Daimonion: Was Sokrates antrieb

Das Daimonion war die innere Stimme, die Sokrates vor Gefahren oder schlechten Entscheidungen warnte und der er folgte, auch gegen jede menschliche Weisheit.

Manche sagen, das Daimonion sei der Beginn des individuellen Gewissens und ein Wendepunkt in der Geistesgeschichte. Aber jeden Fall hat es nichts mit Dämonen zu tun.

Das Daimonion hat Ruhm erlangt, auch weil sich der griechische Philosoph Sokrates, der vor rund 2400 Jahren lebte, und dem in einem Prozess unter anderem Gottlosigkeit vorgeworfen wurde, darauf berief.

Sokrates stellte sein Daimonion quasi über die Götter, was ihm unter anderem die Anklage einbrachte. In seiner Gegenrede stellte Sokrates sein Daimonion als göttliche Stimme vor, die ihn vor bestimmten Handlungen warne und der er folge. Die Anklage wegen Gottlosigkeit wies er zurück. Das überzeugt viele, aber nicht alle: Sokrates wurde letztlich zum Tode verurteilt und starb 399 v. Chr. in Athen durch Gift.

Soweit man es historisch nachvollziehen kann, denn schließlich ist niemand von uns dabei gewesen, und die Überlieferungen Platons – ein Schüler von Sokrates -, korrekt sind, soll Sokrates in seinem Schlusswort über das Urteil gesagt haben: „Vielleicht musste dies alles so kommen, und ich glaube, es ist die rechte Fügung.“

Im Video erkläre ich, was Sokrates meinte, wenn er von seinem Daimonion sprach.


Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Titelbild: Jacques-Louis Davids „Der Tod des Sokrates“ (1787); Gemeinfrei.

Philosoph, Journalist, Blogger bei | Webseite

Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.

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6 Responses

  1. Wäre nicht Intuition das richtige Wort?

    • Neue Debatte sagt:

      Vielen Dank für die Nachfrage. Die Intuition lässt alle Optionen offen. Es kann der plötzliche auftretende Gedanke sein, etwas nicht zu tun, oder eben der spontane Einfall, genau jetzt unbedingt eine Handlung zu vollziehen. Das Daimonion bei Sokrates warnt lediglich, es bestärkt aber nicht zu einer bestimmten Handlung oder einem Verhalten.

  2. idog sagt:

    Das ist mir bis dahin etwa zu ambivalent behandelt. Also wenig ergiebig. Die an sich konzeptuelle Figur des Sokrates wird als quasi Ursprung des Idealistischen Weltbildes , auf dem die jüdisch-christlichen Zivilisation später aufsetzt, von Platon in Szene gesetzt. Man könnte fast von einer theatralischen Dramaturgie sprechen, wenn man die Debatten des Sokrates analysiert. Damit sind es an sich keine philosophischen Schriften im besten Sinne, sondern Kampfschriften in denen die Gegenspieler Platons selbstverständlich immer den Kürzeren ziehen. Die Gegenspieler sind die, obwohl sie zB wie Demokrat Zeitgenossen Platons waren, oft als Vorsokratiker bezeichneten Philosophen, die dem materialistischen Hedonismus zugerechnet werden. Gegen diesen hat Platon seinen Idealismus versucht durchzusetzen. Daher ist er an sich als Konservativ und hierarchieorientiert zu bezeichnen, währen die Hedonisten und ihr materialistisches bzw. atomistisches Weltbild, wie es zB. im Werk Lukrez überliefert wurde, als realistisch und durchaus moderne, als empirisch gesehen werden muss. Platon forderte damals schon die Verbrennung der Werke Demokrits. Die Kirchenväter im frühen Christentum verwirklichten dann deren Eliminierung zugunsten des Idealismus …
    Was das alles mit dem Daimonion zutun haben mag? Das kann sich der geneigte Leser vielleicht selber denken.
    Interessante Quellen dazu gibt zB. Michel Onfray in seiner „Contre-histoire de la philosophie“ an.

  3. idog sagt:

    DEMOKRIT natürlich – die Korrekturfunktion kennt ihn leider nicht

    ( und – äh – eure Eingabemaske für mail und website etc enthält einen html Fehler )
    liebe Grüße

    • Neue Debatte sagt:

      Vielen Dank für den Hinweis. Der Fehler sollte nun behoben sein.

      • idog sagt:

        ist off topic und betrifft den html Fehler in der Formular Maske

        es fehlt folgende CSS Regel damit auch das dritte Eingabefeld (website) richtig dargestellt wird und nicht die beiden andrehen überlagert:

        .comment-form-field.comment-form-url {
        float: left;
        }

        das entspricht der Regel für die beiden anderen form Felder für mail und Name und wird dann alle drei Felder in einer Reihe darstellen

        Drüber hinaus ist der Text der Labels zu den beiden radio buttons unter dem Formular nicht sichtbar, weil die Schriftfarbe auf weiß geregelt ist :

        .highlander-dark #respond label {
        color: rgba( 255, 255, 255, 0.6 );
        }
        so wird sich keiner abonnieren wollen, weil er ja den Text nicht lesen kann – also auf schwarz stellen :
        color: rgba( 0, 0, 0, 0.6 );

        ( dieser Kommentar kann natürlich gelöscht werden )

        liebe Grüße

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