Über die Spaltung der Gleichgesinnten

Psychologie der Trennung des Ichs Pixabay Geralt CC0

Die Logik der menschlichen Gemeinsamkeiten wird unterwandert durch die Konkurrenzsituation in allen Lebensbereichen und die Ausoptimierung des Ichs.

Man sollte meinen, dass Menschen mit ähnlichen oder gleichen Interessen sich zusammentun, um ihre Ziele zu erreichen. Dass Gleichgesinnte die Synergieeffekte von Gruppen zu nutzen wüssten, um gemeinsam etwas für sich zu bewegen. Doch irgendetwas scheint diese Logik zu unterwandern.

Der hiernach Suchende wird fündig: Es ist der Zeitgeist, welcher den Individuen einzuhauchen weiß, nur allein und hyperindividuell sei ihr Glück zu finden.

Hinzu kommt die verschärfte Konkurrenzsituation nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, nein, auch in der Ausoptimierung von privaten und Freizeitbefriedigungen ist der moderne Mensch solo.

“Gemeinsam sind wir stark”, das war einmal.

So verhindert nicht nur Misstrauen gegen jedwede Gruppenbildung und -aktivität die Revolution …

Den Herrschenden und Oberen kommt das zupass: Nicht mehr Massen, sondern nur noch Individuen wollen beherrscht und unterdrückt werden.

Der Einzelne, nun zeitgeistgerecht vereinzelt, merkt diese Mechanismen nicht einmal, da er inmitten des Drucks des kapitalistischen Systems steht, und sich dessen nicht einmal gewahr ist. Ihm ist das Hemd näher als die Hose …

Jeder denkt an sich, nur ich denk’ an mich.


Foto: Geralt (pixabay.com, Creative Commons CC0).

Dr. Christian Ferch studierte Linguistik, Philosophie und Religionswissenschaft mit den Schwerpunkten Semantik, Kommunikationstheorie und Religionskritik. Er war Chefredakteur der Studentenzeitung „Die Spitze“ und schrieb seine Dissertation unter dem Titel „Elemente einer allgemeinen Kommunikationstheorie“ an der Freien Universität Berlin. Christian Ferch veröffentlicht zahlreiche philosophische Texte auf seiner Homepage. Im Podcast Philosophie Heros reflektiert er auf gesellschaftliche Aspekte aus dem Blickwinkel der Philosophie und der Kommunikation.