Leben mit Mindestsicherung: Tag 15 – Halbzeit

„Finanziell bleiben mir für die restlichen 16 Tage noch 133,50 Euro. Heute habe ich für Lebensmittel und Tabak insgesamt 7,38 Euro ausgegeben“, schreibt Michael Wögerer in seinem Tagebuch und zieht eine Zwischenbilanz über seinen Selbstversuch.

Die Hälfte ist geschafft! Seit dem 1. Mai versuche ich nun von 7,50 Euro am Tag zu leben. Ich will mit diesem Selbstversuch auf das Thema Armut und Reichtum in Österreich aufmerksam machen. Nach den ersten 15 Tagen ist es an der Zeit ein wenige innezuhalten, zurückzublicken und zu überlegen, was noch auf mich zukommen wird.

Zuallererst ein großes Dankeschön für die vielen Reaktionen! Danke, dass ihr mich begleitet, meine Tagesnotizen mitverfolgt und konstruktiv – egal ob zustimmend oder kritisch – kommentiert. In der zweiten Hälfte werde ich noch stärker versuchen auf eure Reaktionen einzugehen und eure Inputs aufzugreifen.

Ganz besonders freue ich mich, dass das Onlinemagazin Neue Debatte mein Tagebuch veröffentlicht (Danke Gunther für deine Mühen!).

Anfangs war ich unsicher, was mich erwartet. Es war mir sehr wichtig gleich zu Beginn festzustellen, dass es sich bei den 31 Tagen Mindestsicherung nur um eine Annäherung handeln kann und dennoch ist es für mich kein Spiel!

Ich will für ein besonderes Thema Öffentlichkeit schaffen, unterschiedliche Lebensrealitäten in unserer Konsumgesellschaft aufzeigen und die Wichtigkeit von Freundschaft und Netzwerken in den Mittelpunkt stellen.

Während ich nur für ein Monat ein wenig nachempfinden kann, was es bedeutet hierzulande arm und sozial ausgegrenzt zu sein, müssen diese Situation viele Menschen Tag für Tag hautnah erleben.

Für sie ist das Leben kein Märchen, sie haben kaum Zeit zum Durchatmen und keine soziale Hängematte. Das wirkt sich massiv auf ihre Gesundheit und Lebenserwartung aus.

Doch beim Aufzeigen der Verhältnisse dürfen wir nicht stehen bleiben! Es braucht konkrete Schritte, um Menschen mit wenig Geld ihr tägliches Leben zu erleichtern (Stichwort: Nachhaltigkeit).

Vor allem müssen wir aber Lösungen zur Befreiung aus ihrer sozialen Lage finden. Denn schon nach wenigen Tagen ist mir aufgefallen, dass es natürlich machbar ist sich auch sparsam über Wasser zu halten, es geht aber nicht ums nackte Überleben, sondern ums Mitleben in dieser Gesellschaft und das darf nicht exklusiv jenen vorbehalten sein, die über genug Göd/Kohle verfügen.

In der zweiten Halbzeit hoffe ich, dass es mir gelingt, noch intensiver mit jenen in Kontakt zu kommen, die tatsächlich von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen sind.

Ich will Einrichtungen kennenlernen, die sich um dieses Thema annehmen, aber auch Initiativen der Selbstermächtigung vorstellen.

Finanziell bleiben mir für die restlichen 16 Tage noch 133,50 Euro. Heute habe ich für Lebensmittel und Tabak insgesamt 7,38 Euro ausgegeben.


Michael Wögerer Unsere ZeitungMichael Wögerer ist ein österreichischer Journalist. Er arbeitet in Wien als Redaktionsassistent bei der Austria Presse Agentur (APA) und ist Mitbegründer von „Unsere Zeitung – die Demokratische“, einem Kooperationspartner von Neue Debatte.

Fragen, Anmerkungen, Lob und Tadel sowie Feedback zur Aktion, können als Kommentar unter dem Beitrag geschrieben oder an seine E-Mail michael.woegerer(at)gmail.com gesendet werden.


Die bisherigen Tagesnotizen:

31 Tage Mindestsicherung – Eine Annäherung (30.4.)

Tag 1 – Kein Spiel! (1.5.)

Tag 2 – Konsumgesellschaft (2.5.)

Tag 3 – Öffentlichkeit schaffen! (3.5.)

Tag 4 – Lebensrealitäten (4.5.)

Tag 5 – Freundschaft (5.5.)

Tag 6 – Netzwerke (6.5.)

Tag 7 – Kein Märchen (7.5.)

Tag 8 – Befreiung (8.5.)

Tag 9 – Nachhaltigkeit (9.5.)

Tag 10 – Durchatmen (10.5.)

Tag 11 – Lebenserwartung (11.5.)

Tag 12 – Exklusiv (12.5.)

Tag 13 – Soziale Hängematte (13.5.)

Tag 14 – Sigi, du fehlst! (14.5.)


Foto: Sanduhr; Nile (pixabay.com); Creative Commons CC0

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