Offener Brief an die Bundeskanzlerin: Kehren Sie auf den Weg der Vernunft zurück und sorgen Sie für Frieden!

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

ich nehme die angehende Befreiung Aleppos zum Anlass, Ihnen zu schreiben. Seit 2011 ist nun diese Tragödie in Syrien im Gange. Sollte dieser Krieg nicht bald beendet werden, wird er dann im nächsten Jahr länger als der 2. Weltkrieg andauern.

Das Potenzial, einen weiteren Weltkrieg auszulösen, hat dieser Konflikt leider auch. Höchste Zeit also, im Interesse der Menschen in Syrien und der ganzen Welt, diesem Grauen ein Ende zu bereiten.

Frau Bundeskanzlerin, vor laufenden Kameras sagten Sie, es breche Ihr Herz angesichts der Zustände, die dort herrschen. Schon in der Vergangenheit war von Ihnen zu hören, dieser Konflikt sei nur politisch lösbar, aber andererseits weigern Sie sich strikt, mit dem gewählten und legitimen Staatsoberhaupt Syriens zu verhandeln.

Hinweis für Unterzeichner Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel.Erlauben Sie mir die Frage nach Ihrer Motivation? Wer gibt Ihnen das Recht, den unter internationaler Aufsicht gewählten Präsidenten Syriens als Verhandlungspartner abzulehnen? Wenn dieser Konflikt nur politisch zu lösen ist, werden Sie wohl oder übel Präsident Assad als Verhandlungspartner akzeptieren müssen. Eine andere legitimierte Vertretung des syrischen Volkes ist mir nicht bekannt.

In Ihrer langjährigen Praxis haben Sie schon oft bewiesen, dass es geht: Sie sprechen mit dem saudischen Königshaus, welches über ein Land herrscht, in dem schon unzählige Menschen auf öffentlichen Plätzen geköpft, verstümmelt und verprügelt worden sind und immer noch werden.

Sie sprechen mit der chinesischen Führung, in deren Land die Menschenrechte massenhaft missachtet werden und Sie fühlen sich einem Land verpflichtet in dem Menschen in Zellen auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile warten. Einem Land, in dem die Bürgerrechte nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen und dessen Ureinwohner nur knapp der völligen Vernichtung entkamen und deren Nachkommen teilweise bis heute in Reservaten dahinsiechen.

Nein Frau Bundeskanzlerin, Politik hin Diplomatie her, ich wage zu behaupten, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der Ihnen nicht abkauft, dass Ihr Herz bricht. Wäre es so, würden Sie den Menschen in Syrien zuliebe mit dem gewählten Präsidenten über Möglichkeiten des Friedens, und wie man seinem Volk helfen kann, sprechen.

Die westliche Wertegemeinschaft ist ohne Mandat der UNO in das Land eingefallen und hat ohne jegliche Legitimierung damit begonnen, Bomben abzuwerfen. Jetzt, da Aleppo befreit ist, dürfte es doch ein Leichtes sein – ohne zu fragen – die Menschen mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Was aber noch wichtiger wäre in der Zukunft: Halten wir uns endlich aus den Angelegenheiten anderer Länder heraus und hören damit auf überall auf der Welt westliche Maßstäbe anlegen zu wollen und unsere Vorstellungen von Demokratie mittels Bomben zu verbreiten. In Europa haben wir uns die Demokratie im Laufe von Jahrhunderten schließlich auch selbst erkämpft.

Kümmern wir uns doch besser darum, dass wir selbst die Menschenrechte einhalten, sie respektieren und dadurch jedem zeigen, dass wir tatsächlich hinter den christlichen Werten stehen, die immer wie eine Monstranz von uns umhergetragen wird: Du sollst nicht töten. Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Du sollst nicht trachten nach deines Nächsten Hab und Gut.

Ich darf Sie daran erinnern, dass Sie einer Partei vorstehen, die ein „C“ für christlich in seinem Namen hat. Handelt Ihre Partei, und handeln Sie tatsächlich im Sinn dieser Gebote?

Wenn ich mir allein den Krieg in Syrien und die Rolle, die Deutschland darin spielt, ansehe, wenn ich mir die Abschiebungen der afghanischen Flüchtlinge in ihr vom Krieg zerrüttetes Land ansehe, und wenn ich sehe, wie Vorbereitungen getroffen werden, um junge deutsche Soldaten mit Panzern an die russische Grenze zu verlegen, dann muss ich mit Bedauern sagen: Nein, Sie und Ihre Partei und Ihr Koalitionspartner machen genau das Gegenteil von dem, was die christlichen Gebote vorgeben.

Als überzeugter Demokrat, friedliebender Mensch und Familienvater appelliere ich an Sie, auf den Weg Ihrer Vorgänger, bis einschließlich des Bundeskanzlers Helmut Kohl, auf den Weg zurückzukehren, den sie alle gegangen sind: Es ist der Weg des Verhandelns, der Weg des Dialogs.

Sie haben mehrfach einen Amtseid ablegen dürfen. Nach Art. 56 (und Art. 64) GG lautet er: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe.)“

Nach meinem Empfinden halten Sie sich nicht an diesen Schwur. Allein dass Ihre Regierung die Aktivitäten auf dem US-Stützpunkt Ramstein duldet, hat schon unter zahlreichen Menschen für viel Kritik und Protest gesorgt. Die Tatsache, dass es Anzeigen gegeben hat, zuletzt einen Strafantrag von Hans-Christian Ströbele, die zahlreichen Demonstrationen vor dem Stützpunkt und viele weitere Aktionen mehr, untermauern mein Empfinden und das tausender Mitbürger.

Durch die Sanktionierung der Russischen Föderation und der Entsendung deutscher Soldaten an ihre Grenzen sowie die damit unter voller Kriegsbewaffnung durchgeführten Patrouillenflüge deutscher Eurofighter bringen Sie das gesamte deutsche Volk in Gefahr, jenes Volk, das Sie zu schützen geschworen haben.

Die wirtschaftlichen Sanktionen haben der EU und ganz besonders der deutschen Wirtschaft geschadet, genutzt haben Sie bisher niemandem. Das Einzige was sie bewirkt haben ist die Zerstörung der Jahrzehnte dauernden Arbeit Ihrer Vorgänger. Und was soll Ihrer Meinung passieren, wenn die Aufrechterhaltung der Sanktionen nichts bewirken?

Aus der Geschichte heraus kann man lernen, dass Sanktionen in den seltensten Fällen etwas zu einem guten Ende geführt haben. Irak, Iran, Syrien und Libyen sind über Jahre sanktioniert worden: Am Ende stand immer ein Krieg. Die einzige Ausnahme bleibt der Iran.

Wollen Sie einen Krieg gegen Russland riskieren? Haben Sie ausgeblendet, dass in Deutschland Nuklearwaffen der USA lagern und unser Land damit zu einem der ersten Ziele für russische Raketen wird?

Durch Ihr unverantwortliches Vorgehen machen Sie sich nicht nur Ihrem Volk gegenüber schuldig, sondern auch gegenüber all unseren direkten und indirekten Nachbarn. Sie als Physikerin dürften über die Wirkung von Nuklearwaffen am besten Bescheid wissen. Radioaktivität lässt sich nicht von durch Menschen geschaffene Grenzen aufhalten.

Frau Bundeskanzlerin, ich appelliere eindringlich an Sie. Kehren Sie auf den Weg der Vernunft zurück. Gehen Sie in den Dialog. Verhandeln Sie und sorgen Sie für Frieden in Syrien und der Welt!

Mit freundlichen Grüßen,

Jairo Gomez

Oberhausen, den 16. Dezember 2016

HINWEIS: Wer auf die Unterzeichnerliste möchte, braucht lediglich seinen Namen in das Kommentarfeld unterhalb des Artikels einsetzen. Wir übertragen ihn dann in die Liste.

Weitere Unterzeichner:

Serge Menga, Regina Reuther, Kevin Arnemann, Christian Schrader, Helene Stadlmeyr-Stippel, Wolfgang Drewes, Barbara Uwaifo, Reinhold Hauck, Franz Haslbeck, Gunther Sosna, Alex Ross, Evelyn Ocón, José S. Ocón, Cornelia Wolf, Liselotte Fickus, Beate Abele, Christiane Schröter, Soraya Maria Jäger, Christoph Landwehrs, Gabriele Amman, Diana Voigt, Patrick Braun, Heike Braun, Juliane Steinke, Rosemarie Engel, Roland Rinnau, Horst Briem, Rainer Forster, Horst Berndt, Sandra Kasser, Gerhard Fischer, Silke Hohmann, Hans-Günter Felser, Christina Debusmann, Sonja Feierabend, Tino Nolewaika, Angelika Melssen, Astrid Linz, Iris-Ulrike Wricke, Holger Eisfeld, Stefan Reintinger, Markus Dahlenburg, Guido Schultze, Birgit Pöttner, Sabine Donath, Ina Hallermann, Susanne Mentink–Middelkamp, Alexander Neumann, Ann Purann, Vera Steden, Sabine Seil, Gisela Brand, Thomas Maxein, Klaus Küppers, Franziska Roeder, Claudia Bittkowski, Thomas Apelt, Sabine Sembach-Faitah, Helga und Hermann Pulz, Rietsch Rainer, Isabell Bier, Martina Neumüller, Ulrike Finn, Silvia Piechot, Jacqueline Zwahlen, Thomas Grotepaß, Alois Bunk, Ingrid Bunk, Andreas Zimmermann, Sonja Bal, Myriam Düsterwald, Maximlian Koslowski, Eva Neugebauer, Ülfet Yoksulabakan, Marion Weber, Doris Donau, Maxi Mueller, Steffi Burck, Marion Denk, Doris Krämer, Monika Hartmann, Cornelia Körner, Sigrun Katins-Taheri, Baris Bozan, Jutta Kupfer, Ulrike Funk-Gerstel, Gabriele Zimdahl, Herbert Türk, Iris Rehm, Edelgard Gerngross, Reginald Seyberth,Heinrich Waller

Foto: Thomas Hawk (Flickr.com) – CC BY-NC 2.0

179 Thoughts

  1. Nach dem Zusammenfall der Sowjetunion haben die westlichen Staaten es schändlich versäumt, Russland in das europäische Haus einzubinden. Mehr noch, man hat es bewusst betrogen und isoliert. In seiner Rede im Bundestag 2001 hat Wladimir Putin so viel Hoffnung und Zuversicht ausgesprochen, hat die Türen zu Russland weit aufgestossen und Hand geboten für konstruktive Zusammenarbeit, ja Freundschaft. Es ist die europäische Politik, infiltriert von den USA, die in diesem Zusammenhang völlig versagt hat und für die Situation, in der wir uns heute mit Russland befinden, verantwortlich ist. Wenn die heutigen Politiker und Politikerinnen in Europa nicht fähig zur Selbstreflexion sind, dann sollen sie abtreten und solchen Platz machen, die für Frieden und Prosperität MIT Russland stehen.

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  2. Ich war vor Jahren in Syrien und sehr angetan von Land und Leuten.Mir blutet das Herz zu sehen , was die westliche “ Werte “ – Gemeinschaft dort fabriziert !

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  3. Signale an Frau Merkel sind sehr wichtig , ich wünschte , sie würden gehört.
    Die öffentlich zugänglichen Facebookseiten “ Bürgerinitiative für Frieden in Syrien “ , aber auch die ebenfalls öffentliche Seite “ Bürgerinitiative für Frieden in der Ukraine “ informieren über das Geschehen in Syrien , auch mit Fotos und Videos.Da findet sich desöfteren eine Diskrepanz zur Berichterstattung unserer Mainstream – Medien.

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  4. Dieser Brief findet meene volle Zustimmung….
    Respekt für diese offenen, eenfachen und sachlichen Aussagen…..
    Wir können uns nur in eena Großen Mitte finden wo die Menschlichkeit unser Sein bestimmt und jeder die Möglichkeit hat sich dabei wiederzufinden…..

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  5. Sehr geehrte Fr. Dr. Merkel,
    die Politik für die Sie stehen, die Sie nicht nur in die Welt hinaus tragen, sondern auch im eigenen Land praktizieren und scheinbar im Alleingang, unter Missachtung aller demokratischer und völkerrechtlicher Grundsätze, durchsetzen; lässt mein Herz weinen…

    Sie tragen m. E. maßgeblich dazu bei eine Doppelhelix von Gewalt und Hass zu erzeugen!
    Hören Sie bitte auf damit wirtschaftliche und politische Interessen gegen Menschenleben aufzuwiegen.

    Christan Thiele

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  6. Hallo, ich finde es großartig, dass sie diesen Brief geschrieben und öffentlich gemacht haben.
    Ich würde auch gerne auf die Unterzeichnerliste.

    Sabrina Qaud

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  7. Vielen herzlichen Dank für diesen Brief, ich bin mir ganz sicher, daß Sie vielen Menschen aus der Seele reden (schreiben), ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie auch meinen Namen in die Liste aufnehmen würden.

    Doris Donau

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  8. Vielen Dank, Ihre Worte sind klar und deutlich, aber nicht beleidigend oder in sonst einer Weise nur hinderlich, sollen sie doch auf offene Ohren stoßen. Eine tolle Initiative! Ich wuerde mich sehr freuen, wenn Sie meinen Namen mit auf Ihre Liste nehmen, ich wuerde Sie sehr gern unterstuetzen!

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  9. …die volle Wahrheit! Ich halte nichts von den “Merkel raus“-Rufen, nur die Vernunft bringt uns hier weiter, nur Umdenken und ausschließlich der Weg des Friedens ist die Wahl der Mittel! Die Flüchtlingsströme versiegen und die Probleme hierzulande diesbezüglich verschwinden fast von alleine…
    Bitte tragen Sie mich mit als Unterzeichner ein!
    Danke!

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  10. Inhaltlich identifiziere ich mich mit diesen Zeilen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie auch auf die Anschuldigungen gegen Assad eingehen. Schließlich sind diese der Grund, für die Weigerung unserer Regierung mit Assad zu verhandeln. Ist es nicht so, dass in einem demokratischen Rechtsstaat jemand solange unschuldig ist bis dessen schuld bewiesen ist. Da wir ja wissen, daß das erste Opfer eines jeden Krieges die Wahrheit ist, darf ich doch zumindest Zweifel an der uns medial verkauften Variante der Wahrheit haben.

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