G20 in Hamburg: Stimmen aus dem Off

„stimmen aus dem off“ ist eine Dokumentarfilmreihe von Mario Gehrke und Svenja Jana Baumgardt über den G-20-Gipfel in Hamburg. Menschen, die sich an den Protesten gegen die G-20 beteiligten oder Augenzeugen wurden, stellen ihre Sicht auf die Ereignisse dar. Auf emotional aufwühlende Bilder von Gewalt wird verzichtet. Die politisch-gesellschaftliche Dimension rückt in den Mittelpunkt. Svenja Jana Baumgardt hat uns Fragen zu „stimmen aus dem off“ beantwortet.

Jana, in Zusammenarbeit mit Mario Gehrke hast du unter dem Titel „stimmen aus dem off“ zwei Filme über den G-20-Gipfel in Hamburg realisiert. In beiden lasst ihr Anwohner des Schanzenviertels, aus Altona und St. Pauli, Aktivisten, Journalisten und Menschen, wie du und ich, zu Wort kommen, die sich an den Protesten gegen die G-20 beteiligt haben oder Augenzeugen gewesen sind. Was hat euch zu „stimmen aus dem off“ motiviert?

Da müsste ich etwas weiter ausholen und zum Verständnis erst einmal das Konzept hinter „stimmen aus dem off“ erläutern. Mario und ich haben in den letzten Jahren viele Demonstrationen und politische Veranstaltungen filmisch dokumentiert und dabei ist uns aufgefallen das zumeist die Sprecher beziehungsweise eingeladene Redner im Vordergrund standen, jedoch nur in seltenen Fällen die vielen Menschen, die diese Veranstaltungen mitgetragen haben.

Inspiriert vom offenen Mikrofon beziehungsweise dem „Human Microphone“, welches zum Beispiel bei Occupy zum Einsatz kam, sowie der Feststellung, das viele Menschen wirklich etwas mitteilen möchten, aber keine Plattform haben, dies zu tun, sahen wir uns veranlasst, diese Fokussierung auf offizielle Sprecher beziehungsweise Redner zu durchbrechen, und begannen uns ausschließlich auf die Menschen vor Ort zu konzentrieren, also ihnen eine Stimme zu geben.



Zudem war es uns wichtig, im Gegensatz zu ausgewählten Rednern, was bei Demonstrationen üblich und verständlich ist, nicht nach persönlicher oder politischer Position zu filtern und nur das zu transportieren, was uns oder dem Publikum genehm ist, sondern auch abweichende Meinungen gleichwertig und ohne Kommentar zu transportieren. Nur so kann man Pluralität fördern, was unseres Erachtens dringend notwendig erscheint.

Dass man dann auch mal Aussagen zu hören bekommt, die einem nicht schmecken, nun, damit muss man halt leben. Unsere Gesellschaft ist nun einmal nicht homogen. Und wenn man das vor Augen geführt bekommt, muss man es selbstverständlich nicht mögen, aber zumindest zur Kenntnis nehmen und vielleicht entsteht dadurch ja sogar eine fruchtbare Debatte. Das würden wir uns jedenfalls wünschen.

Das große Problem, vor dem jeder Dokumentarfilmer dabei steht, ist; wie bekommt man diese Menschen dazu, sich frei zu äußern. Eine Kamera, die einem ins Gesicht gehalten wird, schreckt nachvollziehbarerweise viele die etwas mitteilen möchten ab, weswegen wir dazu übergegangen sind, Ton und Bild strickt zu trennen, also Aussagen mit einem mobilen Audioaufnahmegerät einzufangen. Das ist weniger hemmend, so unsere Feststellung, daher auch der Name des Formats.

Der Grund weswegen wir den G-20-Gipfel beziehungsweise was drumherum in Hamburg passierte dokumentierten, ist letztendlich recht banal. Der Gipfel kam zu uns in die Stadt, nicht umgekehrt, und als Filmemacher sahen wir uns in der Pflicht auf die Straße zu gehen und unserer Arbeit nachzugehen, was mit Sicherheit komisch klingt, wenn man berücksichtigt, das wir damit ja kein Geld verdienen. Daher liefern wir ja auch keine Hochglanzdokumentation ab, wie sie große Medienanstalten bewerkstelligen könnten, wenn sie denn wollten.

Ein weiterer Grund für diese Dokumentationen zum G-20 liegt inzwischen ein halbes Jahr zurück. Damals, Ende Dezember 2016 fand der OSZE-Gipfel an der gleichen Stelle, also den Messehallen statt, und die Situation, mit der die Anwohner konfrontiert waren, ließ Rückschlüsse zu, wie denn der G-20-Gipfel ablaufen würde.

Also zum Beispiel die Bewohner des Karolinenviertels, welches direkt neben den Messehallen liegt, wurden angehalten, ihre Wohnungen nur noch mit einem Ausweis zu verlassen. Kindern wurde freigestellt, ob sie in der Zeit zur Schule gehen oder nicht, und Besuche waren grundsätzlich von der Polizei untersagt. Davon mal abgesehen befand sich die Stadt schon damals in einem Belagerungszustand.

Wie wir erfuhren, gab es Scharfschützen auf Dächern und Dachböden, die die Innenstadt im Auge behielten. Polizeihubschrauber waren Tag und Nacht im Einsatz, das heißt, oftmals wenige Hundert Meter über den Dächern Hamburgs, die einen entsprechenden Lärmpegel verursachten und gerade nachts eine Zumutung waren. Ich selbst habe in der Zeit, obwohl wir drei Kilometer von den Messehallen entfernt wohnen, kaum schlafen können. Zu guter Letzt bin ich am Freitag, also während der OSZE-Konferenz auf dem Weg von meiner Arbeitsstelle nach Hause in eine sehr unangenehme Situation geraten, die mich, obwohl ich schon viele Demonstrationen erlebt habe, nachhaltig geprägt hat.

Stimmen aus dem Off - Polizei

Ich fuhr mit meinem Fahrrad die Feldstraße entlang, die nur einen Steinwurf von den Messehallen entfernt war, und plötzlich sah ich im Dunkeln eine oder zwei Hundertschaften schwarz gekleidete Polizeibeamte auf die Straße treten, nur wenige Meter weiter vielleicht zwei Dutzend Polizisten auf Pferden, und in weiter Ferne sah ich dann nur noch Blaulicht, vor dem sich vielleicht 300 Leute rumdrückten, die eine Demonstration durchführten.

Ich konnte diese Demonstration irgendwann umfahren, nur um mich dann an der Kreuzung Budapesterstraße/Ecke Feldstraße wiederzufinden, die komplett abgesperrt war. Wasserwerfer und Räumpanzer waren mitten auf der Straße aufgestellt und drum herum viele Hundert behelmte Polizisten in Kampfmontur. Sonst habe ich kaum eine Menschenseele gesehen, nur ein paar ganz wenige Leute, die vor den Polizeiketten standen und nur nach Hause wollten. Eine vollkommen gespenstige Szenerie, eine Stadt in Blau, so schoss es mir damals durch den Kopf.

Damals hatte ich nichts davon dokumentiert, aber das Bild dieser winzigen Demonstration und der etwa 2000 Polizisten, die diese begleiteten ging, mir nicht mehr aus dem Kopf. Es war wie in einem schlechten Film, vollkommen übertrieben, und, wie gesagt, ein Vorgeschmack für das, was beim G-20 auf die Menschen vor Ort zukommen wird.

Der erste Film entstand kurz vor dem Gipfel, der zweite einige Tage danach. Es gibt also keine Aussagen, die unter dem unmittelbaren Eindruck des Geschehens getroffen wurden. War diese zeitliche Distanz gewollt?

Das stimmt nicht ganz. Wir fingen am Dienstag, den 4. Juli, mit unseren Dreharbeiten an, und hörten erst am späten Samstagabend, den 8. Juli, auf, also während des Abschlusses des Gipfels. Alle Aussagen im ersten Film fanden kurz vor beziehungsweise während des Gipfels statt. Aufgrund der vielen positiven Reaktionen auf diesen Film entschieden wir uns ein paar Wochen danach eine Nachbetrachtung zu drehen, diesmal mit gezielt ausgewählten Personen, denen wir auch ausreichend Zeit zur Verfügung stellen wollten, um ihre Eindrücke und Gedanken zu transportieren. Am Ende hatten wir mehr als fünf Stunden Interviewmaterial, welches gesichtet und strukturiert werden musste. Das dauerte dann noch mal fast eine Woche. Filmschnitt ist sehr aufwendig.

Ihr zeigt den friedlichen Protest, aber keine Bilder von brennenden Autos, keine Barrikaden, keine Steinewerfer oder prügelnde Polizisten. Warum habt ihr diese emotionalen Momente ausgeklammert?

Für Bilder von brennenden Barrikaden und dergleichen sind die etablierten Medien zuständig, da müssen wir nicht auch noch mitmachen. Nein, es war von uns eine bewusste Entscheidung solche Bilder zu vermeiden, um diese Art von Voyeurismus nicht noch zu unterstützen, denn die Situation vor Ort, auch ohne das es zu Gewalttaten kam, war sowieso schon angespannt und heftig genug. Davon mal abgesehen gibt es berechtigte Kritik an Gewalt sowie deren Transport durch Medien.

Zu schnell kann alles andere davon medial dominiert werden und die eigentlichen Fragen bleiben dabei im Hintergrund. Menschen lassen sich nun mal emotional schnell fangen, das kann man nutzen, wenn man will, zum Beispiel um die Einschaltquote zu erhöhen. Aber die Manipulationsmöglichkeiten mit entsprechenden Bildern sind enorm. Nichtsdestotrotz kann man nun einwenden: das, was ihr da gemacht habt mit eurem Beitrag, ist ebenfalls manipulativ, indem ihr einen Teil des Geschehens ausgeblendet habt. Das stimmt natürlich.

Auffällig ist, dass viele Befragte auf das massive Aufgebot an Sicherheitskräften und deren Verhalten reflektieren. Es wird von Besetzungszustand gesprochen, von Provokation und Einschüchterung der Menschen, und im Kern von einer staatlichen Demonstration von Macht. Ist diese Offenheit in den Aussagen der Grund, warum im ersten Teil keiner der Befragten gezeigt oder mit Namen genannt wird?

Nein. Wie gesagt, es gehört zum Konzept niemanden zu zeigen der dies nicht ausdrücklich wünscht. Wie auch immer, vor Ort war die Stimmung sehr angespannt. Eine ältere Dame, mit der ich sprach, zitterte schon fast beim Anblick der Szenerie, die sich uns da mitten in der Innenstadt offenbarte. Es war an den Tagen unmöglich sich dem Gewaltmonopol zu entziehen, was einen als Anwohner ziemlich hilflos stehen lässt, und es gab beim Arrivati Park schon am Dienstag vor dem offiziellen Gipfel erste Wasserwerfereinsätze.

Das haben die Leute in St. Pauli und drüber hinaus nicht vergessen. Genauso wenig die gewaltsame Räumung des Camps in Entenwerder. Menschen im Allgemeinen mögen nun mal keine Gewalt, auch keine Gewaltandrohung, und dies löst entsprechende Reaktionen aus. Daher kamen auch die Aussagen vor Ort zustande, denn viele fühlten sich massiv bedroht.

Hatten die von euch befragten Menschen das Gefühl oder zweifelten sie daran, ihre Meinung im Zusammenhang mit den G-20-Protesten frei äußern zu können?

Ich denke das kaum jemand Angst vor Repression von staatlicher oder anderer Seite hatte, wenn er oder sie sich äußert. Alle Personen, mit denen ich auch ein Gespräch führen konnte, schienen mir vom Audioaufnahmegerät nicht eingeschüchtert, höchstens emotional total ausgepowert, was auch an der Szenerie lag. Weswegen manche sich nicht äußerten, hat vermutlich andere Gründe. Ich erinnere mich da an zwei exemplarische Szenen.

Stimmen aus dem Off - Johannes und Julian
Johannes und Julian beschreiben in „stimmen aus dem off“ ihre Eindrücke der G-20 in Hamburg.

Bei einer bat mich ein Interviewter seine Aussage zu löschen, was ich vor seinen Augen natürlich auch tat. Das lag daran, dass er bereits ein paar Bier intus hatte und sich im Nachhinein nicht sicher war, ob er sich nicht lächerlich gemacht hatte. Eine andere Szene, die sich noch ein paar Mal wiederholte, sah eher so aus: Einige Leute lehnten zwar ein Interview ab, aber dann erzählten sie plötzlich, was sie dachten, sie wollten sich unbedingt mitteilen, waren sich aber nicht sicher, ob sie das vor einem Mikrofon gut genug hinbekommen würden. An der Stelle ist es auch, egal ob man ein Gesicht sehen kann oder nur die Stimme hört. Ich habe dafür großes Verständnis, speziell unter Stresssituationen.

Der zweite Teil, die „Nachbetrachtungen zum G-20 Gipfel“, habt ihr in schwarz-weiß gedreht. Soll dadurch der dokumentarische Charakter betont werden oder die politische Tristesse, die die G-20 in Hamburg hinterlassen haben?

Man muss nicht immer alles tot analysieren, denke ich gerade. Ich finde die Assoziation total interessant, aber sie ist in diesem Fall irreführend. Die Gründe es in schwarz-weiß zu halten sind banaler als man denken mag. Mit der Reduktion auf Schwarz-Weiß kann man Bildfehler gut ausgleichen. Wir haben zu unterschiedlichen Tages- beziehungsweise Nachtzeiten gefilmt. Wenn man nun die verschiedenen Aussagen miteinander verknüpfen möchte, ohne dass das Bild allzu sehr variiert, so kann man Schwarz-Weiß als Hilfsmittel nutzen. Davon mal abgesehen mag ich die Ästhetik und sie kam bei vorherigen Folgen auch schon zum Einsatz.



Es wird bemängelt, dass die politische Dimension der Proteste vom Eindruck der Gewalt überlagert wurde. Ist „stimmen aus dem off“ ein Versuch, das Politische wieder in den Fokus zu rücken?

Definitiv ja. Allerdings waren wir ja nur zu zweit. All das, was in Hamburg in den Tagen passierte, konnten wir gar nicht begleiten, angefangen bei der Räumung der Protestcamps, den Blockaden oder dem Gegengipfel, den man sich hätte ansehen müssen. Man hätte, wenn man ein großes koordiniertes Team gewesen wäre, mehr transportieren, vielleicht sogar eine Gegenöffentlichkeit herstellen können.

Aber mit den bescheidenen Mitteln, die uns zur Verfügung standen, mussten wir uns jeden Tag aufs Neue entscheiden, wo wir hingehen und was wir mitnehmen können, um am Ende des Tages dennoch etwas abzuliefern, was von Interesse sein könnte. Ob es funktioniert hat, kann man aber nicht sagen, speziell, da unsere Reichweite als unabhängige Filmer nur sehr begrenzt ist. Wir freuen uns ja schon, wenn eine unserer Arbeiten ein paar Tausend Klicks bekommt. Was wir aber sagen können, ist, dass wir viel Zuspruch bekommen haben.

 

Bei den „Nachbetrachtungen zum G-20 Gipfel“ befragt ihr Aktivisten, die sich gegen die G-20 positionieren, aber keine Vertreter der Staatsgewalt. Gab es keine Möglichkeit zum Gespräch oder habt ihr es nicht gesucht?

Tatsächlich haben wir während unserer Dreharbeiten wie auch in der Vergangenheit mehrfach versucht Kontakt mit Polizeibeamten, die hier in Hamburg Dienst schieben mussten, herzustellen. Leider ohne Erfolg. Über die Gründe, weswegen das nicht geklappt hat, kann ich nur spekulieren, aber wir bleiben dran, denn wir interessieren uns auch für die Perspektive der Polizeibeamten. Was wir aber grundsätzlich abgelehnt haben, sind Gespräche mit Polizeisprechern. Das führt in unseren Augen zu nichts.

Ihr stellt keine Zwischenfragen. Wie wichtig war es euch, dass die Menschen ausreichend Gelegenheit erhalten, sich ausführlich zu äußern?

Wer Fragen stellt, muss auch zuhören können. Zudem haben wir Zwischenfragen gestellt, diese aber rausgeschnitten, scheinbar hat das ganz gut funktioniert.

Stimmen aus dem Off - friedlicher Protest

Eure persönliche Meinung findet in den Filmen keinen Platz. Warum kommentiert ihr nicht? Warum bewertet ihr nicht?

Das ist in diesem Format nicht unsere Aufgabe. Wir transportieren lediglich die Meinungen anderer Leute. Andererseits, speziell im ersten Film zum G-20, arbeiten wir ja durchaus suggestiv in Bezug darauf, welche Bilder wir unter welche Aussagen legen. Das ist halt subtiler als klare Aussagen und ist vielleicht schon zu viel. Nichtsdestotrotz, abseits von dem Format der „stimmen aus dem off“ halten wir mit unserer persönlichen Meinung nicht hinter dem Berg.

Eure Filme sind auf YouTube verfügbar und werden in den sozialen Netzwerken geteilt. Aber dort kann keine Diskussion stattfinden. Wird es öffentliche Vorführungen geben, damit sich die Menschen über die Geschehnisse austauschen können?

Glücklicherweise ja. Zum einen beim Gängeviertel-Geburtstag Ende des Monats, dann Anfang September im Centro Sociale und wer weiß wann noch. Diese Dokumentationen sind ja grade erst veröffentlicht worden, daher können wir über weitere Aufführungen nicht viel sagen, speziell, da wir keinen Vertrieb haben oder jemanden der rumtelefoniert und Vorführungen in die Wege leitet. Aber wir begrüßen jede Möglichkeit des öffentlichen Diskurses, mag er noch so kontrovers sein. Vorführungen mit abschließender Diskussionsrunde sind diesbezüglich sehr hilfreich miteinander Argumente und Eindrücke auszutauschen.

Der G-20-Gipfel in Hamburg wird die Öffentlichkeit weiter beschäftigen, insbesondere die Polizeigewalt. Werdet ihr dieses Thema in „stimmen aus dem off“ aufgreifen oder ist euer Filmprojekt mit den Nachbetrachtungen zum G-20-Gipfel abgeschlossen?

Es ist wie mit jedem Filmprojekt, jeder Serie: Streckt man die Story zu lang, ist irgendwann die Luft raus. Bei den Vorkommnissen zum G-20 ist noch Luft nach oben, und wir begrüßen nicht nur die Auseinandersetzung mit Polizeigewalt, sondern mit allem, was stattgefunden hat. Also der Gewalt am Schulterblatt und in Altona, dem Gegengipfel der viel zu kurz kam, den Blockadeversuchen, den Paraden und Aufmärschen, den Aktionen zivilen Ungehorsams und so weiter.

Ich denke, es ist hier in Hamburg viel passiert, was man genauer betrachten sollte, wie auch bei anderen Gipfeln, und es sind sehr viele Fragen offen. Eine Frage wäre zum Beispiel, wie definiert man Gewalt. Gibt es in unserer Gesellschaft strukturelle Gewalt und wie sieht sie aus, und ab wann ist Gewalt legitim. Also eine Grundsatzfrage, die in der Philosophie seit Jahrtausenden diskutiert wird. Das berührt nicht nur irgendwelche Leute, die Feuer legen oder Läden plündern, sondern auch diejenigen die denken die Menschen zu beschützen.

Darüber muss man reden, auch in Bezug auf unsere Gesellschafts-, Wirtschafts- und Staatskonstruktion. Darüber, wie sich die Welt konstituiert, wie sich das auf die Menschen auswirkt und was sie sich wünschen und welche Bedürfnisse sie haben.

Das kann man in ein paar Sätzen oder einer abendfüllenden Dokumentation nicht abhandeln, aber zumindest anschneiden, ohne populistisch zu werden. So wie ich die Sachlage betrachte, gibt es noch sehr viel Diskussionsbedarf, auch was Protestformen angeht oder welcher Widerstand sinnvoll und legitim ist. Daher spielen wir mit dem Gedanken noch eine weitere Folge zu diesem Themenkomplex zu erstellen, aber das ist noch Zukunftsmusik, speziell, da unsere Mittel recht bescheiden sind und mein Urlaub nun zu Ende geht. Zeit spielt eine wesentliche Rolle bei Dokumentarfilmproduktionen.

Vielen Dank!


Svenja Jana Baumgardt ist Jahrgang 1973. Sie arbeit als Konzeptgrafikerin im Bereich Videospiele und als unabhängige Dokumentarfilmerin. Sie lebt in Hamburg.


Fotos: J. Baumgardt (Stimmen aus dem Off) und fiction of reality (Titelbild) – flickr.com – CC BY 2.0


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