Andreas Smurawski Gastbeitrag

Reden wir über das Tabu Nr. 1: Die Vermögensobergrenze!

Warum dürfen Vermögen ins Astronomische wachsen? Andreas Smurawski beschreibt, wie grenzenlose Kapitalakkumulation zu grenzenlosen Spannungen in der Gesellschaft führt.

In der Natur gibt es eine natürliche Grenze des Wachstums. Sie gilt für jeden Baum, jedes Tier und für jeden Menschen. Das akzeptieren alle. Aber warum dürfen Vermögen in die Unendlichkeit wachsen?

Andreas Smurawski beschreibt in seinem Gastbeitrag, wie eine grenzenlose Kapitalakkumulation zu grenzenlosen Spannungen in der Gesellschaft führt und bricht mit dem Tabu der Vermögensobergrenze.

Unsere Gesellschaft zerreißt sich selbst. Vor unseren Augen. Und wer ein paar Geschichtskenntnisse besitzt und sich an ein paar der wichtigeren Daten der letzten beiden Jahrhunderte erinnern kann, der wird erkennen, dass diese gesellschaftlichen Entwicklungen keineswegs unbekannt sind, ja, dass sie sogar wiederkehrend zu sein scheinen. Und sehr oft haben gesellschaftliche Umwälzungen ihren Ursprung in zusammenbrechenden Geld- und Vermögensstrukturen.

Internetblase, Finanzkrise und Börsencrash

Ob man sich die Folgen des schwarzen Freitag1 im Oktober 1929 anschaut, der eigentlich ein Montag und Dienstag war, oder das Platzen der sogenannten Internetblase2 im Jahr 2000. Ob man sich die unzähligen Staatsbankrotte auf diesem Planeten oder den Umgang mit Griechenland während der letzten, keineswegs beendeten, europäischen Finanzkrise anschaut: Gesellschaftlichen Krisen gehen auffällig oft instabil werdende, wenn nicht gar zusammenbrechende Vermögensstrukturen voraus.

Die sogenannten Internetblase platze im Jahr 2000.

Es scheint wie ein Muster zu sein: Irgendwo im gesellschaftlichen Organismus verändern sich oft sprunghaft Vermögensverhältnisse, sei es durch Inflation3, sei es durch einen Börsencrash, durch einen Krieg, sei es durch eine Währungsreform oder auch alles zusammen. Im Anschluss daran kommt es dann oft zu größeren gesellschaftlichen Veränderungen.

Ganz nüchtern betrachtet müssen Vermögensstrukturen offensichtlich systemisch instabil sein. Es muss systemische Gründe geben, die zum Beispiel das Fortbestehen einer Währung verhindern, sonst hätten wir längst ein über mehrere Generationen hinweg funktionierendes – weil stabiles – Geldwesen. Haben wir aber nicht!

Vermögensstrukturen, wie wir sie derzeit beobachten, sind objektiv betrachtet nicht stabil.

Soweit die Analyse.

Die Frage ist nun, welche Gründe beziehungsweise Ursachen es geben könnte, warum unsere Vermögensstrukturen nicht stabil zu sein scheinen?

Eine wesentliche Ursache ist das Fehlen von Grenzen.

Das ist die These.

Um diese These nun auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen, müssen wir wie ein empirisch arbeitender Wissenschaftler vorgehen und uns in der Natur und der Gesellschaft umschauen, ob es dort Beispiele für und Beispiele gegen diese These gibt.

Systeme und ihre Grenzen

Stabile Systeme zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie sich innerhalb von Grenzen entwickeln. Es gibt eine obere Grenze, bis zu der ein System stabil ist. Und es gibt eine untere Grenze.

Ein Beispiel dafür ist die Temperatur, die ein Mensch ungeschützt ertragen kann und dabei trotzdem überlebt. Schon bei dauerhaft ausgesetzten 0 Grad Celsius wird das äußerst schwer. Auch bei dauerhaft über 40 Grad Celsius ist es sicher nicht angenehm. Innerhalb dieser Grenzen, nach oben und nach unten, kommt der Mensch einigermaßen zurecht. Nach unten gibt es eine Grenze und nach oben gibt es sie ebenfalls.

Ein anderes Beispiel ist die Körpergröße bei uns Menschen. Es gibt keinen Menschen auf der Erde, der beispielsweise 5 Meter hoch ist, genauso wenig wie es Menschen gibt, die lediglich 10 Zentimeter klein sind. Das System Mensch variiert seine Größe offenbar auf einer Dimension mit zwei Grenzen: eine oben, die andere unten.

Der größte und der kleinste Mensch der Welt

Anzumerken ist bei diesen Beispielen, dass die exakten Grenzen jeweils nicht ewige Gültigkeit besitzen, da es sich bei ihnen um empirische Größen handelt. Die obere Grenze der Körpergröße liegt im Moment bei 2,51 Meter und wird von dem Türken Sultan Kösen4 markiert. Die untere Grenze wird mit 54,6 Zentimetern vom Nepalesen Chandra Bahadur Dangi5 definiert.

Sultan Kösen ist der größte Mensch der Welt. Foto Helgi Halldórsson, CC BY-SA 2.0
Der größte lebende Mensch: 2011 wurde Sultan Kösen mit 2,51 Meter Körperlänge in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. (Foto: Helgi Halldórsson/CC BY-SA 2.0)

Endgültig sind diese Grenzen der Körpergrößen deshalb nicht, da sie nur so lange gelten, wie niemand geboren wird, der diese Grenzen verschiebt. Die individuelle Körpergröße wird dabei nicht nur von genetischen Voraussetzungen begrenzt, sondern es spielen auch Aspekte der Ernährung, der klimatischen Verhältnisse und der Gesundheitsversorgung eine Rolle.

Auf der Suche im grenzenlosen All

Um der Frage nachzugehen, ob es überhaupt irgendein System gibt, das ohne Grenzen zu haben, stabil, im Sinne von überdauernd, ist, müssen wir schon in die theoretische Physik gehen, denn auf unserem Planeten finden wir solch ein System nirgends.

Und auch hier finden wir eigentlich nur das All, das wohl grenzenlos zu sein scheint und trotzdem überdauert. Selbst die Lichtgeschwindigkeit ist laut Albert Einstein ja begrenzt.

Systeme sind besonders dann überdauernd, wenn sie sich in bestimmten Grenzen bewegen.

Systeme sind offensichtlich also dann besonders erfolgreich, im Sinne von überdauernd, wenn sie sich in bestimmten Grenzen bewegen. Was lernen wir nun daraus, wenn wir dieses Prinzip, Systeme sind besonders dann überdauernd, wenn sie sich in bestimmten Grenzen bewegen, übertragen auf die Vermögensverteilung in einer Gesellschaft, verstanden als ein System? Die Antwort ist klar:

Es sollte eine Grenze nach unten geben.

Das heißt, wir Menschen beobachten unsere Umwelt und erkennen in ihr das Prinzip begrenzter Systeme, kopieren dieses und wenden es auf unsere Gesellschaft an. Wir sagen, ein Mitglied unserer Gesellschaft sollte nicht weniger, als X haben.

Nehmen wir den aktuellen Hartz-IV-Satz. Der beträgt seit dem 1. Januar 2017 für Alleinstehende 409 Euro und für Partner in einer Bedarfsgemeinschaft 368 Euro. In einer gesellschaftlichen Debatte haben wir uns darauf geeinigt, dass egal wer, egal warum, dieses Minimum an Vermögen zur Verfügung haben sollte, damit er nicht auf der Straße leben muss.

Über die Höhe dieser unteren Grenze lässt sich vortrefflich streiten, mit den besten Argumenten, aber wir konstatieren:

Am Beispiel sozialer Absicherung ziehen wir eine Grenze nach unten und definieren so, was ein Mensch unserer Gesellschaft mindestens haben sollte.

Schauen wir nun in die andere Richtung und fragen uns:

Gibt es diese Grenze eigentlich auch am oberen Ende der Vermögensdimension?

Wobei „oberes Ende“ bereits suggeriert, dass es ein oberes Ende gäbe.

Nun, wie jeder weiß, diese Grenze nach oben gibt es in unserer Gesellschaft nicht. Vielleicht ist eine Antwort auf die Frage, warum es immer und immer wieder zu existenziellen Krisen in der Gesellschaft und ihren Vermögensstrukturen kommt, so banal, dass wir den Mut gar nicht aufbringen, auch nur die Frage danach zu stellen.

In 50.000 Euro Schritten zur Kernfrage

Um unsere Gesellschaft stabiler zu machen und zum Beispiel das Auseinanderdriften von Arm und Reich zu beschränken, müssen wir uns die Frage stellen:

Könnte eine Grenze für die Menge an Vermögen nach oben dazu beitragen, unsere Gesellschaft insgesamt stabiler zu machen?

Die meisten Menschen würden an dieser Stelle sicher sagen: Ja! Eine Grenze nach oben ist bestimmt auch beim Thema Vermögen zunächst plausibel. Und trotzdem schwingt da irgendwie ein Unbehagen mit.

Diese Frage ist deswegen so unangenehm, weil sie natürlich sofort zu einer weiteren Frage führt:

Was ist mit dem Vermögen, das sich über dieser Grenze befindet?

Bevor wir diese Frage beantworten, müssen wir uns zuerst über diese obere Grenze Gedanken machen. Wie hoch könnte die denn eigentlich sein?

Um uns der Antwort zu nähern, nehmen wir beispielhaft eine Summe X, die das Vermögen der 500 reichsten Menschen in Deutschland sein soll. Wikipedia gibt an, dass im Jahr 2010 das Vermögen der 500 reichsten Deutschen bei 455,5 Milliarden Euro gelegen haben soll. Im Jahr 2016 gibt Wikipedia schon 692 Mrd. Euro als das Vermögen der 500 reichsten Deutschen an.

Die 500 reichsten Menschen in Deutschland verfügen also über ein Vermögen, das mehr als zweimal den deutschen Bundeshaushalt des Jahres 2016 umfasst: 316,9 Mrd. Euro.

Zur Beantwortung der Frage, wie glaubhaft diese Zahlen sind, kürzen wir die 692 Mrd. Euro aus dem Jahr 2016 pauschal auf 500 Mrd. runter, um Kritikern der Datenerhebung zu sagen:

Selbst wenn wir die bei Wikipedia genannte Zahl um gute 27 Prozent kürzen, einfach um betonen zu können, wir gehen mit einer extrem konservativen Schätzung in die nächsten Überlegungen, können wir diese 500 Milliarden aber dann als eine plausible Diskussionsgrundlage verwenden.

Weiter geht es dann mit folgender Beobachtung: Im Durchschnitt hat jeder der 500 reichsten Menschen in Deutschland ein Vermögen von konservativ geschätzten einer Milliarde Euro.

Wir müssen nun noch einen Schritt weitergehen, um eine Idee von einer Antwort auf die Frage zu bekommen, wie eine Vermögensobergrenze bemessen sein könnte:

Wir müssen verstehen, was eine Milliarde Euro sind!

Dazu bemühen wir uns eines Vergleichs. Stellen wir uns ein hochkant gehaltenes, weißes Blatt Papier im Format DIN A4 vor. Auf diesem Blatt Papier tragen wir im Abstand von einem Zentimeter Vermögen in 50.000 Euro Schritten ab, beginnend mit 0 Euro, dann 50.000 Euro, weiter mit 100.000 Euro und so weiter.

Ein normales Blatt Papier in der Größe A4 ist 29,7 Zentimeter hoch und 21 Zentimeter breit. Das heißt, man kann auf so einem Blatt Papier 29-mal 50.000 Euro abtragen, indem man jeden Zentimeter einen waagerechten Strich über das Blatt zieht:

Auf diesem A4-Blatt kann man insgesamt Vermögen in Höhe von 1.450.000 Euro abtragen.

Nun ist jeder Leser aufgefordert sich selbst auf diesem Blatt Papier mit seinem Vermögen – wohlgemerkt Guthaben minus Verbindlichkeiten -, zu verorten.

Auf welcher der 29 „50.000 Euro Stufen“ befinden Sie sich, abzüglich aller Schulden?

Viele werden nun sagen: „Haha, ich befinde mich noch nicht einmal auf dem Papier, weil bei meiner Rechnung Minus rauskommt.“

Unbegrenzte Kapitalakkumulation und Krisen

Um zu verstehen, wie die Vermögensverteilung am oberen Ende der Dimension aussieht, müssen wir also ein Spitzenvermögen genauer betrachten. Nehmen wir das Vermögen von Familie Hornbach – die mit den Baumärkten. Nach Wikipedia wird das Vermögen der Hornbach-Familie mit 850.000.000 Euro angegeben.

Denken wir nun an unser A4-Blatt zurück. Nach 29 Zentimetern waren 1.450.000 Euro abgetragen. Wie hoch müsste man schauen, wenn man das Vermögen der Familie Hornbach in 50.000 Euro Schritten je Zentimeter abtragen wollte?

Auf einem Blatt Papier lässt sich massiver Reichtum nicht mehr darstellen.

Nun, das wären dann schon 17.000 Zentimeter. Der Strich für das Vermögen der Familie Hornbach, übrigens auf Platz 137 der vermögendsten Deutschen laut Wikipedia, müsste in 170 Meter Höhe über Null – wenn man bei 0 Höhenmetern beginnt -, gezogen werden.

Spaßeshalber rechnen wir auch noch das Vermögen des Spitzenreiters um. Im Jahr 2013 war das die Familie Karl Albrecht mit geschätzten 21 Milliarden Euro Vermögen.

Hier müssten wir nun den Strich in einer Höhe von 420.000 Zentimetern, also auf 4200 Metern, sprich in einer Höhe von 4,2 Kilometern ziehen. Und erinnern Sie sich bitte immer an die Höhe ihres eigenen Vermögens auf dieser Skala!

Und diese Entwicklung hört auch nicht auf. Ganz einfach, weil es keine obere Grenze für Vermögen, für Eigentum und Besitz in unserer Gesellschaft gibt.

Die Tendenz ist seit Jahrzehnten dieselbe. Vermögen konzentriert sich immer mehr in den Händen immer weniger Menschen, ohne dass wir in der Gesellschaft diskutieren, ob grenzenloses Vermögen einzelner Individuen vielleicht zu Komplikationen für eine gesamte Gesellschaft führen könnte.

Aus den eingangs gemachten Beobachtungen über die Stabilität von Systemen und der Ursache, dass diese auch auf der Einhaltung von Grenzen basiert, können wir unumwunden sagen:

Ja, unbegrenzte Kapitalakkumulation einzelner Personen muss zu gesamtgesellschaftlichen Krisen führen!

Es wäre daher dringend an der Zeit, sich diese unangenehme Frage zu stellen:

Wie viel sollte der reichste Mensch in unserer Gesellschaft eigentlich besitzen dürfen?

Könnten wir diese Frage nicht einmal gesellschaftlich debattieren? Wo würde jeder Einzelne diese Grenze ziehen?

Vermögensobergrenze und Privateigentum

Angenommen wir würden die Grenze in einer gesamtgesellschaftlichen Debatte bei den geschätzten 850.000.000 Euro der Familie Hornbach ziehen. Die Hornbachs wären auf gar keinen Fall arm, auch würde sich nichts an ihren Lebensverhältnissen ändern. Bis zu einer gesellschaftlich festzulegenden Grenze sollte es zwingend Privateigentum geben von dem der Staat oder sonstige Akteure die Finger zu lassen haben, und zwar ohne Wenn und Aber!

Der Normalbürger hat ein bescheidenes Auskommen und wird mit Arbeit kein Millionär.Denn nur weil eine Gesellschaft Vermögen begrenzt, heißt dies nicht, dass der Einzelne kein Privateigentum besitzen dürfe. Aber eben in Grenzen, ganz wie unsere Beobachtungen der Natur dies nahelegen.

Wenn die 500 reichsten Deutschen, jeder Einzelne von ihnen, jeweils 850.000.000 Euro Vermögen besäße – zusammen  wären das trotzdem 425 Milliarden Euro – , wären alle diese 500 Menschen nicht einmal in der Nähe von Armut. Auch nicht ihre Kinder und Kindeskinder. Denken Sie an das A4-Blatt!

Wenn sich die 500 reichsten Deutschen also darauf einigen könnten, nur mal angenommen, dass 850.000.000 Euro Vermögen für den Einzelnen genug sein sollte, könnte der deutsche Staat auf einen Schlag 267 Milliarden Euro Vermögen verteilen.

Ein Steuersatz von 100 Prozent

Und ja, das wäre Enteignung! Dies schwingt nämlich bei der Frage, wo denn eine Vermögensobergrenze angesiedelt werden könnte, immer bedrohlich mit.

Wie müsste daher mit Vermögen über dieser gesamtgesellschaftlich festzulegenden Obergrenze umgegangen werden?

Na klar, es müsste zum Beispiel massiv besteuert werden. Bei einem Steuersatz von beispielsweise 100 Prozent über dieser Grenze wäre das eine Enteignung, richtig!

Dennoch muss die Frage gestellt und diskutiert werden: Ist eine Vermögensobergrenze unmoralisch? Ist sie unethisch? Oder ist sie vielleicht doch eine zwingende – wenn auch nicht hinreichende – Bedingung für eine moralische, für eine ethische, vor allem aber für eine stabile Gesellschaft?

Ich sage, Nein! Eine Vermögensobergrenze orientiert sich lediglich an in der Natur überall anzutreffenden Grenzen für überdauernde Systeme. Und ja, auch das Vermögen eines Einzelnen kann deshalb nicht unbegrenzt sein!


Andreas Smurawski wirft die Frage nach der Vermögensobergrenze auf.Über den Autor: Andreas Smurawski setzt sich seit seiner Ausbildung zum Bankkaufmann kritisch mit dem Geldsystem auseinander. Das Studium der Psychologie, dass er im Anschluss absolvierte, motivierte ihn dazu, die Kenntnisse aus seiner Ausbildungszeit mit Kenntnissen über die menschliche Psyche zu verknüpfen, um so zu gesamtgesellschaftlichen Prozessen Stellung nehmen zu können. Vor allem die Ereignisse beim Platzen der sogenannten Internetblase um die Jahrtausendwende und die Finanzkrise 2007 weckten in ihm Zweifel daran, dass das derzeitige Geldsystem alternativlos sei, wenn es doch zu derartigen Zerwürfnissen führte. Andreas Smurawski ist Jahrgang 1980. Er lebt bei Rostock und arbeitet im Bereich Forschung und Entwicklung.


Als „Schwarze Freitage“ wurden in Deutschland und im deutschsprachigen Raum der Wiener Börsenkrach (9. Mai 1873) und der Kurssturz der Berliner Börse (13. Mai 1927) bekannt. Der sogenannte Schwarze Dienstag (29. Oktober 1929) folgte fünf Tage nach der US-Börsenkrise am Schwarzen Donnerstag. Als Reaktion auf den Schwarzen Freitag versuchten alle Investoren in Panik ihre Aktien gleichzeitig zu verkaufen. Es war der Anfang der „Großen Depression“ in den USA und markiert außerdem den Beginn der Weltwirtschaftskrise.


Im März 2000 platzte an den Börsen eine Spekulationsblase, die vor allem Technologieunternehmen der New Economy betraf und in den Industrieländern insbesondere für Kleinanleger zu Vermögensverlusten führte. Der Crash wurde als Dotcom-Blase bekannt.


Eine Inflation liegt vor, wenn das allgemeine Preisniveau steigt, die Produkte am Markt sich also verteuern. Bei der Berechnung werden Produkte und deren Preisentwicklung stärker berücksichtigt, die der durchschnittliche Verbraucher regelmäßig oder öfters konsumiert. Dazu gehören zum Beispiel Nahrungsmittel oder Strom.


Mit einer Körpergröße von 2,51 Metern ist Sultan Kösen der größte Mensch der Welt und wird im Guinessbuch der Rekorde geführt. Sein riesenwuchs geht auf einen Tumor hinter seinen Augen zurück. Dieser wurde 2010 entfernt. Seitdem wächst Kösen nicht mehr. 2014 traf er in London den kleinsten Mann der Welt: Chandra Bahadur Dangi.


Der Nepalese Chandra Bahadur Dangi war mit 54,6 Zentimetern Größe der kleinste Mensch der Welt. Er starb 2015.


Fotos: bykst , skeezeRobert Owen-Wahl, jarmoluk und Csaba Nagy  (alle pixabay.com) –  Creative Commons CC0, Helgi Halldórsson (flickr.com) – CC BY-SA 2.0 und A. Smurawski (privat).

3 Kommentare

  1. Stahlharter Beitrag, 1A :) ! Das Anschauungsexperiment mit den Strichen auf dem Papier ist krass, wenn man so sagen darf, und zeigt die Unverhältnisse und die Maßnahmen-/Änderungsnotwendigkeit in ungewohnter Ausmaßbedeutung.
    Alternativen für das Geldsystem gibt es mindestens einige, wie z.B. das Vollgeldsystem ohne Seigniorage (eine Version mit Zentralbankinteraktion zu Geschäftsbanken und einmal mit rein wirtschaftlich entstandenen Krediten ohne Zentralbankinteraktion), das alte Auslaufsmodell des Goldstandards (wo die Zentralbank keine Geldmengensteuerungsmöglichkeit kennt) oder absoluter Währungswettbewerb (Free Banking – allerdings wohl besser nicht in Reinform ohne zusätzliche Alternative; wobei ich eher eine andersartige Form mit lokalen Eigenwährungen sinnvoll finde). Man sollte sich mal ernsthaft daran setzen und sich alternative Ideen dazu machen und wie weit und wann private Geschäftsbanken nicht auch eine eigeninteressenbasierte Dysfunkionalität eines extrem wichtigen Wirtschaftsmechanismus bedeuten (wobei Stabiltät und Funktionalität eigentlich weit wichtiger sein sollte als eine eigeninteressierte Nutzung). Das sind wirklich wichtige und aktuelle Thematiken für die Wirtschaft. Auch wirtschaftsrechtlich müsste man sicherlich etwas machen.

    Die Enteignung an sich wirkt auch gar nicht mehr unmoralisch (wobei der Bedenkensvorstoß eigentlich nur daran bemessen ist, dass dieses Prinzip nicht wie im Mainstream liberal ist), wenn man sich vorstellt und davon ausgeht, dass diese ultrareichen Leute eigentlich andere Menschen durch das Ansammeln ihres Besitzes „enteignet“ haben und das Vermögen angesammelt haben, welches andere nicht haben und wofür andere gearbeitet, mitgezahlt und investiert haben. Kein Mensch der Welt kann nach gerechter Entlohnung und verhältnismäßig durch eigene Arbeit so einen Vermögensunterschied anhäufen oder den Mehrwert dafür mit Arbeit schaffen (außer durch Kapitalakkumulation, die allerdings auch irgendwo ihren Anfang und Ursprung/Gewinnung durch Arbeit hatte, wobei Kapitalaufwand im Gegensatz zum Arbeitsaufwand keinen Zeitaufwand des Faktorbesitzers in Anspruch nimmt und häufig wiederverwendet werden kann, während man Arbeit nicht selbst akkumulieren sondern nur einstellen kann). Für riesige Investitutionen (für die Gesellschaft) sollten eigentlich nicht profitorientierte/allgemeinnützige Verwaltungssysteme zuständig sein. Andere (ungesellschaftliche) Investitionen in überdimensionalen Ausmaß würden ja kaum einer anderen Notwendigkeit außer für private Wirtschaftsmacht anheim fallen. Die Naturlogik und Naturfunktionalität – wie in diesem Beitrag auch argumentiert – funktioniert nämlich nicht nach liberaler (bzw. liberal-philosophischer) Idealvorstellung und funktioniert aufgrund von (gegenseitigen) Abhängigkeiten und etwas Regulation sonst würde unser Leben wohl in der ökonomischen Modellwelt landen.

    Wichtig bei einer Vermögensobergrenze wäre übrigens noch zu beachten (was ich hier aber nur mal für diejenigen anmerke, die das nicht selbstverständlich aus ökonomischen Verständnis heraus sofort abstrahiert haben), dass man die Grenze nicht nominal sondern real setzt, also die Inflation noch mit betrachtet. Ich erachte die Kontrolle und Regulierung von Einflussunterschieden in der Wirtschaft für eins der notwendigsten und wichtigsten Maßnahmen bisher (wobei die Einflussunterschiede wie drastische Vermögensungleichheiten sich aufgrund ihrer Eigenschaften in dynamischer Betrachtung bei eigenen liberalen Annahmen nur ausdehnen/verschlimmern).

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    1. Hallo Wirtschaftsdude ;),

      vielen Dank für den Kommentar.

      Meines Erachtens ist ein wesentlicher Motor des kapitalistischen Systems, dass den meisten Menschen nicht klar ist, wie groß die Vermögensunterschiede bereits sind. Erreicht wird dieses Unwissen oder Vernebeln damit, dass nicht darüber gesprochen wird. Dies schlägt sich ja selbst im „Volksmund“ nieder, denn „über Geld spricht man nicht“!
      Wenn die Mehrheit z.B. der Wirtschaftswissenschaftler mit solchen Vergleichen arbeiten würde, würden deutlich mehr Bürger erkennen, dass diese permanente Umverteilung von fleißig zu reich eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist, die mit eigener Leistung aber sowas von überhaupt nix zu tun hat.

      Insofern ist auch Ihr Gedanke, dass man bei einer Umverteilung von reich zu fleißig selbst die Moral auf seiner Seite hätte, vollkommen korrekt! Derart obszöne Vermögen kommen immer und ausschließlich durch viele hunderte arbeitende Hände und denkende Köpfe zustande, was bedeutet, dass es den Mehrwertschaffenden weggenommen wird.
      In unserer Wirtschaftsordnung ist das zwar rechtens, mit Gerechtigkeit aber hat das herzlich wenig zu tun.

      Und auch eine Vermögensbegrenzung nach oben müsste dynamisch sein, richtig. Genau wie natürliche Systeme über veränderbare Grenzen verfügen, sich also veränderten Bedingungen anpassen können, sollte auch das maximale Vermögen eines Individuums veränderbar sein. Wobei die Extremstbesitzenden dadurch auch gleich wieder einen Hebel zum ansetzen hätten ;-).
      Aber so ist das. Auf solche Fragen gibt es keine einfachen und ewig geltenden Antworten, sie müssen von Generation zu Generation neu überdacht und verhandelt werden.

      Beste Grüße,
      Andreas Smurawski

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