Blick in die Zukunft – Über ein System globaler Solidarität

Community-Autor Richard Maxheim skizziert seine Idee eines Systems des Ausgleichs und der globalen Solidarität.

So könnte die Welt von morgen aussehen: Es gibt keine Kriege mehr, Armut gehört der Vergangenheit an und wahnwitziger Reichtum wurde abgeschafft. Allen Menschen geht es gut. Was müsste geschehen? Community-Autor Richard Maxheim skizziert seine Vorstellung von einem System des Ausgleichs und der globalen Solidarität.

Für eine bessere Welt ist die globale Gerechtigkeit das zentrale Thema. Dauerhafter Weltfrieden, Freiheit und Sicherheit sind ohne umfassende Gerechtigkeit kaum zu verwirklichen, ja eigentlich unmöglich. Deshalb machen sich Menschen, die eine bessere Welt wollen, Gedanken darüber.

Es gibt viele Ideen, wie man der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen könnte. Deren Bandbreite reicht von der sanften Bewusstseinsveränderung aus Licht und Liebe bis hin zu gewaltsamen Revolutionen aus Eisen und Blut. Letztere hat es ja schon genug in der Geschichte gegeben, auch weil das mit dem Bewusstsein nicht so recht funktioniert und diplomatische Methoden zu lange dauern. Diese Revolutionen führten aber in nur ganz wenigen Fällen zu den gewünschten Zielen, ja endeten nicht selten im Gegenteil.

Für den Weg hin zu einer gerechteren Weltordnung habe ich selbstverständlich auch gewisse Vorstellungen. Meistens weiß man erst später, ob sie überhaupt realistisch sind oder vielleicht sogar kontraproduktiv. Deshalb unterlasse ich es zunächst lieber, Strategien für den Weg zu propagieren und löse mich gedanklich von den Zwängen der Tagespolitik. Die Kontroversen dazu machen oft die schönsten Zielvisionen zunichte. Also gehe ich gleich voll in die Zukunft.

Ein System globaler Solidarität

Wir schreiben das Jahr 2100 plus. Die Staaten und Völker der Erde sind politisch durch tatsächlich Vereinte Nationen (UNO) als Föderation verbunden. Kriege finden nicht mehr statt. Angelegenheiten, welche die Menschheit insgesamt betreffen, werden durch eine globale Rechtsordnung – inklusive eines Hauptteils von fortentwickelten Menschenrechten – geregelt, Streitigkeiten durch übernationale Gerichte beigelegt. Das Weltrecht wird durch die Administration der Vereinten Nationen durchgesetzt.

Gegenüber der heutigen Weltlage ist das schon fast so etwas wie ein Paradies. Es geht allen Menschen so weit gut, denn bittere Armut gehört der Vergangenheit an. Aber auch extremer, wahnwitziger Reichtum ist abgeschafft. Was ist geschehen? Die Vereinten Nationen haben unter dem Namen KOMPENSO ein System globaler Solidarität entwickelt und eingeführt. Das Zauberwort heißt Ausgleich und KOMPENSO heißt es auf Esperanto.

Es findet ein globaler Lastenausgleich statt, wodurch kein Land, kein Volk und auch kein Weltbürger mehr aufgrund widriger Umstände benachteiligt sein muss. Aber wie kann so etwas funktionieren? Wie verteilt man die Reichtümer unseres Planeten gerecht unter der Menschheit? Es konnte sich zwar eine ökologische und soziale Marktwirtschaft weltweit durchsetzen. Die reicht allerdings für das Paradies noch nicht aus.

Was kostet die Welt?

Man liest es immer wieder: Unser Planet gehört eigentlich allen Menschen und nicht etwa einer Elite von Superreichen und Machthabern. Eine schöne Erkenntnis, aber was fängt man damit an?

Es geht hier sicherlich nicht um ein Besitztum im klassischen Sinne. Jemand hat mal ausgerechnet, wie viel Geld die Erde wert ist, was man als Mindestgebot fordern sollte, wenn man sie bei eBay versteigern wollte. Es sollen rund 5 Billiarden Dollar sein.

In ähnlicher Weise müsste es möglich sein, den Wert jedes einzelnen Landes zu taxieren, so wie ein Grundstück, das man verkaufen will. Nun sollen die Länder aber nicht verkauft, sondern verpachtet werden, und zwar an die Nationen, die sie in Beschlag genommen haben. Über die Mietpreise kann man sich ja im Einzelnen einigen. Die Nationalstaaten zahlen dann die entsprechenden Summen jährlich an die Vereinten Nationen.

Von diesem Geld finanzieren die UNO dann ein angemessenes Grundeinkommen für alle Menschen. Das wäre ein Pfeiler der globalen Gerechtigkeit. Es kommen noch weitere hinzu.

Weltgendarmerie und globaler Katastrophenschutz

Da hätten wir zum Beispiel die Völkerversicherung gegen höhere Gewalt. In dessen Rahmen organisiert die UNO einen globalen Katastrophenschutz, der erstens präventive Maßnahmen gegen Naturkatastrophen und technische Großunfälle jeglicher Art ergreift, wie beispielsweise Frühwarnsysteme, und zweitens im Schadensfall schnell und effektiv helfen kann. Die Prävention würde sich ebenso auf den Schutz von Gefahren aus dem All erstrecken.

Für den Fall, dass wieder einmal irgendwo auf der Welt die Barbarei ausbrechen sollte, hat die UNO im Rahmen ihres übernationalen Friedensschutzes eine Weltgendarmerie in Bereitschaft, die dann eingesetzt wird, wenn die nationalen Sicherheitsorgane die Situation nicht alleine in den Griff bekommen. Es gibt bestimmt noch mehr Ideen, wie die eingenommenen Pachtbeträge sinnvoll zu nutzen wären.

Einigung der Menschheit oder Konfliktpotenzial

Nun kann man sich ja gut vorstellen, dass so etwas ohne die politische Einigung der Menschheit kaum möglich sein wird. Deshalb muss diese Einigung realisierbar werden. Wir sind dazu gezwungen, wenn wir als Spezies auf diesem Planeten überleben wollen.

Alleine der Klimawandel wird in nicht allzu ferner Zukunft Probleme aufwerfen, die von keinem Land der Welt mehr alleine bewältigt werden können. Das internationale Konfliktpotenzial wird sich dadurch in einer Weise maximieren, das alles bisher stattgefundene in den Schatten stellt.

Wir haben keine andere Wahl: Die Einheit der Menschheit ist das oberste Ziel. Unsere Politik muss dringend auf eine demokratische Weltföderation hinarbeiten. Wir müssen als Weltbürger eine solche Politik fordern und unterstützen. Es ist unsere wichtigste Aufgabe.

Alternativen müssen auf den Tisch

KOMPENSO ist nur eine Idee von mir. Es gibt bestimmt viel bessere. Sie soll in erster Linie dazu anregen, die Diskussion und das Engagement für eine bessere Welt zu intensivieren. Vieles kann man heute schon beginnen. Gute Ansätze gibt es jede Menge.

Wir müssen aufhören, lediglich unzufrieden zu sein und über die Zustände zu schimpfen. Es ist auch nicht damit getan, nur Dinge anzuprangern. Wenn wir schon gegen etwas protestieren, dann müssen auch Alternativvorschläge auf den Tisch kommen. Nur so ist eine andere Politik möglich.

Alleine die Verweigerung reicht nicht aus. Und jeder, der sich für eine bessere Welt einsetzt, sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass alle seine Bemühungen nichtig sein können, wenn sie nicht auf wirkliche Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Deshalb mein dringender Appell an alle: Macht die Globalisierung der Demokratie möglich!


Richard Maxheim ist Gastautor von Neue Debatte. Er schreibt im Weltbürgerforum.

Richard Maxheim

Über den Autor: Richard Maxheim ist Jahrgang 1949 und Pensionär. Er stammt aus Trier an der Mosel. Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser bei der Deutschen Bundesbahn und arbeitete 25 Jahre im Polizeidienst.

Er ist in der Friedensbewegung aktiv und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Frieden sowie des Multikulturellen Zentrums Trier. Von 1995 bis 1999 war Maxheim Herausgeber der Projektschrift PanGaia – Beiträge für ein neues Weltbürger-Bewusstsein und gehörte zur Redaktion des Weltbürger-Manifests Plattform Planet Erde. Richard Maxheim ist verheiratet, lebt in der Nähe von Kirn an der Nahe und betreibt die Website World Citizens Project Agency.


Foto: stokpic (pixabay.com) – Creative Commons CC0.

  1. Allerdings, wohin kann man noch flüchten in dieser schönen neuen Welt. Zu Zeiten eines Luthers war nach Überschreiten der Landesgrenze jedenfalls Schluss mit Verfolgung.

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    1. Na dann lassen wir das lieber. Man muss ja schließlich noch flüchten können. Es wäre doch schrecklich, wenn es keine Fluchtursachen mehr gäbe. Und verfolgt würden nur noch Verbrecher. In der Tat ein eklatanter Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip. Nein danke, du grauenhaft schöne Welt. So lobe ich mir auch die Zeiten Luthers. Da konnte man noch locker vor der Pest über die Grenze zur Cholera fliehen. :-)

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      1. Das Gutdünken einzelner Unabhängiger ist dennoch einem allumfassenden System vorzuziehen. Nichts ist perfekt, jedenfalls nach irdischem Glauben.

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