Gegen Extremismus: Mehr Mut zur Mittelmäßigkeit!

Das Wort Mittelmäßigkeit an sich hört sich zunächst einmal negativ konnotiert an, doch sollte man einmal etwas genauer hinsehen. In Mittelmäßigkeit stecken zwei Worte: Mittel und Mäßigkeit.

Mittel bedeutet – außer dem nicht zu unterschätzenden empirischen Mittel – auch Mitte, Zentrum. Und wer möchte nicht gern in der Mitte, im Zentrum sich befinden. Wer möchte nicht seine eigene Mitte, sein Gravitätszentrum gefunden haben?

Doch hier kommt etwas anderes ins Spiel: die Gesellschaft, die Umgebung. Was nützt ein eigenes Gravitätszentrum, wenn es sich nicht einzuordnen imstande ist in eine Gesellschaft oder soziale Gruppe?

Mit diesem oder diesen anderen kommt dann eben eine Mäßigkeit ins Spiel, eine Mäßigkeit, die – soziologisch gesehen – den Einfluss der Umgebung auf das Subjekt und – psychologisch gesehen – die Notwendigkeit eines Umfeldes zu einer Identifikation impliziert.

Daher ist ein Mut zum Sein auch immer ein Mut zur Mittelmäßigkeit, zur Balance, zur Balance zwischen Individuation1 und Partizipation2.

Dabei sollte man eines nicht vergessen: Mut zur Mittelmäßigkeit heißt auch Mut zur Mäßigkeit, zum Maß, und ein solches Maß beinhaltet auch eine Handlungsweise gemäß der – finanziellen, physischen und psychischen – Mittel.


Quellen und Anmerkungen

[1] Individuation beschreibt den Prozess des Ganzwerdens zu etwas Einzigartigem – dem Individuum.

[2] Der lateinische Begriff Partizipation steht u.a. für Beteiligung, Teilhabe und Teilnahme.


Foto: StockSnap (Pixabay.com, Creative Commons CC0).

 

Dr. Christian Ferch studierte Linguistik, Philosophie und Religionswissenschaft mit den Schwerpunkten Semantik, Kommunikationstheorie und Religionskritik. Er war Chefredakteur der Studentenzeitung „Die Spitze“ und schrieb seine Dissertation unter dem Titel „Elemente einer allgemeinen Kommunikationstheorie“ an der Freien Universität Berlin. Christian Ferch veröffentlicht zahlreiche philosophische Texte auf seiner Homepage. Im Podcast Philosophie Heros reflektiert er auf gesellschaftliche Aspekte aus dem Blickwinkel der Philosophie und der Kommunikation.

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