Eine Ode

Man muss seine Gedanken aussprechen. Es zählt das Gesagte, das Geschriebene.

„Lass es mich doch formulieren. Es aussprechen.“ Es greifbar machen. Es auf eine Ebene höher bringen als die des Gedankens. Es ist dann immer noch flüchtig. Das Gesagte verweilt nicht. Es zieht von dannen, ist weg, verschwunden. Stand kurz, ganz kurz, still und flog dann davon, löste sich auf, wurde unsichtbar. Wie die Gedanken; im Nirwana des Nichts verschwunden.

Und doch nicht ganz. Doch haben sie Spuren hinterlassen. Denn, das Gesagte wird meist auch gehört; und so weitergetragen. Denn, das Gehörte kann wieder gesagt werden und wieder verschwinden, aber eben nicht ganz. Es wird wieder gehört, gesagt, gehört, gesagt; getragen. Doch es muss jemanden geben, der es sagt, um es hören zu können. Doch wenn keiner mehr lebt, der das Gesagte hörte, dem aber keiner zugewandt lauschte, dann gibt es das Gesagte nicht mehr.

Da hilft’s nur ein Treppchen weiter hinaufzusteigen. Ein weiteres, zum Geschriebenen. Das, es ist vielleicht vom Gedachten zum Gesagten zum Gehörten zum Geschriebenen oder vom Gedachten zum Geschriebenen, geworden. Und dann bleibt es. Es hat viele Wege genommen und verweilt weit länger als das gedacht Gesagte. Es niedergelegt, fest; gelegt auf Papier, Holz, Stein, Stahl, Haut, Lehm. Der Welt. Es bedarf nun keinem mehr, zwingend, der es sagt und einen der es hört. Es geht, dass einer der es gehört, verstirbt, aber doch, man kann’s nu immer noch lesen. Trotz, dass man nicht gewillt gelauscht hat. Man hat, kann, die zweite Hand ergreifen und es weiter bilden, tragen, formen.  Es ist nicht gänzlich verloren; nur vielleicht verborgen.


Foto: efes – pixabay.com – Creative Commons CC0

  1. Dr. Christian Ferch 18. August 2017 um 0:59

    Hallo, Alex,

    schön, dass Du auch gerne schreibst. Ich habe meine Antwort gefunden, geschrieben 2007:

    Die Dignität des Schreibens
    Unter der Dignität (Heiligkeit) des Schreibens verstehe ich so Einiges. Begonnen hat das alles, als ich einst als Teenie ein Kochrezept aus einem Kinderbuch auf der Schreibmaschine meiner Eltern abschrieb. So eine Schreibmaschine war damals das non-plus-ultra der Technik, an Computer und Drucker war noch lange nicht zu denken. Mann, hab‘ ich mich gut gefühlt, einmal so etwas Feines geschafft zu haben: Die frühe Form eines Exzerptes, schriftlich und gedruckt! Heute, in einem Zeitalter teilweise inflationären Schreibens, schätze ich andere Seiten dieser schönen Tätigkeit: Die Abnahme der offiziellen Dignität wird heute abgelöst und kompensiert durch die Freiheitswirkung des Schreibens. Was man in vis-á-vis-Gesprächen nicht sagen kann oder will, kann man zu Hause, in Ruhe am PC dennoch ausdrücken und sozusagen zu Papier bringen. Dadurch kann man immerhin den nicht nur psychosozialen Repressionen, sondern jeglicher Art ein Schnäppchen schlagen und sie umgehen. Gerade dies erhebt das Schreiben für mich zu seiner Dignität, welche ich immer wieder und gern goutiere: Die Heiligkeit des freien Denkens.
    (2007)

    Grüße,

    Christian

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  2. Moin, schön geschrieben. Ich danke dir für diesen Zuspruch :-)

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