Meinung Rainer Kahni

Die verlorene Ehre der 68er-Generation!

Nazis bauten nach dem 2. Weltkrieg die Bundesrepublik mit auf. Die 68er rebellierten und wurden niedergeknüppelt. Wenige blieben rebellisch, viele passten sich. Deshalb haben sie versagt.

Schergen der Nazis bauten nach dem 2. Weltkrieg die Sicherheitsapparate in der Bundesrepublik auf. Alt-Nazis putzten ihre Lebensläufe und machten es sich im neuen System bequem. Die Jugend rebellierte und wurde niedergeknüppelt. Wenige blieben rebellisch, viele passten sich. Auch deshalb habe die 68er-Generation in Deutschland versagt, meint Rainer Kahni.

Sie sind teilweise noch im II. Weltkrieg geboren und mussten die Verwüstung der Städte und manchesmal noch schlimmer, die Verwüstung in den Hirnen ihrer Eltern mit ansehen.

Sie wurden oft von Menschen erzogen, die sich nach dem Fiasko des III. Reiches anmaßten, ein Vorbild für Kinder zu sein. Entweder waren diese Eltern oft genug Verbrecher, Nazis, Mitwisser, Mitläufer, oder einfach nur in billige Anzüge gewickelte Feiglinge!

Aber sie predigten ihre Werte, die längst jeden Wert verloren hatten, denn sie stammten entweder aus dem Kaiserreich oder aus der Weimarer Republik, die gar keine Republik sein wollte oder aus dem zusammengestürzten Nazi-Reich.

Diese Eltern machten es sich oft sehr einfach: Sie hängten die Fahnen nach 1945 um, warfen die alten Hakenkreuzfahnen weg und putzten ihre Lebensläufe, manchesmal sogar mithilfe alter Seilschaften.

Nicht viel besser erging es den späteren 68igern in den Schulen. Was sich dort anmaßte, Schüler auf das Leben vorzubereiten, kam entweder bitter enttäuscht, oft auch schwer verwundet an Körper und Seele, aus dem Krieg und der Gefangenschaft nach Hause, war vor nicht allzu langer Zeit aktiver Nazi oder zumindest Mitläufer oder Mitwisser der Verbrechen des III. Reiches.

Junge unbelastete Lehrer kamen erst sehr viel später aus der Ausbildung und wurden nicht selten von den alten Kadern des Lehrkörpers fürchterlich gemobbt!

Der Ungeist der Nazis

Aus diesem Geiste heraus erwuchs die Generation der 68iger. Diese jungen Menschen waren genauso traumatisiert wie ihre Eltern und Ausbilder. Sie hörten nichts als Lügen, nichts als Beschönigungen, was nicht zu beschönigen war, nichts als Verdrängung.

Pflasterstein mit Anstecker „Enteignet Springer“ 1969. (Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin; gemeinfrei)

Neue Literatur oder gute jüdische Literatur gab es nicht! Sie wurde auf dem schwarzen Markt gehandelt und durfte unter Strafe nicht in die Schule und nicht nach Hause mitgebracht werden.

Die alten Nazis hatten sich wieder gut eingerichtet in der Bundesrepublik. Die zurückflutenden Polizeibataillone, die grauenhafte Verbrechen begangen hatten, stellten wieder die Schutzpolizei.

Die Schergen der GESTAPO, des SD und der SS bauten die neuen Sicherheitsapparate in der Bundesrepublik auf. Nahezu alle Richter, Staatsanwälte, Ärzte und Professoren an den Universitäten wurden wieder in den Staatsdienst übernommen und verseuchten eine weitere Generation von Akademikern mit ihrem Ungeist.

Furchtbare Nazis bildeten oft die Elite bundesdeutscher Ministerien und Behörden und entblödeten sich nicht, als „demokratische“ Politiker Karriere zu machen.

Sie verbreiteten einen dumpfen Gestank von Spießertum, verlogener Moralvorstellungen und primitiver Küchenpsychologie, in dem die junge Generation zu ersticken drohte.

Vergeblicher Marsch durch die Institutionen

Die 68er-Generation formierte sich, begehrte auf und wurde nach alten Riten von den alten neuen Machthabern zusammengetreten, geknüppelt oder gar erschossen.

Viele dieser jungen Idealisten mussten unter dem Druck des Elternhauses und des staatlichen Machtanspruches aufgeben und fügten sich nach langem Kampf in das System. Der sogenannte „Marsch durch die Institutionen“ begann. Er hat nichts gebracht!

Einige wollten diesen Marsch nicht mitmachen, fügten sich nicht und blieben ewig Außenseiter.

Die Mehrzahl glaubte, das System von innen aufrollen zu können, scheiterte aber am inneren Schweinehund. Sie wurden teilweise noch korrupter, noch verlogener, noch gieriger, noch schamloser, noch spießiger als diejenigen, die sie zu bekämpfen glaubten. Verheerende Beispiele dieser geistigen Korruption sind heute noch tagtäglich zu besichtigen.

Das Grundgesetz als Hoffnung

Eine neue Hoffnung keimte mit der Wiedervereinigung im Jahre 1989 bei der 68er-Generation auf. Sie wusste, dass ihr Opfer umsonst war und dass der Kampf verloren ist.

Demonstration für Deserteure im Jahr 1969 in Berlin (Foto: Beyerw - Eigenes Werk; CC BY-SA 3.0)
Demonstration für Deserteure im Jahr 1969 in Berlin. (Foto: Beyerw – Eigenes Werk; CC BY-SA 3.0)

Doch im Grundgesetz (GG) gibt es bis heute den Artikel 146 GG, der vorschreibt, dass das provisorische Grundgesetz einer vom wiedervereinigten Volk in freier Selbstbestimmung beschlossenen Verfassung weichen muss!

Hier noch einmal der Wortlaut des Artikel 146 GG:

Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.

Auf diesen Artikel des Grundgesetzes setzten viele 68er ihre ganze Hoffnung, denn sie wollten endlich eine demokratische Verfassung, eine direkte Demokratie und eine weisungsunabhängige Justiz in Gesamt-Deutschland installieren.

Parteien, Kapital und Lobbyisten

Sie mussten fast ihr ganzes Leben mit dem von den Alliierten initiierten provisorischen Grundgesetz zurechtkommen, das im Wesentlichen noch ein billiger Abklatsch der ebenfalls schon gescheiterten Weimarer Verfassung war.

Die Parteien, die Lobbyisten und das Kapital hatten es sich in den Nischen dieses Provisoriums bequem gemacht und dachten nicht im Traum daran, ihre Pfründe aufzugeben.

Die Hoffnung beruhte also auf den mutigen Menschen aus der untergegangenen DDR, die ihr Leben riskiert hatten, um endlich frei zu sein. Sie wurden von den eigenen Politikern beschissen, belogen und betrogen. Diese hatten es schlicht den alten Nazis nachgemacht, die Fahnen umgehängt, die Lebensläufe geputzt und geschönt und sich als „Bürgerrechtler“ oder zumindest als „unbelastet“ ausgegeben.

Die geistig Flinksten unter ihnen machten schnell Karriere im wiedervereinigten Deutschland und scherten sich einen Dreck um ihre Landsleute. Sie besetzen heute oft die Schaltstellen der Macht in der gesamten Republik und erklären frech das provisorische Grundgesetz zur Verfassung, ohne je das Volk befragt zu haben.

Die 68er verloren jeden Mut und passten sich an. So entstand eine undemokratische, dumpfe Spießerrepublik, die als einziges moralisches Gerüst die „Political Correctness“ zur Staatsraison verklärt hat!

Wer gegen dieses ungeschriebene und von niemand legitimierte Gesetz verstößt, wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Kein Interesse an der Basis

Die 68er haben jämmerlich versagt! Im Verein mit den Wendehälsen der untergegangenen DDR korrumpieren sie sich jeden Tag aufs Neue und leben in geistiger und moralischer Inzucht!

Die Politiker der wiedervereinigten Republik haben alle guten moralischen Ansätze der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland schlussendlich verraten und für gute Pensionen verkauft.

Das dumpfe Grollen an der Basis der Republik interessiert diese gnadenlosen Opportunisten nicht, denn sie wähnen sich im Besitz der alleinigen Wahrheit und sind im Besitz aller Macht!


Rainer Kahni ist ein deutscher Journalist und Autor. Er lebt in Frankreich.Über den Autor: Rainer Kahni wuchs am Bodensee auf und lebte viele Jahre in Paris. Er ist Autor von zahlreichen Romanen, Polit- und Justizthrillern. Seine Sachbücher, Romane und Kolumnen erreichen eine breite internationale Leserschaft. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières, berichtete als Journalist aus Krisengebieten und veröffentlichte Reportagen und zeitgeschichtliche Dokumentationen. Rainer Kahni, auch bekannt als  Monsieur Rainer, lebt heute in Südfrankreich und publiziert immer wieder kritische Artikel zur Entwicklung der Demokratie und der Politik in Deutschland und Europa.


Fotos: Pflasterstein mit Anstecker „Enteignet Springer“ 1969. (Stiftung Stadtmuseum Berlin; gemeinfrei); Demonstration für Deserteure im Jahr 1969 in Berlin (Foto: Beyerw – Eigenes Werk; CC BY-SA 3.0); Titelbild „Lehrlingsdemonstration Hamburg 1968“ von Hennercrusius – Eigenes Werk, CC BY 3.0.

ein Kommentar

  1. 68er und 89er sind an einem übermächtigen system gescheitert bzw.haben sich freiwillig von ihm korrumpieren lassen – die logik wäre ja: in einem „demokratischen parteiensystem“ und den von ihm geschaffenen institutionen geht nichts (gut). das sind gedanken, die nur (viel zu) wenige überhaupt wagen. ich hoffe einerseits, dass es immer mehr werden, dass sich teile des systems selbst zerlegen (nsu/geheimdienste/medien usw.) und sich parallel dazu eine starke selbstbewußte basis aufbaut, die keine „menschenfeinde“ in den eigenen reihen duldet und auch keine „deals“ mit institutionen zuläßt, die in erpressbarkeit oder abhängigkeit enden.

    es ist ganz einfach und völlig unpopulär: es geht um vertrauen,liebe, solidarität,lebensfreude, gesundheit + kultur uns bildung DAFÜR = für die zukunft >>> und die ist NICHT mit macht und geld um jeden preis zu haben – es geht um menschlichkeit, die nicht käuflich ist!!!!! und jeder, der glaubt, sie doch kaufen oder bezahlen zu lassen >>> der lebt noch in gedanken im ALTEN system =geld regiert die welt >>> und kann nicht sehen, dass wir diese regierung nicht brauchen, sondern ignorieren müssen und EIGENE werte schaffen und leben = das ist wirklich neu >>> dafür sollten wir denken und arbeiten und uns den lebenserhalt sinnvoll organiseren … neenee, ist nicht verrückt, das system, in dem wir jetzt leben ist verrückt …

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