Abschiebungen: Wo ist der Geist von Vietnam?

Im Zusammenhang mit der Massenabschiebung von afghanischen Mitmenschen in ihre Heimat habe ich mir die Seite des Auswärtigen Amtes angeschaut. In dem Text werden deutsche Staatsbürger insgesamt fünfmal vor Reisen nach Afghanistan gewarnt.

Ich pflege Kontakte zu Menschen, die in Afghanistan leben. Deren Aussagen zeichnen ein düsteres Bild über die Situation: Die Taliban sind auf dem Vormarsch und die Warlords bekämpfen sich wieder untereinander. Vor allem Zivilisten haben darunter zu leiden und sind höchst gefährdet.

Das Auswärtige Amt würde seinen Namen nicht verdienen, wenn es nicht schon länger über diese Lage informiert wäre. Da stellt sich mir dann zwangsläufig die Frage, wieso wird für deutsche Staatsbürger eine dringende Reisewarnung ausgegeben und andererseits Afghanistan für die Flüchtlinge zu einem sicheren Land erklärt?

Mir persönlich erschließt sich die Logik aus dieser Handlungsweise nicht.

Was bleibt, ist ein ganz fader Geschmack, ein innerliches Rumoren, weil sich bei mir der Eindruck einstellt, dass vielleicht nicht bewusst, aber im alten Geist einer Kolonialmacht gehandelt wird.

Flüchtlinge als Bauernopfer

Es ist Fakt, dass Deutschland an einem Krieg teilnimmt, der durch nichts zu rechtfertigen ist und der immer noch anhält. In dieses Chaos will nun die Bundesregierung Menschen in großer Zahl zurückschicken. Wohl wissend, dass damit Leben und Gesundheit all dieser Menschen auf das Stärkste gefährdet ist.

Was da seitens der Regierung getrieben wird, ist Populismus gepaart mit wildem Aktivismus, weil man das Wahlvolk besänftigen will. Das Bauernopfer sind hier die Flüchtlinge. Ein weiteres Mal müssen sie wegen fremder Interessen leiden. Sollte manch einer sogar sein Leben lassen, dürfte es niemanden überraschen.

Wo ist der Geist von Vietnam?

Auch auf die Gefahr hin pathetisch rüber zu kommen: Wo ist jener Geist geblieben, der die deutsche Regierung dazu veranlasste das Lazarettschiff Helgoland des Deutschen Roten Kreuzes nach Vietnam zu schicken, um Opfer des Krieges zu versorgen?

Damals in den 60ern und 70ern des 20. Jahrhunderts wurde Deutschland deswegen respektiert und geachtet.

Ich bezweifle stark, dass das heute noch der Fall ist.


Foto: Amber Clay (pixabay.com) – Creative Commons CC0

 

Seit 1967 lebt der im spanischen Granada geborene Bernardo Jairo Gomez Garcia in Deutschland. Sein Vater stammt aus Kolumbien, seine Mutter aus Spanien. Schon vor seinen Ausbildungen zum Trockenbaumonteur und Kfz-Lackierer entdeckte Gomez seine Leidenschaft für die Kunst. Er studierte an einer privaten Kunsthochschule Airbrushdesign und wechselte aus der Fabrikhalle ans Lehrerpult. Rund 14 Jahre war Gomez als Spanischlehrer in der Erwachsenenbildung tätig. Seine Interessen gelten der Politik, Geschichte, Literatur und Malerei. Für Neue Debatte schreibt Jairo Gomez über die politischen Entwicklungen in Spanien und Lateinamerika und wirft einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland und Europa.

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