Jairo Gomez Meinung

Terror und Gewalt: Raus aus der Routine des Schreckens

Der Anspruch der Menschheit muss es sein, Konflikte ohne Anwendung von Gewalt zu lösen.

Mein Mitgefühl gilt den Opfern des Anschlags in Berlin, deren Angehörigen und Freunden.

Es gilt auch den Angehörigen und Freunden des getöteten Lkw-Fahrers, der höchstwahrscheinlich durch seinen Widerstand und seine Selbstlosigkeit vielen Menschen das Leben gerettet oder sie vor schlimmsten Verletzungen bewahrt hat. Und mein Mitgefühl gilt ebenfalls der Familie, den Angehörigen und Freunden des in Ankara ermordeten russischen Botschafters.

Mein Mitgefühl gilt den Syrern. Seit 2011 erlebt Syrien jeden Tag Gewalt. Diese Gewalt, so berichtete die argentinische Nonne María Guadalupe, die seit Anfang des Krieges in Aleppo lebt, ist Alltag.

Ich mag mir kaum vorstellen wie es sein muss Jahre lang Tag für Tag Gewalt in einem noch größeren Ausmaß erleben zu müssen, wie in Paris, Brüssel, Nizza und jetzt auch in Berlin.

Ich bin mittlerweile an einen Punkt angelangt, an dem der Zorn mit meinem Mitgefühl gleichzieht. Es ist keine blinde Wut, sondern kalter Zorn.

Nun höre ich von allen Seiten der Politelite Beileidsbekundungen. Ich empfinde sie als eine Heuchelei sondergleichen. Alle Politiker, ganz egal aus welchem Parteilager oder aus welchem Land sie stammen, sie haben es von Anfang an in der Hand gehabt diese Gewalt erst gar nicht aufkommen zu lassen und sie hatten und haben es erst recht in der Hand sie zu beenden.

Es war ihnen aber wichtiger geostrategische Interessen zu befriedigen und wirtschaftlichem Kalkül dienlich zu sein. Alles ausgetragen auf dem Rücken von Menschen: grenzüberschreitend und überall auf unserem Globus.

Der Bumerang der Politik

Der Dornröschenschlaf in der westlichen Welt wird immer Häufiger durch Terroranschläge islamistischer und anderer radikaler Fanatiker gestört. Doch wir schlafen immer wieder ein. Ich frage mich, wie laut der Wecker klingeln muss, um endlich die gesamte Zivilgesellschaft aus diesem süßen, klebrigen und schweren Schlaf herauszureißen.

Wann merken wir, dass sich die Unmenge an innen- und außenpolitischen Fehlentscheidungen der herrschenden Politik fatal auf unser Leben auswirkt. Wenn wir Terrorakte erleben, sind sie vielfach wie ein Bumerang, der zurückkehrt an den Ort, von dem aus er durch die Politik in unverantwortlicher Weise in die Welt geworfen wurde. Es ist höchste Zeit, dass sich die Politelite auf ihre eigentliche Aufgabe besinnt: dem Dienst an den Menschen.

Momentan habe ich den Eindruck, dass die Bürgerinnen und Bürger lediglich als Stimmenbeschaffer angesehen werden, um das Tun von Politikern zu legitimieren. Eine gewonnene Wahl kann aber kein Blankoscheck sein, um im Namen der deutschen Bevölkerung an Kriegen teilzunehmen, deren Folgen nicht abzusehen sind und unermessliches Leid über ganze Völker bringen.

Lossagen von der Gewalt

Es ist ebenfalls höchste Zeit den Mantel der Arroganz abzustreifen, mit dem wir uns umhüllen. Wir trauern berechtigterweise um unsere Toten und unsere Verletzten und sind gleichzeitig nicht die Einzigen, die Grund zur Trauer haben.

Millionen Menschen sind seit Jahren inländischem oder ausländischem Terror ausgeliefert. Afghanistan, Irak, Jemen, Syrien, Pakistan oder der Sudan sind Beispiele für tägliches Leid, Angst und Elend. Wir dürfen die fürchterlichen Meldungen die uns aus diesen Ländern erreichen nicht weiter als eine Routine des Schreckens hinnehmen.

Es wäre illusorisch zu glauben, wir könnten von jetzt auf gleich eine Welt vollkommen ohne Gewalt schaffen. Es wird immer Individuen oder einzelne Gruppierungen geben, die ihre Ziele durch Anwendung von Gewalt erreichen wollen. Der Anspruch der Menschheit muss es aber sein, Konflikte ohne Anwendung von Gewalt zu lösen.

Ein neuer Charakter der Politik

Eine der wirksamsten Methoden zur Beendigung kriegerischer Konflikte und zur Eindämmung terroristischer Entwicklungen ist und bleibt die Trockenlegung der Geldflüsse und ein Ende der Waffen- und Munitionslieferungen in Kriegs- und Krisengebiete und an die Warlords und diktatorischen Systeme.

Dies ist möglich, wenn der politische Wille zum Frieden durch Parteien und vor allem Politiker getragen wird, die die Anwendung von militärischer Gewalt als politisches Mittel und das schmutzige Rüstungsgeschäft mit dem Tod strikt ablehnen. Momentan sind diese Charaktere dünn gesät.

In Syrien findet kein Bürgerkrieg statt. Es ist nicht das Volk, das gegen die Regierung aufbegehrt. Es ist eine Lüge derer, die den Konflikt befeuern. Sie benutzen und manipulieren die Medien, damit man im Westen glaubt, dass es das syrische Volk ist, das auf den Straßen kämpft. Es sind bewaffnete Gruppen, die von außerhalb Syriens kommen. Terroristen. Es sind Söldner, die von Ländern wie Saudi-Arabien finanziert werden und von westlichen Ländern. Sie unterstützen letztendlich den Terrorismus. Es ist genug mit dem Verkauf von Waffen! Vor allem an die moderate Opposition, weil sie gar nicht existiert und nie existiert hat. Den einzigen Schutz, den das syrische Volk in den letzten fünf Jahren gehabt hat, war die syrische Armee und zuletzt auch die russische Armee. Ich rede von dem, was ich erlebt und mit meinen Augen gesehen habe.

Schwester María Guadalupe

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Übersetzung: Jairo Gomez

Foto: Intographics (pixabay.com) – Creative Commons Zero

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