Lügen die Medien? Der Kampf um die öffentliche Meinung

Schon Roms erster Kaiser Gaius Octavius nutzte Medien als Propagandawerkzeuge. Wie sieht es heute aus? Jens Wernicke geht in seinem Buch „Lügen die Medien?“ dieser Frage nach.

Schon Roms erster Kaiser Gaius Octavius nutzte die Macht der Medien, um sein Image aufzupolieren und Wahrheit zu manipulieren. Gekonnt spielte er auf einer Klaviatur aus Lügen und Propaganda. Wie sieht es heute aus: Lügen die Medien?

Jens Wernicke geht der Frage in seinem Sachbuch „Lügen die Medien?“ nach. Offenbar nicht ohne Grund und mit Erfolg. Wenige Tage nach dem Erscheinen rangiert „Lügen die Medien?“ bereits auf Platz 21 der Spiegel-Bestsellerliste.

Der Autor fasst das heiße Eisen nicht unbegründet an. Zu häufig sind unnötige Mängel bei der Recherche zu entdecken, zu oft weicht die Berichterstattung der dominierenden Zeitungen und Fernsehsender in bedeutsamen Details von den Realitäten ab, immer öfter ist der Begriff „Lügenpresse“ zu hören und zu lesen.

Was steckt dahinter? Täuschen sich die Menschen, weil sie aus der täglichen Flut an Nachrichten die wichtigen Informationen nicht mehr von den unwichtigen Inhalten unterscheiden können?

Liegt es am Zeitdruck in den Redaktionen, die jedes noch so unbedeutende Ereignis zur großen Eilmeldung aufblasen und sich bei bedeutsamen Themen lieber auf Pressemeldungen verlassen, als selbst nachzuschauen, was los ist? Oder sind die Medien tatsächlich zu Propagandamaschinen mutiert, die nur einen Zweck verfolgen: Die Verschleierung der Realitäten?

„Indoktrination ist keineswegs inkompatibel mit der Demokratie. Vielmehr (…) ihre Essenz. (…) Ohne Knüppel, ohne Kontrolle durch Gewalt (…) muss man das Denken kontrollieren. Dazu greift man zu dem, was in ehrlicheren Zeiten Propaganda genannt wurde.“

Noam Chomsky in „Lügen die Medien“

Albrecht Müller, Herausgeber der NachDenkSeiten, klassifizierte die Medien schon als „Kampfpresse“, die zu Sprachrohren der Mächtigen verkommen seien. Andere Medienkritiker werfen den Medien Einseitigkeit und Propaganda vor. Gerade wenn es um die Berichte über die Kriege in der Welt geht, ist die Parteilichkeit unübersehbar. Die Selbstkritik der Medien wird zum Luxus.

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„Lügen die Medien?“ ist im Westend-Verlag erschienen (ISBN 9783864891885).

Woran kann das liegen? Was sind die Probleme und wo liegen die Ursachen? Ist ein ehrlicher und ausgewogener Journalismus heute überhaupt noch möglich? Was stimmt nicht in diesem Land? Jens Wernicke geht diesen Fragen nach in „Lügen die Medien?“.

Zu Wort kommen auf 368 Seiten zahlreiche Wissenschaftler, Journalisten und Stimmen aus der Zivilgesellschaft, die ihre Positionen darlegen. Darunter bekannte Köpfe wie der linke Intellektuelle Noam Chomsky, einer der schärfsten Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik, der Psychologe Klaus-Jürgen Bruder, der Historiker und Konfliktforscher Kurt Gritsch und Sabine Schiffer, die sich unter anderem mit dem Islambild in deutschen Medien beschäftigt.

Außerdem äußern sich die Journalisten Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer und Eckart Spoo. Die Wissenschaftler Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom und Daniele Ganser und aus der Zivilgesellschaft Maren Müller, Hektor Haarkötter, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler und Daniela Dahn.


Über Jens Wernicke: Der Kulturwissenschaftler arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politik und als Gewerkschaftssekretär. Heute ist er Autor, freier Journalist und Herausgeber von „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“ (www.rubikon.news). Zuletzt erschienen von ihm als Mitherausgeber „Netzwerk der Macht – Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh“ sowie Fassadendemokratie und Tiefer Staat.


Fotos: Westend Verlag (Buchcover) und Jon Tyson (Unsplash.com).

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