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Leben mit Mindestsicherung: Tag 11 – Lebenserwartung

Die Lebenserwartung hängt vom Einkommen ab und Armut macht krank.

Die Lebenserwartung hängt vom Einkommen ab und Armut macht krank. Das sind keine neuen Erkenntnisse, doch wirklich thematisiert werden sie in der Gesellschaft immer noch nicht. Michael Wögerer schreibt in seinem Tagebuch „31 Tage Mindestsicherung“ über die gesundheitlichen Folgen von Armut.

„Armut macht krank, Punkt.“, kommentierte Thomas meinen gestrigen Eintrag. Wie recht er hat! Doch Armut bedeutet hierzulande nicht nur weniger finanzielle Ressourcen, um sich um seine Gesundheit zu kümmern, Armut macht auch psychisch krank.

Und wir alle wissen, dass sich seelische Probleme auch auf den Körper auswirken. Ausdrücke im Volksmund wie „Das liegt mir im Magen“ oder „Dem ist etwas über die Leber gelaufen“, zeugen von diesem Zusammenhang.

Der Sozialexperte Martin Schenk warnt in der Wiener Zeitung davor, dass sozial benachteiligte Jugendliche besonders stark betroffen sind: Je früher die „Armutsphase“, wie Schenk sie nennt, einsetzt und je länger diese anhält, desto heikler seien die Auswirkungen: Kopfschmerzen, Nervosität, Einschlafstörungen und Einsamkeit seien möglich.

Jugendliche und Erwachsene, die in Armut aufgewachsen sind, würden dreimal so oft an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenksbeschwerden, Diabetes und psychischen Krankheiten leiden, wodurch sie im Schnitt um fünf bis acht Jahre früher sterben.

„Internationale Studien und empirische Belege zeigen, dass von Armut bedrohte oder betroffene Menschen nicht nur häufiger und schwerer krank sind, sondern auch erheblich früher sterben“, heißt es auch in einer Broschüre der Volkshilfe Österreich.

Erst kürzlich hat eine Studie des deutschen Robert Koch Instituts gezeigt, dass Männer, die an oder unter der Armutsgrenze leben, im Schnitt 10,8 Jahre weniger alt werden als wohlhabende Männer. Bei Frauen beträgt die Differenz circa acht Jahre. „Die Menschen sterben auch früher, weil sich der psychische Druck durch die insgesamt beengte Lebenssituation und meist auch schlechtere Arbeitsbedingungen oder auch durch Arbeitslosigkeit negativ auf das eigene Leben und die Möglichkeiten der Teilhabe auswirkt“, so Prof. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in der ARD-Sendung panorama.

Warum die in vielen Medien als besonders „arm“ dargestellte Bevölkerung der karibischen Insel Kuba eine der höchsten Lebenserwartungen und den größten Anteil an über 100-Jährigen hat, das ist eine andere Geschichte, die ich euch bald mal erzählen möchte.

Heute hab ich ein wenig über die Strenge geschlagen. Es war ein intensiver Arbeitstag und ich musste für Essen und Getränke mehr Geld aufwenden, weil ich von früh bis (sehr) spät unterwegs war und mir nichts selber kochen konnte.

Die heutigen Ausgaben belaufen sich auf insgesamt 13,15 Euro. Fast das Doppelte das mir durchschnittlich am Tag zur Verfügung steht.

In den kommenden 20 Tagen muss ich mit insgesamt 165,86 Euro auskommen.


Michael Wögerer Unsere ZeitungMichael Wögerer ist ein österreichischer Journalist. Er arbeitet in Wien als Redaktionsassistent bei der Austria Presse Agentur (APA) und ist Mitbegründer von „Unsere Zeitung – die Demokratische“, einem Kooperationspartner von Neue Debatte.

Fragen, Anmerkungen, Lob und Tadel sowie Feedback zur Aktion, können als Kommentar unter dem Beitrag geschrieben oder an seine E-Mail michael.woegerer(at)gmail.com gesendet werden.


Die bisherigen Tagesnotizen:

31 Tage Mindestsicherung – Eine Annäherung (30.4.)

Tag 1 – Kein Spiel! (1.5.)

Tag 2 – Konsumgesellschaft (2.5.)

Tag 3 – Öffentlichkeit schaffen! (3.5.)

Tag 4 – Lebensrealitäten (4.5.)

Tag 5 – Freundschaft (5.5.)

Tag 6 – Netzwerke (6.5.)

Tag 7 – Kein Märchen (7.5.)

Tag 8 – Befreiung (8.5.)

Tag 9 – Nachhaltigkeit (9.5.)

Tag 10 – Durchatmen (10.5.)


Foto: Anton; Pexels; Creative Commons CC0.

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