Vergeltung und Sühne: Die Straftheorien und die Frage nach dem Warum

Mord, Diebstahl, Hehlerei: Warum bestrafen wir das? Geht es um Vergeltung und Rache oder um Prävention und Sühne? Warum müssen wir überhaupt strafen? Das ist eine typische Frage für die Philosophie.

Die Straftheorien setzen sich mit dem Warum auseinander und beschäftigen sich mit der Legitimation und dem Sinn und Zweck des Strafens selbst.

Dabei werden zwei Arten von Strafzwecktheorien unterschieden:

  • absolute und relative Theorien.

Die absolute Theorie will bestrafen aufgrund der Gerechtigkeit. Dazu gehört die Vergeltung als Antwort der Gesellschaft auf zum Beispiel ein Verbrechen und die Forderung nach Sühne zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit.

Die relativen Straftheorien setzen den Schwerpunkt auf die Folgen der Strafe im Sinne ihrer Präventionswirkung, damit in der Gesellschaft möglichst wenige Menschen zum Beispiel ein bestimmtest Verbrechen begehen. Die Generalprävention wird angestrebt.

Dazu kommt die Spezialprävention, die sich auf den einzelnen Menschen bezieht und der dazu bewegt werden soll, kein Verbrechen (mehr) zu begehen.

Im deutschen Strafrecht treffen unter der Bezeichnung „Vereinigungstheorie“ beide Strafzwecktheorien aufeinander und werden im jeweils konkreten Fall gewichtet.

Im Video fasse ich kurz die Straftheorien zusammen, die in der Ethik und in der Rechtsphilosophie eine wichtige Rolle spielen.


Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Foto: congerdesign; pixabay; Creative Commons CC0.

 

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Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.

3 Comments

  • Der Vortrag ist wie eine Einleitung. Warum nicht mehr davon? Etwa: Wie gut wirkt Bestrafung als Prävention? Oder: Was hat die Gesellschaft von Sühne?

  • In unserem post-faschistischen Bayern ist die Vergeltung emotional immer noch die mächtigere Kraft, die Prävention ist aber gerne die ethischer wirkende Begründung, die ausgebaut wird.

    Die faschistische Form der Rache war massiv übertrieben worden, auch in den Kreisen der Wehrmacht: Auf einen getöteten Deutschen wurden 10 bis 100 Gefangene, Geiseln oder Zivilbevölkerung umgebracht.
    Die Geiselnahme hatte im 1. Weltkrieg schon begonnen und war eine zunehmende Verrohung der Militärs, während das Rote Kreuz und der Völkerbund die ordentlichen Stile des Kriegsrechts aufrecht zu erhalten versuchten.
    Sonderrechte für Offiziere (früher vor allem Adel) waren wohl die wenigen fast immer eingehaltenen Regeln.

    Auch unser Vater hatte die Gefühle der notwendigen Bestrafung aus SA und der Wehrmacht in unserer Erziehung als Vergeltung bei jedem kleinen Vorfall zelebriert, und die Reaktion der bayrischen Politiker enthält immer noch regelmäßig die Elemente der Straf-Verschärfung nach Vorkommnissen, wie ein eingelerntes Ritual aus alter Zeit.

    Sigmund Freud hatte die Quellen des Faschismus als Massenbewegung* in den Kirchen und im Heer lokalisiert, ich würde heute noch den Konsum und die Parteien dazu nehmen: Identifikation und Unterwerfung als Beiträge zur Mitgliedschaft in der Masse …

    *Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse Fischer TB 1967 https://www.gutenberg.org/ebooks/30843

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