielen Dank für die Frage. Wenn der Bau der Atombombe, die als Instrument der Vernichtung im Widerspruch zur Existenz der Menschheit steht, das Ziel der Forschung gewesen ist, wäre sie nach Jonas unethisch. Wenn es eine Forschung gegeben hat, die nicht die Atombombe als Ziel hatte, sondern zum Beispiel eine völlig andere Technik, sich aber schon im Forschungsprozess erkennen ließ, dass durch diese Forschung eine Atombombe erst möglich wird, so wäre auch dies unethisch, weil die Ergebnisse der Forschung zwar nicht unmittelbar, aber am Ende eben doch im Widerspruch zur Existenz der Menschheit stehen. Ob der einzelne Mensch (bzw. Forscher) sich verantwortlich fühlt, muss offen bleiben, unbestritten erscheint die Verantwortlichkeit für das eigene Handeln.

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