Dokumentation: Ich kämpfe, also bin ich

Yannis Youlountas zeigt in seiner Dokumentation „Ich kämpfe, also bin ich“ die andere Seite von Europa.

 

Arbeitslosigkeit, Zwangsräumungen, Umweltzerstörung, soziale Verwerfungen: Yannis Youlountas zeigt in seiner Dokumentation „Ich kämpfe, also bin ich“ die andere Seite von Europa.

Der Dokumentarfilm „Ich kämpfe, also bin ich“ (Je lutte donc je suis) des französisch-griechischen Philosophen, Schriftstellers und Regisseurs Yannis Youlountas findet seine eigentliche Einleitung mit einem Zitat von Albert Camus (1913 – 1960):

Die Hoffnung, ganz im Gegensatz zu dem, was man glaubt, bedeutet Resignation. Und Leben heißt, nicht zu resignieren.

Es ist die wiederkehrende politisch-philosophische Begleitung, die dem Film seine Stärke verleiht. Sie unterstreicht die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung, die in einem System aus gegenseitiger Bewertung und der Reduktion des Individuums auf die Rolle des Objekts und dessen Nutzwert nicht realisierbar ist.

Youlountas führt die Zuschauer zuerst in den Süden Spaniens. Dort haben im Zuge der 2007 beginnenden Finanz- und Wirtschaftskrise unzählige Menschen erst ihren Job und dann ihre Häuser an die Banken verloren, weil sie die Kreditraten nicht mehr zahlen konnten. Leer stehende Wohngebäude wurden besetzt. Aber nicht von autonomen Gruppierungen, sondern von ganz normalen Familien, die die steigenden Mieten nicht zahlen können.

Arbeitskämpfe und Demonstrationen in Griechenland und der Widerstand gegen Zwangsräumungen in Spanien werden thematisiert, aber auch selbstorganisierte Medienprojekte, Kooperativen und Solidaritätsinitiativen gezeigt.

Außerdem wird kritisch auf die Kapitalinteressen eingegangen, die sich hinter den erneuerbaren Energien verbergen. Am Beispiel der Insel Kreta, auf der ein massiver Ausbau der Windenergieanlagen erfolgt, entlarvt „Ich kämpfe, also bin ich“ ein System aus verdeckter Enteignung und Profitmaximierung auf Kosten von Mensch und Natur. Bewohner der Insel bezeichnen die beteiligten Energieunternehmen als Kolonialisten, die mit dem Trojanischen Pferd der „grünen Entwicklung“ das Land an sich reißen.

Affiche du film Je lutte donc je suis (Foto: Maud Youlountas; Lizenz CC0)

Plakat zum Film „Je lutte donc je suis“. (Foto: Maud Youlountas; Lizenz CC0)

„Ich kämpfe, also bin ich“ spiegelt einen Teil der Lebenserfahrungen von Youlountas wieder, der 1970 in der südfranzösischen Hafenstadt Martigues geboren wurde. Seine Mutter, eine Französin, war Lehrerin. Sein Vater, ein Arbeiter aus Griechenland, wurde 1984 auf dem Parkplatz eines Supermarkts aus rassistischen Motiven angegriffen.

Während seines Militärdienstes Anfang der 1990er-Jahre geriet Youlountas, der Offizier hätte werden können, in Konflikt mit seinen Vorgesetzten und wurde wegen Gehorsamsverweigerung degradiert. Er ging 1992 nach Athen, entzog sich dem Militär und lebte als Deserteur in der Illegalität. Youlountas betätigt sich bis heute als Schriftsteller und Kolumnist, ist politisch aktiv und beteiligte sich an der Gründung verschiedener Zeitungsprojekte.

Er wirkte an der Realisierung der Dokumentation „De la servitude moderne“ (Moderne Knechtschaft) von Jean-François Brient mit, die 2009 erschien und den Sieg der Utopie des freien Marktes und dessen zerstörerische Kraft einer radikalen Kritik unterzieht.

2013 präsentierte Youlountas seine erste Dokumentation „Ne vivons plus comme des esclaves“ (Nicht mehr wie Sklaven leben), die vor allem in Griechenland große Beachtung fand. Zwei Jahre später folgte „Ich kämpfe, also bin ich“.


Informationen zum Film

JE LUTTE DONC JE SUIS (ICH KÄMPFE, ALSO BIN ICH)

Dokumentarfilm (Original mit Untertitel)
Spanien/Frankreich/Griechenland, 2015
Länge: 110 Minuten
Umsetzung: Yannis Youlountas
Filmwebseite: jeluttedoncjesuis.net

Der Film ist Teil des Themenbereichs „Alternative Modelle“ von labournet.tv, einem Projekt von Content – Verein zur Förderung alternativer Medien e.V.


Fotos: Maud Youlountas (CC0 1.0 Universal) und Eric Philos (CC BY-SA 3.0)

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