Die Entdeckerlust der Kindheit und die Kraft des Neuen

Die Entdeckerlust der Kindheit muss niemals versiegen, sondern kann eine neue Qualität bekommen. Ein Beitrag über die nicht gepflegte Erinnerung an unsere Potenziale.

Die Entdeckerlust der Kindheit muss niemals versiegen, sondern kann eine neue Qualität bekommen. Ein Beitrag über die nicht gepflegte Erinnerung an unsere Potenziale und Entfaltungsmöglichkeiten und die Kraft des Neuen von Community-Autorin Marie.

Neue Gedanken … die Kraft des Neuen und ihrer Innovationen zu einer ethischen Zukunft ist als dringend zu besetzende Fehlstelle (neben Technik und Märkten) für jeden zu spüren.

Denn weder unser Herz, noch unser Gewissen, noch unsere Lebensfreude funktionieren auf die Dauer optimal und gesund, wenn uns ein Blick in die Zukunft – und in einem gegenwärtigen Gefühl, dass keine Wärme und Anteilnahme zu erwarten sind -, vergessen lässt, wie ein Phantomschmerz, die Stelle von Menschlichkeit … das Menschsein … Verzerren.

Das mögliche Ende des Schreckens

Die nicht gepflegte Erinnerung an unsere wunderbaren Potenziale und Entfaltungsmöglichkeiten, in denen jeder der Gesellschaft sein Bestes geben kann: sein Talent und seine Verantwortung.

Weltkrieg I Schlachtfelder vermutlich Rumänien 1914 bis 1918 gemeinfrei

Ein Schlachfeld im Ersten Weltkrieg aufgenommen vermutlich 1918 in Rumänien.

Talent und Verantwortung für das beste Brot, die beste Medizin, die beste Bildung, das fröhlichste Lächeln oder auch die klügste Frage nach dem Sinn, welche ohne den Aspekt von ethischer Schönheit niemals umfassend beantwortet werden kann, und ohne die unser Fokus verkümmert und gelenkt wird auf die nächste Drehung in einem (uralten) Hamsterrad, das auf den Schrotthaufen der Geschichte gehört …

Nur der ist alternativlos und niemals das Neue, dessen Geburtshelfer dringend für Schönes („Das mögliche Ende des Schreckens“; Heiner Müller) im freien Spiel aller mit guter Bodenhaftung gebraucht wird.

Möge hier ein Ort sein, dies zu finden und einen neuen Reichtum und Wert zu schaffen, der so alt wie die Menschheit ist und sie in ihren besten Phasen zum aufrechten Gang gebracht hat – und das auch noch ganz ohne Ideologie oder Propaganda … Aus eigenem Antrieb und durch Neues auf allen Gebieten, immer begleitet von der Kunst als ewiges Dokument für zukünftige Generationen.

Drehen des Kopfes in eine andere Richtung

Für mich fällt die Entdeckung der „Neue Debatte“ zeitgleich mit dem Überschreiten des „Rubikon“ zusammen, zu dem einige von mir geschätzte Autoren ihre Texte und diese in die Öffentlichkeit bringen. Ich glaube nicht an Zufälle, sondern eher an eine Offenheit für eine zeitgemäße Situation, die Passendes in Verbindung bringen kann und darin etwas Neues erkennt.


Der englische Künstler Ben Wilson bemalt in London festgetretene Kaugummis auf Bürgersteigen. CC BY-SA 2.0.

Der englische Künstler Ben Wilson bemalt in London festgetretene Kaugummis auf Bürgersteigen und begründete den Begriff der Chewing Gum Art. (Foto: Salim Fadhley; CC BY-SA 2.0)


Also denke ich für mich: Etwas wirklich Neues versuchen – und sei es auch nur ein kleiner Schritt, ein „langsames Drehen des Kopfes in eine andere Richtung“ (aus: Zettels Traum; Arnold Schmidt), das Erfahren und Zulassen eines neuen Gefühls, eines neuen Gedankens, eines neuen Geschmacks … wie die lebendige Entdeckerlust in der Kindheit, die niemals versiegen muss, sondern mit Erfahrungen, Korrekturen und dem Überwinden von Widerständen des Lebens erst eine neue Qualität bekommt.

Zukünftiges und Evolutionäres von allen ihren Bewohnern und ihren legitimen Wünschen, welche so verschieden sind und sich doch auf einen friedlichen Minimalkonsens verständigen können – meiner Meinung nach müssen -, ist ein Beitrag, der nur außerhalb von diversen Hamsterrädern und auf Augenhöhe eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart ist.

Der Dritte Weltkrieg hat auf der Bühne stattzufinden

Mag dies auch sehr philosophisch klingen und leider den Hunger, Krieg und die Ungerechtigkeiten nicht sofort beenden können – es ist ein (mein) Beitrag dazu, weil noch viel zu viele Menschen nicht „sofort“ ihr Brot teilen, sich der Teilnahme an Kriegen einfach verweigern, sondern in einer „Double-bind-Falle“[1] es „allen möglichen“ recht machen wollen, was jedoch ein totales Unding ist und sie nur letztendlich selbst tötet („In Gefahr und höchster Not, ist der Mittelweg der Tod“) beziehungsweise zu Aggressionen des Selbsterhaltungstriebes gegen vermeintliche Feindbilder treibt, statt die Dämonen in sich selbst zu analysieren.

Jonathan Meese[2] ist für mich ein Beispiel für einen Menschen, der dies erkannt hat und seine Freiheit davon in der Kunst lebt: „Die Kunst unterdrückt nichts. Die Kunst ist totale Liebe.“


Der Dritte und Vierte Weltkrieg hat auf der Bühne stattzufinden oder in Büchern, im Theater, in der Musik. Alle schrecklichen Dinge gehören in die Kunst nicht in die Realität. Dafür haben wir die Kunst. Die Kunst ist größer und stärker als Politik oder Religion.

Jonathan Meese (Künstler)


Die Typen in den 20er Jahren waren keine richtigen Künstler. Die waren so schwach, dass sie noch nicht einmal Adolf Hitler verändern konnten.

Jonathan Meese (Künstler)


Er hat völlig recht: Es geht um die Sache – und für ihn heißt die Sache „Kunst“, weil er um die Abgründe der Menschen weiß und was sie aus menschlicher Schwäche in der Realität anrichten kann.

Die Realität kann genauso auch die unendliche Schönheit und Vielfalt, aber auch die brutale Grausamkeit der Natur(gewalten) sein – und da irgendwo mittendrin ist der Mensch … auch der grausame und brutale Mensch, der sich am leben anderer Menschen bedient und bereichert und eine zutiefst lebensfeindliche Rolle einnimmt und sich aus der möglichen Harmonie herausnimmt und überbewertet.

Der selbsternannte Übermensch: Welch lächerliche Figur, dessen einzige Sache er selbst und seine Eitelkeit und krankhafte Gier nach sinnloser Macht und Reichtum ist …

Wie lächerlich und feige sind doch alle Diener? Wie viel Blut klebt an ihnen, wenn die Ursachen und spuren ihres Wirkens in der Realität sichtbar wären? Und doch kennen wir die Dokumente und Bilder davon sehr gut – wie könnten wir sie vergessen?

Und wo ist das Neue, dass sie an den richtigen Platz der Menschenrechte, der Gerechtigkeit, der Justiz stellt und sich endlich mal dem Eigentlichen, dem Evolutionären widmet?

Vor einigen Jahren hat die Rockband „Tocotronic“ die ironische Double-bind-Sicht auf die immer mehr „verkehrte Welt“ gelenkt – doch auch dies hat nichts gerade rücken können … und sie waren nun wirklich nicht allein, sondern viele Denker und Dichter der Gegenwart haben sich geäußert.


Das Lied „Verschwör dich gegen dich“ ist aus dem Album „Kapitulation“ der Hamburger Indie-Rockband „Tocotronic“.


Wahrscheinlich waren es nicht genug. Wahrscheinlich ist alles noch nicht so schlimm? Doch warum weiten sich die Oasen der Vernunft und Lebensfreude nicht so massiv aus, wie die Wüsten der Angst und Zerstörung?

Wer will das denn?
Wie kann man fröhlich und mutig kämpfen und andere damit anstecken?


„Pure Vernunft darf niemals siegen“ (Tocotronic)


Der Begriff Double Bind bezeichnet eine Kommunikationssituation, in der jemand zwei widersprüchliche Botschaften oder Aufträge erhält und dadurch in eine „Zwickmühle“ gerät. Wenn zum Beispiel ein nahstehender Mensch wie Vater oder Mutter traurig schaut, und auf die Frage, was mit ihm sei, antwortet, alles wäre in Ordnung, entsteht eine Double-bind-Kommunikation, in der der Empfänger der Botschaft verunsichert wird, weil sprachliche und nichtsprachliche Kommunikation nicht übereinstimmen.

Jonathan Robin Meese ist ein deutscher Künstler, dessen Werke Malerei, Skulpturen, Installationen, Performances, Collagen, Videokunst und Theaterarbeiten umfassen. Meese thematisiert vor allem Persönlichkeiten der Weltgeschichte, Ur-Mythen und Heldensagen. Er wurde in Tokio geboren, lebt und arbeitet in Ahrensburg und Berlin.


Fotos: Schlachtfeld im Ersten Weltkrieg (gemeinfrei, da 100 Jahre alt); Titelbild und Foto von Ben Wilson: Salim Fadhley (Flickr.com; Ben at work – Chewing Gum Artist; CC BY-SA 2.0)

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