Gesellschaft Unsere Zeitung

Leben von Mindestsicherung: Tag 5 – Freundschaft

Heute Vormittag hab ich mich mit Joachim Kovacs getroffen. Er hat im März letzten Jahres einen Monat von 7,50 Euro am Tag gelebt und seine Aktion hat mich auf die Idee gebracht, es ebenso zu versuchen.

Michael Wögerer lebt in Wien freiwillig von 7,50 Euro am Tag. Der Journalist (Unsere Zeitung) will auf die Situation von Menschen aufmerksam machen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind. Er schreibt ein Tagebuch.

Heute Vormittag hab ich mich mit Joachim Kovacs (im Foto re.) getroffen. Er hat im März letzten Jahres einen Monat von 7,50 Euro am Tag gelebt und seine Aktion hat mich auf die Idee gebracht, es ebenso zu versuchen.

Als Vorsitzender der Wiener Grünen hatte er damals dem Chef der ÖVP-Wien, Gernot Blümel, angeboten, sich gemeinsam mit ihm in die Menschen hinein zu fühlen, die „wenig vom Kuchen“ besitzen. Doch Blümel hat das abgelehnt.

Also hat es Joachim alleine durchgezogen. Auch seine Aktion hatte zum Ziel auf das Thema Armut in Österreich aufmerksam zu machen und für eine gerechte Verteilung des Reichtums einzutreten. Im Zuge seines Selbstversuches ist er dabei auch immer wieder auf gängige Mythen eingegangen und hat sich mit Betroffenen ausgetauscht. Ich kann euch sehr empfehlen, seine Beiträge auf joachimkovacs.wordpress.com nachzulesen!

Beim heutigen Treffen sprachen wir über seinen Selbstversuch und die vielen Punkte, die es beim Thema Armut & Reichtum in Österreich zu berücksichtigen gilt. Der gebürtige Burgenländer betonte dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen, die BezieherInnen von Mindestsicherung in den Bundesländern haben.

Oft werden Menschen, die nicht in großen Städten leben, noch stärker ausgegrenzt als etwa WienerInnen, denen nicht nur die sozialen Angebote der Stadt, sondern oft auch die Anonymität zugute kommt.

Ein wichtiges Anliegen ist Joachim, dass wir bei der Thematik Mindestsicherung nicht darauf vergessen, die Problematik der niedrigen Löhne aufzuzeigen. Jene, die 40 Stunden arbeiten und trotzdem kaum mehr als den vollen Mindestsicherungsbetrag erhalten, und jene, die keine Arbeit finden und deshalb soziale Unterstützung bekommen, sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die wahren Nutznießer unseres Systems sitzen nicht am unteren Ende.

Das war ein sehr spannender Gedankenaustausch und es hat mich sehr gefreut, dass sich Joachim trotz der hektischen Zeiten dafür Zeit genommen hat. Gut, dass er mich auch noch auf den Espresso eingeladen hat, denn nachdem ich mir heute wieder mal Stoff für meine Nikotinsucht kaufen musste (Tabak und Filter um 6,70 €), wäre das Tagesbudget bereits vor dem Mittagessen überzogen gewesen.

Und da auch das Glück selten alleine kommt, durfte ich heute Nachmittag bei Eva zu Besuch sein, die seit Kurzem im Mutterschutz ist. Sie hat mich zu einem tollen Essen eingeladen und wir hatten seit Langem wieder genug Zeit zu plaudern. Ob im Juli nun eine Ernestine oder ein Ernesto zur Welt kommt, weiß ich zwar jetzt noch immer nicht wirklich, aber was spielt das schon für eine Rolle?

Weil heute so ein schöner Tag war, hab ich mir am Abend noch ein „Flascherl“ Bier gegönnt. Und was für eines! 1,5 l Bier in der Plastikflasche beim Diskonter meines Vertrauens um 0,99 Cent.

Somit hab ich heute insgesamt 7,69 Euro ausgegeben und für die restlichen 27 Tage bleiben noch 209,61 Euro übrig. Halbwegs im Plan.

Die bisherigen Tagesnotizen:

31 Tage Mindestsicherung – Eine Annäherung (30.4.)

Tag 1 – Kein Spiel! (1.5.)

Tag 2 – Konsumgesellschaft (2.5.)

Tag 3 – Öffentlichkeit schaffen! (3.5.)

Tag 4 – Lebensrealitäten (4.5.)


Michael Wögerer Unsere ZeitungMichael Wögerer ist ein österreichischer Journalist. Er arbeitet in Wien als Redaktionsassistent bei der Austria Presse Agentur (APA) und ist Mitbegründer von „Unsere Zeitung – die Demokratische“, einem Kooperationspartner von Neue Debatte.

Fragen, Anmerkungen, Lob und Tadel sowie Feedback zur Aktion, können als Kommentar unter dem Beitrag geschrieben oder an seine E-Mail michael.woegerer(at)gmail.com gesendet werden.


Titelbild: Im Café Ritter mit Joachim Kovacs (M. Wögerer)

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