Argumente, Vernunft, Fairness – Die Diskursethik von Jürgen Habermas einfach erklärt

Es gibt in der Geschichte immer wieder Versuche, Ethik und Moral zu begründen. Man stellt die Frage auf, warum eine bestimmte Norm, ein Gesetz oder ein bestimmtes Verhalten für alle Menschen gelten soll. Die Ansätze sind dabei unterschiedlich.

Der Philosoph Immanuel Kant, ein Begründer der modernen Philosophie, hat beispielsweise in seinem kategorischen Imperativ das Individuum als Entscheidungsinstanz skizziert und ein grundlegendes Prinzip beschrieben:

“Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.”

Jürgen Habermas, einer der meistrezipierten Soziologen und Philosophen der Gegenwart, sucht nach einem Weg, wie Normen in eine Gesellschaft eingeführt werden können, sodass sie geprüft sind und von allen akzeptiert werden.

Das ist natürlich ein theoretischer Ansatz, weil sich die Frage stellt, wie eine ganze Gesellschaft in der Praxis überhaupt einen Diskurs führen könnte. Dennoch sind die Überlegungen wichtig.

Habermas sieht die Gruppe als Instanz, die durch ein Gespräch (Diskurs) zu einer Entscheidung findet, die als Moral gelten soll. Ob das Ergebnis dauerhaft ist, ist eine andere Frage.

Voraussetzung für den Diskurs sind Argumente, Vernunft und eine faire Gesprächsstimmung. Es soll nicht durch Kraft oder Schreierei überzeugt werden, sondern durch Argumente und den Austausch von Argumenten.

Außerdem gibt es zwei wichtige Prinzipien, die eingehalten werden sollen:

  • Diskursprinzip
  • Universalisierungsprinzip

Das Diskursprinzip besagt, dass über die Notwendigkeit des Themas in der Gruppe Einigkeit besteht und auch diejenigen, die von dem Thema betroffen sind, aber nicht am Diskurs teilnehmen können, berücksichtigt werden.

Das Universalisierungsprinzip besagt, dass das was entschieden wird, verallgemeinerbar sein muss. Alle müssen mit den Folgen der neuen Regel leben können.

Im Video erkläre ich leicht verständlich die Diskursethik von Jürgen Habermas.



Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Foto: Ryan McGuire (pixabay.com) – Creative Commons CC0.

Philosoph, Journalist, Blogger bei

Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.

1 thought on “Argumente, Vernunft, Fairness – Die Diskursethik von Jürgen Habermas einfach erklärt

  1. Sehr schön einfach erklärt. Es fehlt m.E. jedoch die Betonung der realutopischen Ausrichtung des Habermas – Modells. Es geht aber immerhin als Annahme (Unterstellung) oder Wunsch in jede Kommunikation mit ein… –
    Machen Sie doch einmal etwas über Demokratie! Das würde mich brennend interessieren.

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