Der Unterschied zwischen Ethik und Religion einfach erklärt

Sowohl Philosophie als auch Religion beschäftigen sich mit dem gebotenen, gewünschten oder gerechtfertigten Verhalten der Menschen. In beiden finden sich aber andere Begründungszusammenhänge.

Religion ist lediglich ein Sammelbegriff für unterschiedliche Weltanschauungen beziehungsweise geistig-geistliche Anschauungen, deren Grundlage der jeweilige Glaube an bestimmte überirdische, übernatürliche oder auch übersinnliche Kräfte oder heilige Objekte ist.

Götter und Gottheiten, das Heilige, also das, was wissenschaftlich nicht beweisbar ist, sondern auf der Eingebung und den individuellen und spirituellen Erfahrungen von Propheten, Religionsstiftern oder Schamanen beruht, und oft als Offenbarung bezeichnet wird, bildet die Basis. Religionskritiker suchen dagegen immer nach rationalen Erklärungen.

Die Gemeinsamkeit der Religionen liegt in der gewissenhaften und sorgfältigen Beachtung von Vorzeichen und bestimmten Vorschriften, die sich in der Lehre der einzelnen Religion findet, und die durch eine höhere, eine göttliche Instanz überwacht werden.

Die philosophische Ethik steht für einen Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns auseinandersetzt. Disziplinen wie Rechtsphilosophie, Staats- und Sozialphilosophie, die sich ebenfalls mit dem menschlichen Handeln befassen, die zusammengefasst werden als praktische Philosophie, fließen ein. Aus der Ethik entwickelt sich die Moral, also die Regeln, Normen und Vorschriften, die das Zusammenleben der Menschen bestimmen und gestalten. Ohne sie wäre ein Zusammenleben überhaupt nicht denkbar. Ethik beruht also auf Vernunft.

Im Video erkläre ich den Unterschied zwischen Ethik als Fach der Philosophie und Religion beziehungsweise die Ethik im Bereich der Religion. Am Ende des Videos gehe ich noch auf die weitreichenden Folgerungen beider Konzeptionen ein.


Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Titelbild: PublicDomainPictures; pixabay.com; Creative Commons CC0.

Philosoph, Journalist, Blogger bei | Webseite

Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.

3 thoughts on “Der Unterschied zwischen Ethik und Religion einfach erklärt

    1. Vielen Dank für die Nachfrage. Die Ethik, die sich mit Fragen von Sitten beschäftigt, und aus der sich Regeln, Normen und ein allgemeingültiges und verbindliches Wertesystem für das “richtige” Handeln ableiten, also die Moral für ein Individuum, eine Gruppe oder eine Gesellschaft, wird die bekannten Naturgesetze nicht ausklammern, aber sich nicht ausschließlich auf sie stützen, da die Beobachtung der Lebenswelt einen wesentlichen Einfluss hat. Die Ethik als Disziplin und auch jede Moral unterliegt einem beständigen Wandel und ist zudem in den Gesellschaften unterschiedlich. Das Zusammenleben vieler Menschen in einer Großstadt zum Beispiel bedarf anderer Regeln, als das Zusammenleben in einer Familien. Allerdings muss es eine grundsätzliche menschliche Moral geben, die überall zu finden ist und Gültigkeit besitzt, weil ohne sie ein Zusammenleben überhaupt nicht denkbar wäre. Wie sich das menschlichen Moralbewusstsein entwickelt hat, müsste gesondert erörtert werden.

  1. Obwohl ich mich auch als politisch- taktischer Atheist betrachte , glaube ich natürlich , dass man aus philosophisch- erkenntnistheoretischer Sicht ohne Widersprüchlichkeiten eigentlich wegen der Unmöglichkeit des Beweises einer Nichtexistenz nicht darum herum kommt, auf dieser Ebene sich vorsichtiger als “Agnostiker” zu bezeichnen.

    Und als eine Art von ökonomisch gesellschaftskritischer Linkshumanist glaube ich natürich, dass solche Kritik sich letzendlich nur auf eine vernunftbasierte philospphische Ethik gründen kann und muss.Zumindest wenn man es sich nicht allzu einfach machen und als reiner (relativistischer) Zyniker durchs Leben wandeln will.

    Allerdings braucht man politische Bündnispartner, die einem bei der Agenda helfen, indem sie ungefähr in die gleiche Richtung mitziehen. Das können dann auch mal die “philosophischen” Gegner, also “die Religiösen” sein.

    Denn :Es gibt nicht nur das “Gute” an sich, sondern vor allem man tut es.

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