Robocat & Robodog – Über die Unglaublichkeit von Wahrheit und Medienkompetenz

Zwei portugiesische Studenten der Universität Feira wollen mit Roboterkatzen und -hunden unser Zuhause sicherer machen und Kindern mit Autismus helfen. Ihr Start-up „Catdog robotica“ hat die ersten Prototypen vorgestellt. Vielleicht kommen sogar Hühner oder gleich eine Ente.

In der Robotik liegt die Zukunft, ob man will oder nicht. Doch Roboter müssen nicht immer nur Jobkiller sein. Einige Projekte eröffnen Möglichkeiten für eine Reihe von Aufgaben, die von Menschen nicht geleistet werden können.

Die „Catdog robotica“ hat verschiedene Pläne für ihre Roboterkatzen und Roboterhunde. Dabei ist die Programmierung des Basismodels relativ einfach.

„Zu den bereits existierenden Programmen für Spielzeughunde und -katzen fügen wir noch eine Reihe Sensoren hinzu. Der Robodog und die Robocat melden Einbrüche der Polizei und schicken gleichzeitig ein Video des Einbruchs an die Behörden. Dabei folgt der Roboter den Dieben unauffällig, wenn die Überwachungsfunktion eingestellt ist.“ So Manuel Primeiro, einer der Gründer des Unternehmens. „Es gibt aber auch die Möglichkeit einen schrillen Alarmton zu produzieren, um die Einbrecher einfach nur abzuschrecken.“

Die Mitbegründerin der Firma, Joana Abril ihrerseits hebt ihr „Lieblingsprojekt“ hervor: „Tiere helfen bekanntermaßen Kindern mit Autismus oder mit Problemen anderer Art, einen besseren Bezug zu ihrer Umwelt zu bekommen. Doch Tiere haben auch einen eigenen Kopf und sollten nicht gezwungen werden dem Menschen zu dienen, wann immer dieser es will. Bei unserer Robocat kann das nicht geschehen. Sie steht immer zur Verfügung und man muss sich keine Sorgen wegen möglicher Tierquälerei machen.“

So meinte die Informatikerin auch, dass die „unsagbare Tierquälerei“ der „Wachhunde“ ein Ende haben könnte, wenn Roboterhunde die armen Seelen ersetzen, die ihr gesamtes Leben angekettet vor oder in einer kleinen Hundehütte verbringen! Dieser Missbrauch von Hunden soll mit Modell „Robodog“ der Vergangenheit angehören.

Eine gute Idee, die jetzt nur noch in Produktion gehen muss. In Portugal ist es aber schwer, Investoren zu finden. Doch ich glaube, dass dieses Projekt jeden Euro wert wäre. Kann ja sein, dass sich jemand dafür interessiert hätte … Die Zukunft wird es zeigen, vielleicht.

Alles frei erfunden

Aber Vorsicht. Stimmt die Nummer auch? Klingt ja völlig plausibel und ist doch auch eine gute Idee, oder? Wer möchte nicht, dass die Technologie zum Wohl von Kindern eingesetzt wird, die unsere Hilfe brauchen.

Autismus kann nicht wirklich als Krankheit gesehen werden, aber die Betroffenen brauchen Hilfe, um sich in unserer Welt zurechtzufinden.

Ein tolle Geschichte! Schade nur, dass diese Story frei erfunden ist. Warum? Um zu zeigen wie leicht es ist unsereins dazu zu bringen, für ein solches Projekt Geld zu sammeln. Niemand ist wirklich immun gegen das, was derzeit auf Neudeutsch als „Fake-News“ bezeichnet wird.

In diesem Beispiel aber gibt es einige Hinweise, die man sich schnell ergoogelt. Da wäre zum Beispiel die „Universität Feira“ … Es gibt keine Uni in Santa Maria da Feira. Es gibt nur den ISVOUGA, eine technische Hochschule, in der Stadt und diese hat keine Kurse in Robotik. Aber wenn man das nicht – auch ohne Portugiesischkenntnisse – herausfindet, dann ist das nicht so schlimm.

Einfacher ist da schon herauszufinden, dass es keine „Catdog robotica“ gibt. Start-up hin oder her, ein Unternehmen braucht eine Steuernummer und muss im Handelsregister eingetragen sein. Doch es finden sich nur Hinweise auf Zeichentrickfiguren und Spielzeuge.

Wahrheit im Auge des Betrachters

Aber man hat doch keinen Grund diesen Artikel als unwahr zu sehen. Wieso sollte jemand über so ein Thema lügen? Weil in der Verwertungsgesellschaft alles zur Ware wird: auch die Lüge und insbesondere die Wahrheit. „Catdog robotica“ ist ein Beispiel dafür, weiter nichts.

Aber es zeigt, wie leicht es sein kann eine Lüge für bare Münze zu nehmen und genauso leicht kann man die Wahrheit leugnen.

Wenn man jetzt noch philosophisch werden möchte, dann kann man noch sagen, dass die Wahrheit im Auge des Betrachters liegt, das die Wahrheit relativ ist.

Doch soweit möchte ich nicht gehen. Es ist eben der April … zwar nicht der erste, aber immerhin!


Über den Autor: Rui Filipe Gutschmidt kommt aus Portugal. Er wuchs in Deutschland auf und kehrte als Heranwachsender in seine Heimat zurück. Er engagiert sich für Umweltschutz, Tierschutz und soziale Gerechtigkeit. Die Selbstbestimmung des Einzelnen, der solidarisch mit seinen Mitmenschen ist, ist ihm wichtig und ein Staat, der jedem Bürger ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.


Hinweis: Alle Namen und Begebenheiten in dem Beitrag sind frei erfunden. Mögliche Ähnlichkeiten mit Personen, Unternehmen, Erfindungen oder Orten sind rein zufällig.


Foto:  Pete Linforth (pixabay.com) – Creative Commons CC0