Jacques-Louis Davids Der Tod des Sokrates (1787) - Foto Gemeinfrei
Was ist die innere Stimme? Sie warnt vor schlechten Dingen, aber rät nie zu etwas zu. Damit hatte schon Sokrates zu kämpfen.

Das Daimonion war die innere Stimme, die Sokrates vor Gefahren oder schlechten Entscheidungen warnte und der er folgte, auch gegen jede menschliche Weisheit.

Manche sagen, das Daimonion sei der Beginn des individuellen Gewissens und ein Wendepunkt in der Geistesgeschichte. Aber jeden Fall hat es nichts mit Dämonen zu tun.

Das Daimonion hat Ruhm erlangt, auch weil sich der griechische Philosoph Sokrates, der vor rund 2400 Jahren lebte, und dem in einem Prozess unter anderem Gottlosigkeit vorgeworfen wurde, darauf berief.

Sokrates stellte sein Daimonion quasi über die Götter, was ihm unter anderem die Anklage einbrachte. In seiner Gegenrede stellte Sokrates sein Daimonion als göttliche Stimme vor, die ihn vor bestimmten Handlungen warne und der er folge. Die Anklage wegen Gottlosigkeit wies er zurück. Das überzeugt viele, aber nicht alle: Sokrates wurde letztlich zum Tode verurteilt und starb 399 v. Chr. in Athen durch Gift.

Soweit man es historisch nachvollziehen kann, denn schließlich ist niemand von uns dabei gewesen, und die Überlieferungen Platons – ein Schüler von Sokrates -, korrekt sind, soll Sokrates in seinem Schlusswort über das Urteil gesagt haben: „Vielleicht musste dies alles so kommen, und ich glaube, es ist die rechte Fügung.“

Im Video erkläre ich, was Sokrates meinte, wenn er von seinem Daimonion sprach.


Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Titelbild: Jacques-Louis Davids „Der Tod des Sokrates“ (1787); Gemeinfrei.

Philosoph, Journalist, Blogger bei

Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.