Philosophische Gedanken über das Spannungsverhältnis von Individuum und Gesellschaft

21. Juni 2017 By Christian Weilmeier

Philosophische Gedanken über das Spannungsverhältnis von Individuum und Gesellschaft

Über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft hat sich bestimmt schon jeder einmal Gedanken gemacht.

Welche Rolle spielen individuelle Einstellungen und Wertsysteme bei der Bewältigung von Problemen? Sollen wir unser Leben von anderen bestimmen lassen oder nicht? Wie bedeutsam ist überhaupt die Gesellschaft für den einzelnen Menschen oder braucht der die gar nicht?

Die Philosophie liefert unterschiedliche Auffassungen. Nach Aristoteles ist der Mensch ein Zoon politikon, also ein soziales Lebewesen, das auf Gemeinschaft angelegt ist und Gemeinschaften bildet. Das Leben in der Gemeinschaft, so sah es Aristoteles, sei ein Bedürfnis des Menschen. Der antike hellenistische Kynismus betonte dagegen die Individualität.

Ich meine, Individuum und Gesellschaft bilden zwei Pole, in dem einmal der eine, dann wieder der andere stärker betont wird, aber keiner für sich alleine existiert.

Bei der Betrachtung scheint es mir wichtig, nicht in festen Positionen, sondern in Relationen und Bewegungen zu denken.

Der Mensch definiert sich aus der Beziehung der Pole. Diese verändern sich ständig und somit definiert sich auch der Mensch immer wieder neu und auch die Gemeinschaft ist ständig in Bewegung – sie verändert sich.

Der Mensch muss dabei seinen eigenen Weg finden, ist aber immer auch abhängig von der Gemeinschaft. Auf der anderen Seite kann er sich nicht stur an den Kategorien und Normen der Gemeinschaft orientieren, weil sonst seine Individualität zusammengepresst wird und vor allem seine Emotionen nur noch den Raum zur Entfaltung bekommen, dem ihm die Gemeinschaft vorschreibt. Das würde ihn auf Dauer einengen, was sich wiederum auf die Gemeinschaft auswirken würde.

Auf der anderen Seite kann das Individuum nicht beliebig handeln, weil ohne die Einhaltung von Absprachen, Normen und Regel gar keine Gemeinschaft entsehen kann, die der Menschen am Ende ja wieder braucht.

Im Video stelle ich das Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft aus meiner Sicht genauer vor.


Redaktioneller Hinweis: Noch mehr Philosophie und Erklärungen von Dr. Christian Weilmeier gibt es auf seinem YouTube-Channel.


Fotos: Unsplash (pixabay.com) – Creative Commons CC0.

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Dr. Christian Weilmeier studierte Philosophie und Kommunikationswissenschaft in München und promovierte über die politische Philosophie im Roman „Eumeswil“ von Ernst Jünger. Im Anschluss arbeitete Christian Weilmeier für den Verein Mehr Demokratie e.V. als Pressesprecher. In diesem Rahmen war er auch an der Vorbereitung und Durchführung mehrerer landesweiter Volksentscheide in Bayern beteiligt. Danach organisierte er als Mitinhaber der Gesellschaft für Bürgergutachten über Jahre Bürgerbeteiligungsverfahren im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Dazu gehörte auch die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse und deren Zusammenfassung in Bürgergutachten. Zur Zeit konzentriert er sich auf die Publizistik. Christian Weilmeier betreibt u.a. einen Blog, eine Homepage und einen Philosophie-Channel auf YouTube, und stellt sich auch auf seinem Kanal auf Facebook der Diskussion über Themen der Philosophie und der Politik. Immer wieder steht er als Interviewpartner für verschiedenste Medien zur Verfügung wie zum Beispiel für die WELT, B.Z. Berlin, Jolie oder die Deutsche Presse-Agentur.

COMMENTS

Ich denke auch, dass das eine ohne das andere nicht funktionieren kann. Denn erst mit gesellschaftlichen Einflüssen kann man eine Individualität aufbauen, da man die Grundzüge dieser ohne äußere Einflüsse gar nicht kennt. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr von der Gesellschaft “führen” lassen, da man sonst seine Eigenständigkeit nach und nach verliert
Viele grüße und einen schönen Abend

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