Kinder auf der Flucht vor eskalierender Gewalt im Südsudan

Der Südsudan versinkt im Chaos. Die Menschen fliehen vor einer marodierenden Soldateska und der ungezügelten Gewalt des Krieges. Im ganzen Land toben Kämpfe. Über eine Million Kinder wurden innerhalb des Landes vertrieben. Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Die Nahrungsmittel reichen nicht mehr aus. Robert Manoutschehri berichtet über die dramatische Entwicklung.

UNICEF und UNHCR ersuchen die Weltgemeinschaft erneut eindringlich um Hilfe: Die meisten der mehr als 1,8 Millionen Flüchtlinge aus dem Südsudan sind Kinder – darunter viele Unbegleitete oder Waisen.

Mehr als tausend Kinder wurden in dem politisch und ethnisch motivierten Konflikt bereits getötet oder verletzt und 1,14 Millionen Kinder wurden innerhalb des Landes vertrieben, so die jüngsten UN-Zahlen.

106.000 Kinder gelten im Südsudan derzeit als akut unterernährt, eine Million als mangelernährt. Rund 72 Prozent können nicht mehr in die Schule gehen – soviel wie nirgendwo sonst auf der Welt. Der vielfache Ausbruch von Cholera und Windpocken fordert weitere Opfer – und auch hier sind geschwächte Kinder an vorderster Front.

62 Prozent derjenigen, die in die Nachbarländer Uganda, Kenia, Äthiopien, Sudan und Kongo fliehen konnten, sind minderjährig. Mehr als 75.000 Flüchtlingskinder kamen entweder unbegleitet oder getrennt von ihren Familien über die Grenze und leben nun in Flüchtlingslagern, wo mittlerweile mangels ausreichender Finanzierung durch die Weltgemeinschaft auch nicht mehr für ausreichend Nahrung gesorgt werden kann.

„Die Zukunft einer ganzen Generation steht vor dem Abgrund“, warnt UNICEF Regionaldirektorin Leila Pakkala. Das Trauma, die körperlichen Strapazen, Angst und Stress, welche so viele Kinder erfahren, sind nur ein Teil des Tributs, den die Krise fordert.

Unbegleitete Kinder im weltgrößten Flüchtlingscamp Bidi-Bidi in Ugandas Grenzgebiet zum Südsudan im Dez. 2016. © R.Manoutschehri
Unbegleitete Kinder im weltgrößten Flüchtlingscamp Bidi-Bidi in Ugandas Grenzgebiet zum Südsudan. (Foto: R. Manoutschehri)

Kinder sind weiterhin in Gefahr von Streitkräften und bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert zu werden. Mit der Zerstörung von traditionellen sozialen Strukturen, steigt außerdem die Verwundbarkeit gegenüber Gewalt, sexuellem Missbrauch und Ausbeutung.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass zuletzt auch die Hilfsorganisationen vor den brandschatzenden Millizen fliehen mussten. Außerhalb der Hauptstadt Juba toben im ganzen Land unberechenbare Gefechte zwischen regierungstreuen und rebellischen Angehörigen der Sudan People’s Liberation Army (SPLA).

Beide Parteien plündern und morden willkürlich unter der Zivilbevölkerung, zerstören die Reste der Infrastruktur und selbst kirchliche Schulen und Missionsstationen. Viele Missionare und humanitäre Helfer mussten vor der Gewalt flüchten.

Sogar ein inzwischen durch britische Truppen verstärkter UN-Friedenstruppen-Stützpunkt im Norden des Landes wurde angegriffen.

Die Zahl der Toten und Verletzten, auch unter den internationalen Helfern, steigt täglich. Alle Aufrufe zu Friedensverhandlungen blieben bislang ungehört.

Mein ausführlicher Hintergrundbericht über die Lage im Südsudan und das weltweit größte Flüchtlingslager in Uganda ist auf Neue Debatte nachzulesen: Der Hungertod in Afrika: Die schwerste humanitäre Krise seit dem 2. Weltkrieg.


Spenden und Unterstützungsgelder bitte an die Unicef oder eine der wenigen NGOs direkt vor Ort:

„HELFEN WIR!“, Verein für medizinische und Entwicklungshilfe.
Spendenkonto Österreich – IBAN: AT 88 3271 5000 0120 8685
Spendenkonto Deutschland – IBAN: DE 21 7105 0000 0000 6417 20


Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Wien.Über den Autor: Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Österreicher. Er engagiert sich ehrenamtlich für zahlreiche Bürgerinitiativen und NGO’s. Robert Manoutschehri lebt in Wien.


Fotos: Robert Manoutschehri (Unbegleitete Kinder im weltgrößten Flüchtlingscamp Bidi-Bidi in Ugandas Grenzgebiet zum Südsudan. Aufgenommen im Dezember 2016).

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