Uncle Sam ist wieder da!

Ja, der mit dem Big Stick und dem Zylinder in den Nationalfarben der USA. Das berühmte Bild war für Jahrzehnte als Markenzeichen der USA aus unseren Medien verschwunden.

Uncle Sam schwang symbolisch einst seinen Knüppel bedrohlich gegen alle, die sich scheinbar in seinen Weg stellten. Das Markenzeichen Uncle Sam erhielt 1961 vom Senat seine offizielle Bestätigung.

Plötzlich, seit der Wahl von Donald Trump 2016, wurde diese Charakterfigur wieder zur Realität. Aber weshalb sind er und seine engsten Berater so? Was hat ihre Persönlichkeiten geprägt?

Eine Antwort können wir vielleicht in der früheren Geschichte finden, wenn wir die Lehren Sigmund Freuds beachten. Die Nordamerikaner verkörpern eine Summe von Lebenserfahrungen, die ihre Gene tief im Unterbewusstsein formten.

Worin wurzelt die egoistische und forsche Haltung des Präsidenten?

Ein Rückblick in die Ursprungszeiten der Formierung der Vereinigten Staaten und auf die nachfolgenden Entwicklungen des Landes könnte die Raubeinigkeit zum Teil erklären.

Die Vorväter der Nordamerikaner waren bei der kolonialen Übernahme der Indianerländer nie zimperlich. Bessere Waffen, fehlende geschriebene Indianergesetze und Grundbücher, sowie eine Ordnungsmacht, die im fernen London regierte.

Die Siedler hatten alle Freiheiten des Handelns, gepaart von Kampf- und Unternehmergeist, um eigene Ziele zu erreichen. Und die lauteten zunächst: Grundlagen für das eigene Leben zu schaffen! Egal wie.

In der Neuen Welt verfügten die Kolonisten über eine beinahe ungebremste Freiheit, das zu tun, was dem persönlichen Nutzen diente. Sie nahmen einfach das Land in Besitz ohne die Eigentümer zu fragen und verweigerten die Zahlung von Steuern an das englische Königshaus in London. Konsequenz: Das englische Königshaus reagierte mit Waffengewalt.

Mit finanzieller, materieller und ideeller Unterstützung Frankreichs gewannen die 13 Kolonien die Auseinandersetzung mit der englischen Monarchie. Ihr neues Staatsmodell wurde eine Republik mit der Dreiteilung der Macht, einer Verfassung, die das Recht auf Waffenbesitz einschloss. Sie entschieden sich für eine Demokratie, die Frauen, Sklaven und Ureinwohner ausschloss.

Mut, Egoismus, Hartnäckigkeit

Die Bewohner des neuen Staates schufen von Null an eine staatliche Verwaltung, ein Besteuerungs- und Versicherungssystem, Schulen für ihre Kinder, eine Verkehrsinfrastruktur, was insgesamt Hochachtung in der Sache abverlangt, nicht immer in der Art des Zustandekommens.

Handlungswille, Mut, Egoismus, Hartnäckigkeit waren die Grundlagen der damaligen Kolonisten das historische Werk zu meistern. Nachfolgende Generationen der Nordamerikaner haben die Erfahrungen der Freiheit, des Handlungsmutes fortgeführt, auch das Recht individuell Waffen zu besitzen.

Dass die zunächst weitgehend gesetzesfreie Lage in den 13 Kolonien nicht zur Barbarei untereinander führte, war Thomas Paine, Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, Abraham Lincoln u.a. zu verdanken, die bei ihrer Einwanderung den Geist der Aufklärung mitbrachten. Auch solche Erfahrungen haben die Zeiten überdauert.

„Uncle Sam“ hat sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet

Inzwischen vergrößerten sich die Vereinigten Staaten überwiegend nach Eroberungskriegen von 13 auf 50 Bundesstaaten. Die Mehrheit ihrer heutigen südlichen Bundesstaaten gehörten bis 1847 zu Mexiko, das etwa die Hälfte seiner Landfläche verlor. Das sind verinnerlichte Erfahrungen für die Politik.

Die Landerweiterungen stärkten die Wirtschaft und die Steuerkasse der USA. Im Süden der USA liegen die großen Erdölfelder und wichtige Agrarzonen des Landes. Der Charakter von „Uncle Sam“ hat sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet.

Der Nordamerikaner lebt heute im Wirkungskreis einer profitträchtigen Großwirtschaft und benötigt mehrere Arbeitsplätze zum Überleben. Erfolgsmethoden wurden von der politischen Führung weitergeführt. Das vielfach befolgte Motto hieß: „Einfach machen, was dem eigenen Profit dient“.

Die USA blieben über Jahrzehnte ein Einwanderungsland. Arbeitskräfte und geistiges Wissen, finanziert von anderen Ländern, brachten wirtschaftlichen Fortschritt für das Land. Ungezügelte Wirtschaftsentwicklungen führten zu Differenzen der Einkommen und schließlich zur großen Weltwirtschaftskrise 1928. Sie erschütterte die ganze Welt.

Präsident Franklin Delano Roosevelt zog die Reißleine und verordnete der Wirtschaft per Gesetz Regeln zu beachten, um das Land vor totalem Chaos zu bewahren. Die 17 Millionen Arbeitslosen und weitere Millionen Kurzarbeiter brauchten Überlebenshilfe. Zockerbanken ließ er, ohne staatliche Hilfen zu gewähren, in den Konkurs gehen.

Die Sklaverei wurde bis heute nicht vollständig aufgearbeitet

Neben der wirtschaftlichen Zügellosigkeit hat der krankhafte Rassismus seit den Anfängen der USA auch den Charakter der Eliten beeinflusst.

Die Sklaverei war bis zu den Zeiten von Martin Luther King und bis zur Gegenwart noch nicht vollständig aufgearbeitet. Sein und der Tod weiterer Bürger mit afrikanischen Wurzeln steht für die Tragik dieses noch nicht überwundenen Charakterzuges der Nordamerikaner.

Auch Keime des Faschismus sind im Land erkennbar. Präsident Trump und einige seiner Berater scheinen von der Infektion des Rassismus nicht frei zu sein. Wie anders ist es zu erklären, dass er 800.000 Kinder lateinamerikanischer Emigranten des Landes verweisen will? Es ist ohnehin schizophren, dass Mexikaner nicht frei das Land ihrer Vorväter bereisen und dort leben können.

Es fällt zunehmend schwerer Bereiche zu finden, wie die von deutschen Politikern viel beschworene westliche Wertegemeinschaft (WWG) zu definieren sei, wenn der Hauptpartner auf Abwegen ist. Risse bestehen in mindestens 5 Bereichen:

  1. Konfliktlösungen durch Kriege oder Diplomatie.
  2. Dekrete oder demokratische Gesetzgebungsverfahren.
  3. Gewaltentrennung oder Gewaltenteilung.
  4. Welche Menschenrechte gelten?
  5. Welche Strukturen braucht die Demokratie z.B. präsidentielle oder repräsentative Parteiendemokratie, partizipative oder direkte Demokratie?

Gegen die gegenwärtig vom nordamerikanischen Präsidenten betriebene rüde Art von Politik, gibt es in den USA und weltweit Gegenwind. Das ermutigt.


Über den Autor: Günter Buhlke ist Jahrgang 1934 und Dipl. Volkswirtschaftler. Er studierte an der Humboldt Universität und der Hochschule für Ökonomie Berlin. In den 1960er und 70er-Jahren war Buhlke international als Handelsrat in Mexiko und Venezuela tätig und Koordinator für die Wirtschaftsbeziehungen der DDR zu Lateinamerika. Später Vorstand einer Wohnungsgenossenschaft, Referent im Haushaltsausschuss der Volkskammer und des Bundestages und von 1990 bis 1999 Leiter der Berliner Niederlassung des Schweizerischen Instituts für Betriebsökonomie. Günter Buhlke ist verheiratet, lebt in Berlin und engagiert sich ehrenamtlich. Sein Beitrag erschien erstmals bei unserem Kooperationspartner Pressenza.


Foto: Uncle Sam; Puplic Domain

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