Kunst gegen den Krieg und Tod in Syrien

Die Künstlerin Ursula Behr zeigt in Berlin ihre Syrienbilder: Portraits gefolterter syrischer Regierungssoldaten, die ihrem Tod entgegensehen. Bilder von der Befreiung Palmyras. Bilder eines verbrecherischen und herbeigelogenen Krieges.

Der 1. September markiert den Jahrestag des Überfalls der deutschen faschistischen Wehrmacht auf Polen und den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939. Seit 1957 wird der 1. September als Antikriegstag begangen. Auch heute. Und es ist wieder Krieg. Auch in Syrien.

Die Malerin Ursula Behr sucht die kritische Auseinandersetzung mit Krieg und Tod. Im Berliner Coop Anti-War Café eröffnet sie ihre Ausstellung mit Syrienbildern.

Es sind Portraits gefolterter syrischer Regierungssoldaten, die ihrem Tod entgegensehen. Bilder von der Befreiung der antiken Oasenstadt Palmyra. Bilder der Gräuel. Bilder eines verbrecherischen Krieges.

Krieg dem Kriege

Die Botschaft ist deutlich: Krieg dem Kriege. „Für mich müssen Bilder eine Aussage haben, sich einmischen in das, was oftmals untragbar ist. Ich ziehe kritische und politische Kunst meist der schönen Kunst vor. Ich prangere an, wo die meisten schweigen“, sagt Ursula Behr.



78 Jahre nach Ausbruch des 2. Weltkriegs, in dem 60 Millionen Menschen starben, davon fast 30 Millionen Bürger der Sowjetunion, drücken die Bilder der Malerin das Leid und die unendliche Trauer in einem Krieg aus, der seit 2011 in Syrien tobt.

Er dauert schon länger als der 2. Weltkrieg. Zwischen 9 und 12 Millionen Menschen sind auf der Flucht, bis zu 400.000 sollen in dem Konflikt ihr Leben verloren haben. Ob die Zahl stimmt, weiß niemand. Die UN zählt die Toten seit 2014 nicht mehr.

Große Teile des Landes sind verwüstet, die Infrastruktur zerstört. Die Weltbank schätzt die materiellen Schäden des Krieges auf weit über 220 Milliarden US-Dollar.

Von der Revolte zum Stellvertreterkrieg

Der Syrienkrieg begann 2011 mit einer weitestgehend friedlichen Revolte von Teilen der Zivilgesellschaft. Die Auseinandersetzungen schaukelte sich durch das gewaltsame Vorgehen staatlicher Sicherheitskräfte gegen die Opposition, das Eingreifen der Militärs und irregulärer Kämpfer zu einem Bürgerkrieg hoch.

„Durch die Beteiligung von regionalen Staaten, zum Beispiel Iran, Saudi-Arabien, Türkei und Katar, wurde der Konflikt auch zunehmend zum Stellvertreterkrieg“, sagte Staffan de Mistura, seit Juli 2014 UN-Sondergesandte für Syrien, Ende 2016 in einem Interview mit dem IPG-Journal.

Baschar al-Assad bei einem Besuch in Russland im Oktober 2015. Foto Kremlin.ru CC-BY 4.0

Baschar al-Assad bei einem Besuch in Russland im Oktober 2015. (Foto: Kremlin.ru; CC-BY 4.0)

Damit ist nur ein kleiner Ausschnitt genannt. Die USA, Russland, der Iran, Großbritannien, Frankreich, Islamisten, Kurden, Rebellen, Extremisten und marodierende Banden – jeder hat Interessen im Nahen Osten und jeder macht vor allem mit beim Töten in Syrien. Die Lage ist unübersichtlich und verändert sich praktisch täglich.

Auch Deutschland ist in den Krieg verwickelt. Nachdem zu Beginn der Proteste zunächst die diplomatischen Beziehungen zur syrischen Regierung um Staatspräsident Baschar al-Assad aufrechterhalten wurden, dampfte die Bundesregierung 2012 die Beziehungen zu Damaskus auf ein absolutes Minimum ein.

Das Ziel war ein „Regime Change“ – Assad sollte weg. Dafür wurden Wirtschafts- und Finanzsanktionen auf EU-Ebene als Druckmittel eingesetzt. Syrische Auslandsguthaben wurden eingefroren, In- und Exporte verboten oder massiv beschränkt.

Die Bundeswehr ist militärisch in den Konflikt involviert (Operation Counter Daesh), mit Flugabwehrraketen, Kampfjets, Überwachungs- und Tankflugzeugen für die US-geführte Militärkampagne gegen den IS.

Informationskrieg und der Blick nach Osten

Durch das Eingreifen Russlands scheint ein Regime Change aber völlig ausgeschlossen, außer, Assad räumt freiwillig seinen Platz. Das ist kaum vorstellbar. Der Konflikt geht also weiter und erfüllt noch einen Zweck: Er ist das Vehikel für einen Informationskrieg.

Westliche Regierungen zeigen mit dem Finger nach Osten und die Mainstream-Medien versuchen Russland als eigentliche Bedrohung aufzubauen. NATO-Soldaten stehen an der russischen Grenze.

So spannt sich der Bogen zum Antikriegstag, dem Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 und zu den Syrienbildern von Ursula Behr.


Die Ausstellung mit Syrienbildern beginnt am 1.September 2017, um 19 Uhr, im Coop Antikriegscafe Berlin.

Rochstr.3 Berlin-Mitte (Alex)
U-Bahn Weinmeisterstr/Alexanderplatz
S-Bahn Hackescher Markt/Alexanderplatz

Weitere Infos zur Künstlerin auf der Homepage von Ursula Behr.


Fotos/Video: Coop Anti War Café Berlin und Ursula Behr (Titelbild) und Kremlin.ru (Aufnahme von Baschar al-Assad) CC-BY 4.0 Lizenz.

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