Gesellschaft Robert Manoutschehri

Erste Lösung Abschuss: Der Wolf und seine politischen Feinde

Die Wölfe kehren langsam nach Deutschland und Österreich zurück und schon wird verbal die Knarre aus dem Schrank geholt.

Der letzte Wolf wurde in Deutschland 1904 abgeschossen. Schon 1882 verschwanden die Wölfe aus Österreich. Jetzt kehren sie langsam zurück und schon wird verbal die Knarre aus dem Schrank geholt. Community-Autor Robert Manoutschehri schreibt über den Wolf und seine politischen Feinde.

Ein paar Wölfe mehr in Österreich und Deutschland und sofort sind „Obergrenzer“ Gewehr bei Fuß.

Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, dass in Österreich die ersten Wolfswelpen seit der Ausrottung der Wölfe um 1882 in freier Wildbahn geboren wurden. Sie wurden im Waldviertel (Niederösterreich) gesichtet und sogar vom Bundesheer überschwänglich gefeiert.

Jetzt sind die Welpen erwachsen und dürften schon selbst für Nachkommen gesorgt haben. Auf dem 15.000 Hektar großen Truppenübungsplatz Allentsteig werden aktuell an die 20 Exemplare vermutet. In ganz Niederösterreich sollen es etwa 50 Tiere sein.

Eine Zahl, die von den Tierschützern des World Wide Fund For Nature (WWF) angezweifelt wird, da in den Jahren von 2009 bis 2015 jeweils nur zwischen zwei und sieben Wölfe in Österreich genetisch nachgewiesen wurden.

Aber selbst 20 Wölfe sind offenbar schon zu viel … Das schlimmste Raubtier von allen, der Mensch, und manch ein Politiker dürfte sich gar als Spitzenprädator ansehen, tritt auf den Plan.

Den Finger am Abzug

Ex-ÖVP-Vizekanzler Josef Pröll sprach in seiner Funktion als Landesjägermeister beim 71. Jägertag in Ziersdorf bereits von einem nötigen „Eingreifen“. Er stößt damit ins gleiche Jagdhorn wie seine deutschen Brüder im Geiste.

„Die Alm- und Weidewirtschaft hat große Sorgen“, meinte Landwirtschaftskammer Präsident Hermann Schultes laut ORF am Jagatreff. Diese Sorgen muss man ernst nehmen und nach Lösungen suchen, ohne dabei Fakten zu unterschlagen oder Zusammenhänge zu verdrehen

Denn ein polternder Pröll begab sich ins Fahrwasser des Postfaktischen, als er populistisch wirksam sagte: „Wir wehren uns gegen das gezielte Aussetzen und Ansiedeln. Man sieht, was mit dem Biber und dem Fischotter passiert ist, wo die Schäden jetzt enorm sind und wo jetzt andere eingreifen müssen. Das darf uns beim Wolf kein zweites Mal passieren.“


In Deutschland wurde der letzte Wolf 1904 abgeschossen. Jetzt kehrt er zurück und die Politik macht sofort Jagd auf ihn.
In Deutschland wurde der letzte Wolf 1904 abgeschossen. Jetzt kehrt er zurück und die Politik macht sofort Jagd auf ihn. (Foto: pixabay; CC0)

In vorsichtiger gewählten Worten und verbraucherfreundlich formuliert, wird von Pröll ein „Management“ des Bestandes gefordert. Man kann es einfacher ausdrücken: Lasst uns Wölfe abschießen.

Na Bumm, do geht an der Schmäh aus … Vor allem wenn man weiß, dass weder Fischotter noch Wolf jemals in Österreich „angesiedelt wurden“, sondern schon immer hier lebten beziehungsweise aus dem Osten neu eingewandert sind.

Oder, wenn man mitbekommen hat, dass Artenschützer wie die vom WWF schon seit über sechs Jahren einen Plan für ein Wolfsmanagement fordern und sich auch niemand bei einer der ohnehin äußerst seltenen Begegnungen mit einem Wolf fürchten muss, schon gar nicht, wenn man sich an einige Verhaltensregeln hält, und es außerdem für die wenigen Ausnahmefälle, bei denen ein Schaf oder ein Huhn zu Schaden kommt, Schadensersatzzahlungen gibt.

Der Artenschutzexperte des WWF Österreich, Christian Pichler, verordnete die Aussagen Prölls, die der Spitzenfunktionär schon in einem Interview mit dem Kurier aufstellte, in die Rubrik Jägerlatein.

Vielleicht wurde Pröll durch den medienwirksamen Aktivismus der deutschen Lokalpolitik inspiriert. In Großdöbschütz (Landkreis Bautzen) wurden am Ostermontag zwei Schafe vermutlich von Wölfen gerissen. Unmittelbar darauf kündigte Bautzens Landrat Michael Harig an, den Abschuss von Wölfen prüfen zu lassen, wie die Freie Presse berichtete.

Es folgten ebenfalls Rufe der niedersächsischen CDU und von der FDP nach – man höre und staune – „Obergrenzen“ für die 46 Rudel umfassende Wolfspopulation in Deutschland. Und zuletzt meinte auch noch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), man müsse über eine „begrenzte Abschussfreigabe“ reden.

Barbara Hendricks steht zum Wolf

Ohne Bundesumweltministerin Barbara Hendricks würden wohl schon einige Trophäen mehr die Wände diverser Jagdhütten schmücken. Die SPD-Politikerin stellte klar, dass man weit davon entfernt ist, den Schutz für den Wolf zu lockern, da der Bestand der Tiere keineswegs gesichert sei.

Den rustikalen Jägern gab sie via NDR eine nicht unoriginelle Denkanregung mit: „Wir als Europäer erwarten zum Beispiel von den Afrikanern, dass sie die Elefanten schützen. Dabei gibt es Elefantenherden, die dort ganze Dörfer vernichten und Menschen töten, trotzdem sollen Elefanten geschützt bleiben.“

Wenn man diesen Aspekt berücksichtigt, und sich verdeutlicht, dass der Wolf zwar beileibe kein Kuscheltier, aber eben auch keine blutrünstige Bestie ist, die eine natürliche Scheu vor seinem größten Feind, dem Menschen, hat, und ihm aus dem Weg geht, sollte in Deutschland und Österreich trotz einiger weniger Wild- und Nutztierschäden das Zusammenleben mit dem Wolf – auch auf politischer Ebene – auf die Reihe zu kriegen sein, oder?


Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Wien.

Über den Autor: Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Österreicher. Er engagiert sich ehrenamtlich für zahlreiche Bürgerinitiativen und NGO’s.

Robert Manoutschehri lebt in Wien und veröffentlicht auch regelmäßig bei unserem Kooperationspartner „Unsere Zeitung – Die Demokratische“.


Foto: Rain Carnation (Titelbild) und StormmillaGirl – (beide pixabay.com) – Creative Commons CC0

2 Kommentare

  1. auch ich hatte über 10 jahre so ein wunderbares kuscheltier in meinem haus. nie werde ich vergessen, was ich von ihm über soziales verhalten und treffsichere instinkte gelernt habe. er hat mich viel über menschen und auch hunde gelehrt – etwas, was einigen wohl abhanden gekommen ist: das ist das problem! ein wolf ist es niemals.

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  2. Es ist höchste Zeit, diesem ewigen Mitlebewesenmorden ein Ende zu setzen!! Was die Europäer und ihre Nachfahren hier und in anderen Ländern alles schon endgültig ausgerottet haben, ist einfach nur noch unerträglich! Jedes Lebewesen hat seine Berechtigung in der Natur, nur der Mensch nicht und das kann er auch mit diesen völlig blödsinnigen scheinheiligen Argumenten, von wegen“ die Natur braucht uns“ in keinster Weise rechtfertigen!!! Die Natur braucht uns nicht, aber die Natur braucht die Wölfe, soviel ist sicher!!!

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