Gunther Sosna Zeitgeschehen

Strahlende Erinnerung: Wasserstoffbomben auf Spanien

Am 17. Januar 1966 kam es über Südostspanien nahe der Küstenstadt Palomares zu einem Unfall mit Atomwaffen.

Die NATO verlegt Streitkräfte an die Ostgrenze und Russland antwortet mit der Verlegung von Kurzstreckenraketen. Das militärische Säbelrasseln übertönt die Erinnerungen aus dem Kalten Krieg. Dabei sollten sie eine eindringliche Warnung sein.

Am 17. Januar 1966 kollidierten bei einem Betankungsmanöver über Südostspanien in der Nähe des Küstenstädtchens Palomares in etwa 9000 Meter Höhe ein Tankflugzeug und ein B-52 Langstreckenbomber der US Air Force.

Der Bomber, der zum strategischen Abschreckungsarsenal der USA im Kalten Krieg gehörte, war mit vier Wasserstoffbomben bestückt. Im Fall eines Angriffs der Sowjetunion sollten die Bomber den nuklearen Gegenschlag ausführen. Deshalb waren ständig Bomber mit Nuklearbewaffnung in der Luft: eine tödliche Gefahr für die eigene Seite.

Keine Kernexplosion und trotzdem verstrahlt

Das Tankflugzeug explodierte, die B-52 brach auseinander und die Bomben fielen Richtung Erde. Eine der Wasserstoffbomben landete im Mittelmeer und wurde erst gut drei Monate nach dem Unfall geborgen. Die drei anderen Bomben krachten aufs Festland.

Bei zwei Bomben, jede mit einer etwa 100-fach höheren Sprengkraft als die im 2. Weltkrieg auf die japanischen Städte Nagasaki und Hiroshima abgeworfenen Atombomben, zündete der konventionelle Sprengstoff. Es kam aber nicht zu einer Kernexplosion, die nicht nur die gesamte Küstenregion binnen Sekunden ausradiert hätte.

B-52G im Flug, gleicher Typ des verunglückten Flugzeuges. Foto: Gemeinfrei
Bomber vom Typ B-52 gehörten mit ihrer Nuklearbewaffnung im Kalten Krieg zum strategischen Abschreckungspotential. (Foto: US Air Force / Gemeinfrei)

Allerdings wurden Teile der Bomben weggesprengt und mehrere Kilogramm Plutonium in die Umwelt abgegeben. Durch starke Winde wurde Plutoniumstaub weiter verteilt.

Die Dekontaminierungsarbeiten und die Entsorgung des kontaminierten Erdreichs sind bis heute nicht abgeschlossen. Zwischenzeitlich wurden radioaktiv belastetes Plankton und Weichtiere gefunden. Es strahlt weiter …

Absturz in Grönland

Im Eis von Grönland kam es fast genau zwei Jahre später zu einem weiteren Unfall mit einem strategischen Bomber. In der Nähe der Thule Air Base stürzte am 21. Januar 1968 eine B-52 ab, nachdem ein Brand an Bord ausgebrochen war. Das Flugzeug hatte wie die über Spanien verunglückte Maschine vier Wasserstoffbomben im Frachtraum.

Als das Flugzeug beim Aufprall zerschellte, wurden die konventionellen Sprengladungen ausgelöst. Die Atomwaffen zündeten nicht, aber Teil der Umgebung wurden verseucht. Das Gelände wurde aufwendig dekontaminiert und die Überreste der Wasserstoffbomben geborgen.

Allerdings hielten sich Gerüchte, dass einer der Atomsprengköpfe unter dem Packeis verloren gegangen wäre.

Die Kontroverse um Sprengkopf 78252

2008 rüttelte ein Bericht des britischen Fernsehsenders BBC nochmals die Öffentlichkeit auf. Durch Dokumente und Expertenaussagen wurde bestätigt, dass der Sprengkopf mit der Seriennummer 78252 unauffindbar gewesen sei. Zahlreiche Medien, darunter auch der SPIEGEL, fragten: Wo ist Wasserstoffbombe Nr. 78252?

Dekontaminierungsarbeiten im Eis von Grönland. (Foto: US Air Force / Gemeinfrei)
Verstrahltes Eis: Dekontaminierungsarbeiten in Grönland nach dem Absturz eines B-52 Bombers mit Nuklearbewaffnung. (Foto: US Air Force / Gemeinfrei)

Der Gegenbeweis folgte durch das Danish Institute for International Studies. Nach Auswertung aller Unterlagen und Dokumente kam man in dem Bericht „The Marshal’s Baton – There is no bomb, there was no bomb, they were not looking for a bomb“ (Der Marschallstab – Da ist keine Bombe, da war keine Bombe, sie haben nicht nach einer Bombe gesucht) zu dem Ergebnis, dass der Verlust einer Atomwaffe auszuschließen sei.


Fotos: US Air Force (Gemeinfrei) und Pixabay.com – Creative Commons CC0

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