Droge Technik: Über Aufklärung und Medienkompetenz

Ohne Smartphone geht es nicht? Dr. Christian Ferch schreibt über die neue Unmündigkeit und Technikverzicht als Zeichen von Medienkompetenz.

Wenn in heutiger Zeit immer mehr von Technik – speziell von Kommunikationstechnik – Gebrauch gemacht wird, und eine ein Buch lesende Person beispielsweise in der U-Bahn zu einer Seltenheit geworden ist, sollte die Frage erlaubt sein, inwiefern das Projekt der Aufklärung als gescheitert betrachtet werden kann.

Denn Aufklärung hieß einmal: „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Kant1) sowie einen Emanzipationsprozess, welcher den Glauben an Autoritäten kritisch hinterfragt.

Es wird gefordert, sich „seines eigenen Verstandes zu bedienen“. Der aufgeklärte Mensch soll nicht mehr an die Vorgaben der Obrigkeiten oder Zwänge von Mode und Zeitgeist gebunden sein, sondern sein Leben und Denken selbst bestimmen …

Was sagen uns derartige Gedanken zu einer inflationären Benutzung von Smartphones, dem ewigen Herumgechatte mit diversen Apps?

Ist hier nicht eine Abhängigkeit von Technik als die neue Unmündigkeit zu verzeichnen?

Jedermann ist hier angehalten, die Technik als Mittel zum Zeck zu betrachten, um dabei den Zweck nicht aus den Augen zu verlieren, und – um sich nicht zum Büttel der Technik zu machen und den eigenen Sinn wiederzufinden – die verführerischen Geräte einfach einmal ausschalten.

Schließlich sollte die Technik dem Menschen dienen, und nicht der Mensch der Technik …


Quellen und Anmerkungen

[1] Immanuel Kant (1724 – 1804) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung.


Foto: Rainer Maiores (pixabay.com, Creative Commons CC0).

Dr. Christian Ferch studierte Linguistik, Philosophie und Religionswissenschaft mit den Schwerpunkten Semantik, Kommunikationstheorie und Religionskritik. Er war Chefredakteur der Studentenzeitung „Die Spitze“ und schrieb seine Dissertation unter dem Titel „Elemente einer allgemeinen Kommunikationstheorie“ an der Freien Universität Berlin. Christian Ferch veröffentlicht zahlreiche philosophische Texte auf seiner Homepage. Im Podcast Philosophie Heros reflektiert er auf gesellschaftliche Aspekte aus dem Blickwinkel der Philosophie und der Kommunikation.

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