Assad und die Christen: Sabine Kebir im Gespräch mit Peter Fuchs über die Lage in Syrien

Bewaffnete islamistische Gruppen stellen in Syrien für Christen und Anhänger religiöser Minderheiten eine besondere Bedrohung dar. Sie suchen Schutz in den Gebieten, die von den Truppen Bachar el-Assads kontrolliert werden, berichtet Peter Fuchs von CSI.

Peter Fuchs ist katholischer Pfarrer und Geschäftsführer der überkonfessionellen Hilfsorganisation Christian Solidarity International (CSI). Die CSI ist weltweit aktiv und engagiert sich auch in Syrien.

Im Gespräch mit Sabine Kebir (weltnetz.tv) berichtet Peter Fuchs über die humanitäre Situation im Land, in dem bewaffnete islamistische Gruppen für Christen und die Anhänger religiöser Minderheiten eine besondere Bedrohung darstellen.

Sie werden wegen ihrem Glauben verfolgt und suchen Schutz in den Gebieten, die von den Truppen Bachar el-Assads kontrolliert werden.

Doch Syrien leidet nicht nur unter dem anhaltenden kriegerischen Konflikt, sondern auch unter den vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen. Diese, so sagt Peter Fuchs im Interview, dienen einem gewünschten „Regime Change“ – die Bevölkerung soll gegen den Machthaber Assad aufgebracht werden.

Diese Vorgehensweise würde allerdings nicht funktionieren, auch wenn die Bevölkerung unter der wirtschaftlichen Not massiv leidet.

Dass die Bischöfe und kirchlichen Stellen in Westeuropa zu der Situation in Syrien und zu den Wirtschaftssanktionen, die eine Kriegswaffe darstellen, schweigen, sei unverständlich.



Zum Hintergrund: Baschar al-Assad ist seit dem Jahr 2000 Generalsekretär der Baath-Partei und Staatspräsident Syriens. 2011 entbrannte im Zuge des Arabischen Frühlings ein Bürgerkrieg in Syrien, in den sich immer stärker auch internationale Mächte einmischten, die bis heute versuchen, eigene wirtschaftliche und geopolitische Interessen durchzusetzen. Die Streitkräfte Syriens unter dem Kommando von Assad werden vor allem von Russland und dem Iran unterstützt. Auf der Gegenseite sind zahlreiche oppositionelle Gruppen, ein internationales Bündnis unter Führung der USA sowie die Regionalmächte Türkei und Saudi-Arabien in den Konflikt verwickelt. Seit Beginn des Krieges sollen mindestens 400.000 Menschen getötet worden sein. Fast 12 Millionen Syrer sind auf der Flucht, mehr als 6 Millionen davon sind Binnenflüchtlinge. Die christliche Minderheit umfasste vor Beginn des Konflikts etwa zwei Millionen Menschen bei einer Gesamtbevölkerung von rund 21 Millionen. Ausführliche Informationen finden sich in unserem Dossier zum Nahost-Konflikt.


Foto: Pfarrer Peter Fuchs (Screenshot YouTube Channel von Weltnetz.tv)


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