Die deutsche Rechtschreibung: Zwei Missverständnisse

Am Anfang war das Wort – so ist es in der Bibel zu lesen. Doch welches Wort, wessen Wort, und wie wurde es geschrieben?

Am Anfang war das Wort – so ist es in der Bibel zu lesen. Doch welches Wort, wessen Wort, und wie wurde es geschrieben? Dr. Christian Ferch beschreibt zwei Missverständnisse der Rechtschreibung.

Ein Mann, welchem es um Kartierung und Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung zu tun war, ist Konrad Duden1. Im 19. Jahrhundert unternahm er den Versuch, das, was er an Schrifttum im deutschen Sprachraum vorfand, zunächst einmal zu beschreiben, um dann – in einem weiteren Schritt – sich für eine Vereinheitlichung der Schriftsprache einzusetzen.

Bemerkenswert bleibt das Anliegen und Ethos von Konrad Duden, den aktuellen Stand des deutschen Schrifttums zu beobachten und so objektiv wie irgend möglich zu beschreiben.

Dieses Ethos ging dann seinen Weg weiter in die Sprachwissenschaft, und auch hier hieß es: Beschreiben, nicht vorschreiben!

Genau dieses Ethos wird oftmals leider vergessen, wenn der Name Duden fällt.

Ein zweites Missverständnis stellt sich uns bei der Diskrepanz zwischen geschriebener und gesprochener Sprache dar: War eine Vereinfachung der Rechtschreibung das Anliegen Konrad Dudens – immerhin wollte er die Schriftsprache in die Nähe der gesprochenen Sprache wissen, frei nach dem phonetischen Prinzip2 „Schreibe, wie Du sprichst“ –, so war es der gleiche Antrieb, welcher die Initiatoren der Rechtschreibreform motivierte.

Leider war das Ergebnis eher eine hanebüchene Verwirrung, als eine wirkliche Erleichterung: Schülerinnen und Schüler nehmen das phonetische Prinzip beim Wort, und schon wimmelt deren Schriftsprache nur so von Fehlern, auch trotz der eigentlich so gedachten Erleichterung und Vereinfachung.


Quellen und Anmerkungen

[1] Konrad Alexander Friedrich Duden (1829 – 1911) war ein Gymnasiallehrer. Er erstellte Ende des 19. Jahrhunderts das nach ihm benannte Rechtschreibwörterbuch der deutschen Sprache, den Duden, und beeinflusste so maßgeblich die Entwicklung einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum.

[2] Das phonetisch-phonologisches Prinzip, bekannt als Lautprinzip, ist das Hauptprinzip der Rechtschreibung, da diesse eine Lautschrift ist. Dabei stehen 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets für mindestens 42 Laute. Als Faustregel gilt: Schreibe, wie du sprichst. Aber sprich deutlich und sprich Hochdeutsch! Problematisch sind allerdings mundartliches und undeutliches Sprechen sowie ungenaues Hinhören.


Foto: Pexels (pixabay.com) – Creative Commons CC0.


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