Yuriko Yushimata – Bis auf den letzten Mann

Yuriko Yushimata beschreibt in ihrer Short Story eine Welt, in der der Fortbestand der Menschheit durch moderne Reproduktionstechnologien gesichert wird.

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der es keine Männer mehr gibt. Das ist unvorstellbar? Nicht für Yuriko Yushimata. Die Autorin beschreibt in ihrer Science Fiction Kurzgeschichte eine Gesellschaft, in der der Fortbestand der Menschheit durch moderne Reproduktionstechnologien gesichert wird.

Nanami war etwas eifersüchtig auf Corinna. Corinna war die Ex ihrer Liebsten. Aber sie hatte dafür keine Zeit. Sie musste sich auf ihr Referat konzentrieren.

Ihr Thema war die Umbruchzeit. Dabei hatte sie riesige Schwierigkeiten, sich eine Welt mit Männern vorzustellen. Ihr kam auch der Gedanke von Sex mit Männern widerlich bis albern vor. Aber vermutlich war dies ein Vorurteil gegen Behinderte. Sie versuchte, in ihren Vorstellungen korrekter zu sein, aber es gelang ihr nicht.

Jedesmal, wenn sie mit Freundinnen die alten Hollywoodfilme von vor über 100 Jahren sah, lagen sie nach kurzer Zeit lachend auf dem Boden.

100 Jahre war es her, dass es passiert war. Ihre Urgroßmutter hatte vielleicht noch mit Männern geschlafen. Für Nanami war dies eine abstruse Vorstellung.
Damals waren die Menschen in Frauen und Männer unterteilt gewesen. Es war auch ein Mann gewesen, der das Antischnupfenserum entwickelt hatte.

Das erste Serum war nur bedingt wirksam, doch im Laufe von einem Jahrzehnt war den Wissenschaftlern die Optimierung gelungen. Der Schnupfen konnte das erste Mal effizient bekämpft werden. Nur dass sie etwas übersahen. Die Kinder aller geimpften Menschen waren nicht mehr in der Lage, Männer zu zeugen, es wurden nur noch Frauen geboren.

Richtig bewiesen wurde der Effekt erst 30 Jahre nach der ersten Impfung, da war es zu spät. Alle waren geimpft worden, weltweit, eine Kampagne einer Organisation mit dem Namen WHO.

Zuerst war es ein Schock gewesen, aber dann hatten sich die Frauen schnell damit arrangiert. Mit Hilfe moderner Reproduktionstechnologien war es kein Problem, den Fortbestand der Menschheit auch ohne Männer zu sichern.

Letztendlich hatte sich dies sogar als positiv gezeigt. Heute wurde die Versorgung und Betreuung von Kindern als gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe begriffen. Wenn sie über eine Organisationsform wie die Kleinfamilie las, kamen ihr die Menschen von damals völlig verrückt vor. Wieso hatten die Frauen das nur mitgemacht?

Heute war doch alles viel besser.

Männer waren seit wenigen Jahren vollständig ausgestorben. Dabei war es eine Frau gewesen, die frühzeitig auf die Risiken der Schnupfenimpfung hingewiesen hatte. Aber ihre männlichen Kollegen hatten ihre Arbeiten lächerlich gemacht.

Die Wissenschaftlerin Barbara Tiruna hatte schon frühzeitig die These vertreten, dass Männlichkeit der Effekt einer Virusinfektion war, die, lange bevor die Säugetiere entstanden, sich im Zuge der Evolution stabilisiert hätte. Heute wusste jedes Schulmädchen, dass dies so gewesen war.

Die Schnupfenimpfung hatte nicht nur die Schnupfenviren unschädlich, sondern auch Teile dieser Virusmutation rückgängig gemacht.

Seitdem gab es keinen Schnupfen mehr auf der Welt und nun auch keine Männer mehr.

Nanami konnte darin keinen Verlust sehen.


Der Ausgangspunkt für die Science (Social) Fiction Short Stories von Yuriko Yushimata bildet die menschliche Angst vor Viren und Seuchen. Die Realität wird in absurden, aber pointierten Zuspitzungen literarisch ausgeleuchtet. Yuriko Yushimata wurde als Distanzsetzung zur Realität entworfen. Es handelt sich um eine fiktionale und bewusst entfremdete Autorinnenposition, die über die Realität schreibt. Die Sammlung der Science Fiction Kurzgeschichten erschien im Herbst 2014 unter dem Titel „Virus Mutant“ und befindet sich im Archiv der HerausgeberInnengemeinschaft Paula & Karla Irrliche.


Foto: Alice MooreUnsplash; Lizenz CC0

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