Leben von Mindestsicherung: Tag 3 – Öffentlichkeit schaffen!

Der Journalist Michael Wögerer (Unsere Zeitung) lebt in Wien von 7,50 Euro am Tag, um mit seinem Projekt auf die Situation von Menschen aufmerksam zu machen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind. Er führt Tagebuch.

Am heutigen dritten Tag möchte ich mich ganz besonders bei allen bedanken, die bisher auf meinen „Selbstversuch – 31 Tage Mindestsicherung“ reagiert haben, und das, egal ob es aufmunternde Worte, konkrete Unterstützung oder Kritik war.

Ich mache diese „Aktion“, dieses „Experiment“ – oder wie auch immer ihr es bezeichnen wollt – nicht zum Selbstzweck. Es geht mir nicht darum meine eigenen Grenzen herauszufinden (wobei auch das manchmal nicht so schlecht ist), sondern ich will für das Thema, um das es geht, Öffentlichkeit schaffen. Klar, ich hätte auch „nur“ Reportagen über Armut in Österreich verfassen können, doch – ganz ehrlich – hätten sie dieselbe Wirkung erzielt?

An dieser Stelle möchte ich mich beim Online-Magazin Neue Debatte bedanken, das mein Tagebuch veröffentlicht. Gerade am heutigen Tag der Pressefreiheit kann nicht oft genug betont werden, wie wichtig alternative, kritische Medien sind, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, während auf der großen Bühne des etablierten Journalismus längst der Profit zur zentralen Triebkraft geworden ist.

Dies wirkt sich natürlich auch auf die Berichterstattung aus. Ich möchte das an einem ganz kurzen Beispiel verdeutlichen: Die Zahl der Aktionäre in Österreich beträgt rund 7 Prozent, während die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen Menschen 18 Prozent ausmacht.


Menü um 6,55 Euro - Leben mit Mindestsicherung - Foto - Michael Wögerer
Das „Menü“ um 6,55 Euro am Tag 3 des Projekts. (Foto: Michael Wögerer)

 


Nun vergleichen wir, welchen Platz diese beiden Themen in den hiesigen Medien einnehmen. Während zum Beispiel der ORF täglich in der Zeit im Bild um 13 Uhr über die Aktienkurse berichtet, nimmt die soziale Frage, die weitaus mehr Menschen betrifft, nicht einen solchen Platz ein. Denke, das sollte sich ändern!

Noch 28 Tage und 217,70 Euro

Heute habe ich insgesamt 6,55 Euro ausgegeben. Der Großteil ist für eine neue Packung Wuzeltabak und die dazu notwendigen Papers draufgegangen – damit sollte ich dann wieder ein paar Tage auskommen.

Für die Jause hab ich in der APA-Kantine nur sehr wenig bezahlen müssen, da ich als Geringverdiener eine sogenannte „Stütze“ bekomme, durch die ich für ein Weckerl und eine Banane nur 15 Cent bezahlen musste.

Zu Hause gab es dann wieder Mal Müsli, eine heiße Suppe und viel Kamillentee, da ich mich ein wenig kränklich fühlte (geht aber schon wieder!). Nun werd ich mich bald ins Bett hauen. Wer schläft, raucht nicht und isst nichts.

Picknick der Freude

Zum Schluss möchte ich euch aber noch herzlich zum Picknick der Freude am 8. Mai einladen. Am Tag der Befreiung treffen wir uns um 16 Uhr bei hoffentlich schönem Wetter am Heldenplatz und wollen aufzeigen, dass viel möglich ist, wenn wir zusammenhalten.

Kommt zum Picknick der Freude - 8.5. ab 16 Uhr - Heldenplatz - Foto -Michael Wögerer
Kommt zum „Picknick der Freude“ am 8. Mai ab 16 Uhr am Heldenplatz in Wien. (Foto: Michael Wögerer)

Jede/r kann etwas zu diesem besonderen Picknick beitragen. Es soll ein schöner Nachmittag werden, wo Solidarität und Gemeinschaft im Vordergrund stehen und es völlig egal ist, woher man kommt und wie viel man hat.

Ab 19.30 Uhr veranstaltet das Mauthausen Komitee Österreich das Fest der Freude. Die Wiener Symphoniker werden ein kostenloses Open-Air-Konzert spielen.

Bis Morgen!
Euer Michael

Wien, Tag der Pressefreiheit (3.5.2017)


Michael Wögerer ist ein österreichischer Journalist. Er arbeitet in Wien als Redaktionsassistent bei der Austria Presse Agentur (APA) und ist Mitbegründer von „Unsere Zeitung – die Demokratische“, einem Kooperationspartner von Neue Debatte.

Fragen, Anmerkungen, Lob und Tadel sowie Feedback zur Aktion, können als Kommentar unter dem Beitrag geschrieben oder an seine E-Mail michael.woegerer(at)gmail.com gesendet werden.


Fotos: Michael Gaida – pixabay.com – Creative Commons CC0

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