Ein iranischer Soldat mit Gasmaske im Iran-Irak-Krieg - Wikipedia – CC BY-SA 3.0
Der Zweck heiligt die Mittel. Der Auspruch wird dem Philosophen Machiavelli zugeschrieben, der damit das Verhalten der Mächtigen in seiner Epoche skizzierte.

Korrupt, hinterlistig, machthungrig: Das Handeln der Herrschenden war für den Philosophen Machiavelli ein auf Erfolg ausgerichtetes Geschäft. Der Zweck heiligt die Mittel! Oder doch nicht?

„Der Zweck heiligt die Mittel.“ Diesen Satz wird fast jeder schon einmal gehört haben. Er wird Niccolò di Bernardo dei Machiavelli zugeschrieben, einem Staatsphilosophen, der von 1469 bis 1527 in Florenz lebte. Mit seinem Ausspruch skizzierte er das Verhalten der Mächtigen in der damaligen Zeit.

Santi di Tito Niccolo Machiavelli's Portrait Headcrop gemeinfrei
Bernardo dei Machiavelli (Foto: Gemeinfrei)

Machiavelli hat sie beobachtet. Die Sicherung der Macht war ein häufiger Zweck, der nicht selten mittels Giftmord oder anderer Gewalttaten erreicht wurde.

Auch heute handeln nicht wenige Menschen, ohne es offen auszusprechen oder sich einzugestehen, nach diesem Motto: „Der Zweck heiligt die Mittel.“ Auf das Ergebnis kommt es an, aber nicht, über welchen Weg es erreicht wurde.

Ist das moralisch? Kann man das ethisch rechtfertigen? Im Video untersuche ich diese Fragen und nenne praktische Beispiele. Es ist dabei wichtig, den Zweck einer ethischen Überprüfung zu unterziehen und dann die möglichen und erlaubten Mittel in Betracht zu ziehen. Entsprechende Kriterien stelle ich vor.

Dazu gehören Mittel, die gerade noch geeignet sind, um ein Problem zu lösen. Wenn man zum Beispiel beleidigt wird, dann kann man sich mit Worten wehren, aber muss seinen Gegenüber ja nicht gleich totprügeln.

Wenn man beispielsweise Karriere als absolut positiven Wert ansehen würde, dürfte man trotzdem keine Mittel einsetzen, die die Rechte der anderen Menschen verletzen wie zum Beispiel Mobbing. Denn es gibt auch andere Weg, um Karriere zu machen: Kommunikation, Fachkompetenz, Wissen.

Der Spruch von Machiavelli ist so wie er da steht also nicht haltbar, auch wenn es genug Beispiel gibt, die uns das Gegenteil zeigen.

Jeder sollte sich und sein Handeln deshalb immer wieder einmal selbst im Alltag prüfen, und hinterfragen, nach welchen Grundsätzen er handelt und ob seine Ziele zu rechtfertigen sind.

Den wer auf sich und sein Handeln kritisch reflektiert, der ist auf dem Weg dahin, ein ethisch und moralisch verantwortlicher Mensch zu werden.



Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Titelfoto: Ein iranischer Soldat mit Gasmaske im Iran-Irak-KriegCC BY-SA 3.0 und Niccolò Machiavelli (Detail aus dem Bildnis von Santi di Tito) – Gemeinfrei.

Philosoph, Journalist, Blogger bei

Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.