Gesellschaft Meinung

Moderne Streitkultur: Deutschland ist gelähmt durch Political Correctness

Political Correctness ist ein undemokratisches Totschlagargument: Es lähmt jede Streitkultur, schreibt unser Autor Rainer Kahni. Schließlich wisse kein Mensch, wer diese Political Correctness erfunden hat, durch wen sie legitimiert wurde und vor allem nach welchen Regeln sie funktioniert.

Die jacobinischen Verfechter der Political Correctness gehen den Bürgern zunehmend auf die Nerven! Die selbst auferlegten Anstandsregeln wurden niemals einem demokratischen Prozess oder Verfahren unterworfen.

Kein Mensch weiß, wer die Political Correctness erfunden hat, wer sie eingeführt hat, wie und durch wen sie legitimiert wurde, wo deren Regeln stehen und wer und wie zu bestrafen ist, wenn er gegen die Political Correctness verstößt.

Gleichwohl legt sich die Political Correctness wie ein chronischer Ausschlag auf das Land, der andauernd nässt und juckt. Political Correctness lähmt jede moderne Streitkultur. Political Correctness ist ein undemokratisches Totschlagargument!

Es geht zum Beispiel unglaublich viel Zeit verloren und weitet sich oft zu regelrechtem semantischen Bockmist aus, wenn dem Bürger (von wem eigentlich?) auferlegt wird, von Beamten und Beamtinnen, von Muslimen und Muslima, von BahnhofsvorsteherInnen, von GewerkschafterInnen, von Juden und Jüdinnen, von Bürger und Bürgerinnen usw. usw. zu sprechen.

Die tollsten Kapriolen schlägt die deutsche Sprache, wenn es darum geht, die Political Correctness zu erfüllen. Goethe und Schiller hätten sich im Grabe herumgedreht, wenn sie dieses politisch korrekte Gesülze von heute mit anhören müssten!

Um diese fanatischen Verfechter der politischen Korrektheit ad absurdum zu führen, schreibe ich auch gelegentlich in meinen Kolumnen: Liebe Deutsche und Deutschinnen!

Geradezu grotesk wird der sprachliche Umgang mit Angehörigen von Relgionen und Glaubensrichtungen. Wir dürfen nicht einfach sagen, der oder jener ist ein Jude, was korrekt wäre, nein, wir müssen sagen, seine Eltern waren jüdischen Glaubens. Was für ein Unsinn!

Wenn die Mutter eines Menschen Jüdin war, dann sind der Sohn oder die Tochter eben Juden. Na und? Können wir so lange nach dem Holocaust nicht etwas unbefangener mit den Juden umgehen?

Wer sagt denn, dass wir jüdische Gangster, oft osteuropäischer Herkunft, die teilweise in deutschen Großstädten ihr Unwesen treiben, nicht anklagen, einsperren oder wenigstens als Gangster bezeichnen dürfen? Müssen wir es uns gefallen lassen, dann als Antisemiten erschlagen zu werden?

Ist es ein Tabu, wenn wir die israelische Siedlungspolitik kritisieren? Warum wurde ein deutscher Literaturnobelpreisträger[1] von den Medien erledigt, weil er es gewagt hatte, Israel zu kritisieren? Sind Juden unfehlbar und sakrosankt?

Nicht viel besser geht es uns mit Menschen moslemischen Glaubens. Wir haben das a priori gut zu finden und jedes noch so anmaßende Auftreten von muslimischen Funktionären als jakobinische Verfechter des Multi-Kulti-Wahns zu akzeptieren.

Treten wir einem Moslem, einem Roma, einem Sinti oder einem Juden energisch entgegen und weisen wir ihn in die Schranken, dann sind wir im besten Fall politisch unkorrekt und im schlechtesten Falle Nazis oder Rassisten.

Wieso müssen wir uns eigentlich als Rassisten beschimpfen lassen, wenn wir unsere moslemischen Mitbürger auffordern, ein einziges Mal für unser demokratisches System Partei zu ergreifen und verlangen, dass die moslemischen Funktionäre das blutige Treiben ihrer Moslembrüder in aller Welt öffentlich verurteilen?

Selten haben wir auch nur ein einziges Wort der Parteinahme für unsere Demokratie von unseren moslemischen Mitbürgern gehört!

Zu selten haben wir von ihnen ein hartes Wort der Kritik oder gar der Veruteilung von blutigen Teroranschlägen von Salafisten oder fanatischen Moslems gehört. Aber Toleranz ihnen gegenüber von uns einfordern, das können sie.

Nie haben wir vom Zentralrat der Juden in Deutschland ein Wort der Kritik gegenüber der israelischen Siedlungspolitik gehört.

Das liegt an der politischen Unreife vieler Deutschen und Deutschinnen. Es gebricht oft an schierem Selbstvertrauen und unverkrampftem Umgang mit Menschen anderer Herkunft und Religionen. Kein Mensch ist sakrosankt und steht außerhalb des demokratischen Gemeinwesens, ist unfehlbar oder nicht kritikwürdig!

Alles und jeder Mensch hat sich der täglichen Kritik zu stellen. Wer sie beleidigt oder erzürnt mit dem Hinweis auf seine Herkunft, Abstammung oder Religion zurückweist, ist kein Demokrat, sondern ein politischer Totschläger und Gesinnungsterrorist!

Deutsche und Deutschinnen, lernt Demokratie! Ein Land ist nur dann demokratisch, wenn es laizistisch ist, wenn alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, ob er arm oder reich ist, ob er eine schwarze, braune, gelbe oder rote Hautfarbe hat, ob er Akademiker oder Arbeiter ist, ob er Beamter oder Angestellter ist, ob er Jude, Moslem, Hindu, katholisch, evangelisch, Schamane ist, oder an gar nichts glaubt!

Religion oder Herkunft ist die Privatsache eines jeden Menschen! Er hat deswegen weder benachteiligt, noch bevorzugt zu werden!

Deshalb entfernt sämtliches politisch correcte Kauderwelsch aus der schönen deutschen Sprache, entfernt sämtliche Zeichen einer Glaubensrichtung oder Weltanschauung aus öffentlichen Gebäuden, so wie es das französische Gesetz La Laïcité vorschreibt. Dann ist Deutschland erwachsen geworden!

Die jacobinischen Verfechter der Political Correctness sind „Die Totengräber der Demokratie“!


Rainer Kahni ist ein deutscher Journalist und Autor. Er lebt in Frankreich.Über den Autor: Rainer Kahni wuchs am Bodensee auf und lebte viele Jahre in Paris. Er ist Autor von zahlreichen Romanen, Polit- und Justizthrillern. Seine Sachbücher, Romane und Kolumnen erreichen eine breite internationale Leserschaft. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières, berichtete als Journalist aus Krisengebieten und veröffentlichte Reportagen und zeitgeschichtliche Dokumentationen. Rainer Kahni, auch bekannt als  Monsieur Rainer, lebt heute in Südfrankreich und publiziert immer wieder kritische Artikel zur Entwicklung der Demokratie und der Politik in Deutschland und Europa.


Anmerkung: Im April 2012 veröffentlichte der Schriftsteller Günter Grass, der 1999 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, in mehreren internationalen Tageszeitungen das Prosagedicht „Was gesagt werden muss„. Grass kritisierte darin Israel wegen dessen Atomwaffen, die den Weltfrieden gefährden würden, unterstellte, dass das Land einen (atomaren) Erstschlag gegen den Iran plane und kritisierte außerdem die Lieferung von deutschen Unterseebooten an Israel. Die deutschen Medien lehnten das Gedicht mehrheitlich ab. Einzelne Kritiker warfen Grass Antisemitismus vor beziehungsweise erkannten in seinem Text antisemitische Argumentationsstrukturen. Es gab aber auch Stimmen, die Grass als Person gegen den Antisemitismusvorwurf verteidigten und sich dennoch kritisch zu dem Inhalt des Gedchts äußerten. Grass selbst verwarte sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus, räumte in einem Interview aber ein, dass es ein Fehler gewesen sei, von Israel und nicht von der „gegenwärtigen Regierung Israels“ gesprochen zu haben. In der Ablehnung der Medien erkannte Grass eine gewisse „Gleichschaltung der Meinung„.


Foto: moritz320; pixabay.com; Creative Commons CC0

ein Kommentar

Fragen oder Anmerkungen? Schreibe einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s