Meine erste Lesung

Alex Ross schreibt über ihre erste Lesung: „Ich weiß nicht, ob es gut ist. Ich weiß nicht, ob es gut für mich ist. Ich weiß nicht, ob es gut für uns alle ist …“

[Achtung! Triggergefahr: Bitte passt auf euch auf beim Lesen. Lest nicht weiter, wenn ihr das Gefühl bekommt, es tut euch nicht gut! Wie dieses Gefühl aussieht, könnt nur ihr selbst wissen.]

Mensch schaut zu den Sternen. (Foto: Greg Rakozy, Unsplash.com)


„Ich weiß nicht, ob es gut ist.

Ich weiß nicht, ob es gut für mich ist.

Ich weiß nicht, ob es gut für uns alle ist.

Ich hoffe nur, dass mein Eindruck, der Besserung für mich nach einer gewissen Zeit der Ruhe, die zu einer natürlichen Absetzung des Schmerzes nach unten und der Weisheit nach oben führte, nicht nur ein Eindruck bleibt, sondern zu einer Wahrheit wird.“

-Alex Ross-


Ein Bild in der Hand. (Foto: Felipe P. Lima Rizo, Unsplash.com)


(L)

Ich bin wieder hier. Die vier Wände, ohne Fenster. Die Tische an die Wand gestellt. Auf einigen liegt etwas, andere sind vollkommen leer; ausgenommen der Kerzen. Es gibt kein elektrisches Licht. Kein Langgezogenes an der Decke oder Punktuelles in den Ecken. Nur Kerzen. Dafür viele Kerzen. Überall verteilt. Schöne runde und dicke. Eine Größe, das war wichtig. Nur steht diesmal keine Liege in der Mitte des Raumes. Diesmal ist (diese) sie auf einem Stuhl mit Armlehnen. Ihre Arme und Hände sind darauf festgezurrt. Ich sehe wie die breiten Plastikbänder sich leicht in ihre weiche Haut drücken. Ihre Haut … ich erinnere mich … an … sie. Sie ist weich. Und süß, ja ich glaube, sie schmeckte süß … ich hätte sie so gern gekostet … damals … wieder … Ich erinnere mich an ihre Berührung. Unsere Berührung. Die Berührung unserer Finger, wie ihr Daumen über meine Haut streicht. Die Erinnerung nimmt mich ein und beginnt mich zu betäuben. Wie in einem nebeligen Traum sackt mein Kopf leicht nach vorn und ich sehe, wie meine linke Hand meine Rechte streicht, genau, wie sie es getan hatte. Das Trugbild wird zum Tagtraum. Das bringt mich wieder etwas zur Besinnung. Lässt den Nebel an den Rändern meines Blickes wieder verschwinden. Ich konzentriere mich und sehe wieder nüchtern zu ihren Händen. Ich erinnere mich an ihre Uhr am linken Handgelenk. Ich wollte sie ihr abnehmen und neben mich auf den Tisch legen, aber dann hab ich sie ihr gelassen. Sie ist bronzen-golden. Das Ziffernblatt kaum lesbar. Ich hab sie ihr gelassen. Warum weiß ich selbst nicht. Ich hatte sie eigentlich nackt vor mir haben wollen, ohne jede anregende Erinnerung. Die Uhr erinnerte mich und doch ließ ich sie ihr. An ihrem schlaffen Handgelenk.

Von ihren Fingern gleite ich hinab auf den Boden. Die Kerzen bilden einen perfekten Kreis um die Stuhlbeine mit einem freien Gang zu mir, die ich halb auf einem der Tische sitze. Das eine Bein steht stark auf dem Boden, das andere hängt leicht angewinkelt in der Luft; meine Hände liegen ruhig und locker verschränkt auf meinen Oberschenkeln. Nichts zuckt in mir. Mein Atem geht ruhig und entspannt. Nur meine Augen bewegen sich; forschend. Forschend sehe ich mir ihre Beine noch einmal an. Bewusster. Auch sie sind mit breiten Plastikbändern an den Stuhlbeinen festgemacht. Sie sind schmaler … Und wieder … (der Nebel von den Seiten) … erinnere ich mich. Meine rechte Hand streicht über ihre linke Hüfte … Mein Kopf dreht sich nach links und einmal im Kreis; ich schüttel ihn, um loszukommen. Ich darf nicht in meinen Erinnerungen versinken. Ich WILL nicht in meinen Erinnerungen versinken. Zu oft habe ich das getan. Mich diesen Träumen hingegeben … Zu oft hab ich zugelassen, dass diese Macht von mir Besitz ergreift und mich von anderem abhält, und beginnt mich zu lähmen. Schluss damit!

Bei der Drehung fiel mein Blick rechts neben mich. Meine Arme hatten sich automatisch vor meiner Brust verschränkt; bei dieser Erinnerung. Ich lasse meine Arme wieder sinken. Lasse die Spannung aus meinen Schultern sinken. Versuche die ekelhafte Anspannung, die meinen ganzen Körper befallen hat, in den Boden fließen zu lassen. Es funktioniert, der Druck in meinem Hinterkopf lässt wieder nach. Und jetzt folge ich innerlich meinem, schon auf den Tisch gerichteten, Blick. Zweierlei liegt neben mir. Sie sollten eigentlich der Uhr Gesellschaft leisten, aber ich hatte sie ihr ja gelassen. Mit meiner Rechten greife ich nach einem der kühlen Griffe. Schön geschmeidig schmiegt er sich in meine wieder auf meinem Oberschenkel ruhende Hand; mein Zeigefinger schiebt sich vor den Abzug. Es fühlt sich gut an. Nun steigt mein Blick von der schwarz, schlanken Schönheit zur anderen im Raum. Heftet sich diesmal auf ihren Kopf, der nach vorn gekippt, die langen blonden Haare offen, ihr Gesicht verdeckt. Wieder steigen Erinnerungen auf: Ihre Haare lassen ein Foto in mir aufsteigen. Umwerfend hübsch. Die blonde Mähne säumt das leicht runde Gesicht und ihre blauen Augen geben einem das Gefühl, sie würden dem Betrachter durch die halb rahmenlose Brille direkt in die Seele schauen. Aber diesmal übermannt es mich nicht. Die Spannung lässt mich den Griff fester fassen, aber der Rest bleibt entspannt. Ich schaffe es! Sie! Hat! Keine! Macht! Mehr! Über! Mich!

Ich beginne, sie auf eine andere Weise anzusehen. Ich spüre … es ist fast so weit. Mein Inneres wartet auf das Perfekte. Bis sich alles Angekommene in richtiger Folge und Form am richtigen Platz befindet und es Zeit ist, loszulegen. Es passiert automatisch, wenn man sich davon treiben lässt, wenn man das nötige Vertrauen zu lässt. Das Vertrauen in die Geduld des Lebens. Beide arbeiten sie zusammen und werden doch erst durch das Vertrauen zur Vollendung gebracht; dass ein Wunder entsteht. Eine Personifikation der perfektionierten Schönheit geboren werden kann. Die Schönheit allerdings liegt immer im Auge des Betrachters oder des Erschaffers.

Plötzlich durchzuckt es mich leicht und fühlt sich doch wie ein heftiger Stromschock an. Ich erhebe mich von meinem Tisch; ganz automatisch. Das ist das Vertrauen, was einem den Weg zeigt und einen den ersten Schritt machen lässt, einen aber dann sich selbst überlässt. Es ist schließlich immer noch unsere eigene Entscheidung, WAS wir mit diesem Weg anfangen …

Im selben Moment, wie ich aufstehe, den Blick fest auf ihren gesenkten Kopf gerichtet, dem Nachklingen meines Schocks nachspürend, zuckt es auch in ihr. Die Perfektion … beginnt. Wie das Wunder einer Sonnenfinsternis. Es ist da, es ist angerichtet. Die Geduld hat sich gelohnt, der Weg ist bereitet … Schon kann ich die Geister hinter mir spüren … Ihre Blicke in meinem Rücken, in heller Aufregung, ob ich es wirklich wage; diesen Weg zu beschreiten. Schon kann ich ihr Flüstern hören … ‚Wird sie es doch nicht tun?‘ ‚Doch ganz gewiss. Geh … Geh deinen ersten eigenen Schritt!‘ Es ist doch auch immer noch unsere eigene Entscheidung. Ich spüre die Perfektion. Sehe, wie sich ihre Finger langsam bewegen. Das Fenster der Perfektion beginnt, sich nun zu verschieben. Die vollständige Sonnenfinsternis ist fast erreicht. Es ist schließlich nur ein kleines Zeitfenster, das von Geduld und Leben geschaffen wird. Nur wenige Minuten dauert dieses Wunder. Und wir müssen dann schnell entscheiden. Aber das hatte ich schon, bevor ich ihr Flüstern gehört, bevor ich ihre Anwesenheit gespürt, ja, schon bevor ich sie überhaupt hier hergebracht hatte.

Ich betrete diesen Pfad in Form des kerzenbeleuchteten Ganges. Zur vollkommenen Finsternis. Bereit sie Unendlichkeit werden zu lassen. Ich gehe auf sie zu. Sie ist immer noch zu betäubt, um ihren Kopf zu heben, aber in ihre Finger kommt immer mehr Leben. Eine Freude steigt langsam in mir auf. Meine Freude auf das Kommende, ohne die ich nicht mehr leben könnte. Ohne die ich nicht den Mut hätte. Ohne die die Stimmen hinter mir sehr viel lauter wären.

Ich komme vor ihr zum Stehen, bleibe aber nicht lange. Geh um sie herum. In ihrem Rücken hält es mich. Ich schließe die Augen für einen Moment und atme ihren herrlichen Duft ein. Unbeschreiblich für alles außerhalb meiner Selbst, aber für mich … die Erregung eines Traums an eine Erinnerung, an ein Gefühl von „zu Hause“. Ein Geruch, in dem ich ertrinken könnte. Ich wollte ihn in unbegrenztem Maße riechen ohne zeitliche Einschränkung oder gesellschaftlicher „Distanz“. Ich wollte ihn für mich haben, ohne Limit. Also musste ich die Quelle mir zu eigen machen und das hatte ich jetzt!


Das war mein Anfang. Eine Kurzgeschichte aus meinem Manuskript „Ich wurde vergewaltigt. Aber das ist es nicht, was mich zerstörte. Nicht das, was mir angetan wurde, sondern das, was mir verwehrt wurde.“

Ich will nicht viel zu diesem Papier erzählen, weil es noch nicht fertig ist, deshalb nur so viel: Ich erzähle meine eigene Geschichte. Meine Empfindungen, meine Erinnerungen, meine Wahrheit. Ob ihr sie für ehrlich/wahr oder erfunden haltet, ist mir gleich. Es ist meine Geschichte, meine Seele. Ihr müsst es nicht lesen. Ihr müsst keiner solcher Geschichten glauben; ihr könnt einfach weiter wegsehen; das geht! Aber es verändert nichts. Nichts in meinem, noch in euren verdrehten Köpfen. Verdreht, weil wir uns von uns selbst abwenden und nicht sehen. Lieber Hans Guck-in-die-Luft. Das geht! Aber es ändert nichts. Nichts für mich, noch für die Kinder, die noch folgen werden …

Das Papier teilen sich drei Geister: Der erste Geist sind meine Erzählungen, meine Vergangenheit, das, was mir passiert ist. Dem zweiten Geist habt ihr schon gelauscht. Seiner siebten Geschichte. Er erzählt, was in mir gewachsen ist. Hier, ein Versuch zu erklären, warum ich über Gewalt schreibe:

Mensch im Dunkeln. (Foto: Melanie Wasser, Unsplash.com)

We all have fears. Darkness, death, automatic flushing. These fears make up who we are. We should embrace them. Face them head on. Don’t let them define you.


Sie stellen sich jetzt bestimmt die, berechtigte, Frage: Was haben diese beiden Geister miteinander zu tun? Was haben erschreckende, zerstörerische Erzählungen aus reiner Angst, Ekel, Scham und Schuldgefühlen mit einem „krankhaften“ Es zu tun, was zum Mord verleitet.

Wie kommt es, dass aus einem kleinen, neugierigen, aufgeweckten Mädchen etwas wird, was mit perfekter Bravour das Tödliche in ihr verbergen kann? Sodass niemand es gesehen hätte, wenn sie nicht begonnen hätte, darüber zu reden. Was haben diese Frau und dieses Kind gemein? In meiner Empfindung … Nichts mehr. Für mich habe ich keine Verbindung mehr zu ihr. Bin neugeboren … Das Ergebnis einer ekelhaften Geburt aus der Verbindung von Vergewaltigung und „nicht-zuhören“/ „nicht-sehen“ – wollen? Vllt? Wollen Sie sehen? Wollen Sie die Zerstörung überhaupt sehen? Oder sich lieber in Ihre ach so perfekten Welten hinter Zäunen und Geld verstecken? „Geht mich nichts an. Sind ja nicht meine Kinder.“ Wirklich? Es sind nicht Ihre Kinder … Aber es könnten Ihre Kinder werden, wenn die Gewalt sich ihrer bewusst wird und sie einsaugt. Und diese Gewalt kommt nicht ausschließlich von irgendeinem Fremden, sondern auch von Ihnen selbst, auch wenn Sie sich dessen nicht einmal bewusst sind. Wenn Sie für sich eine tolle Vergangenheit hatten, so hat jeder Mensch, dessen frühere Generationen einmal mit Krieg oder ähnlichem Kontakt hatten, sein Paket zu tragen, was von Generation zu Generation weitergegeben wird, gerade, wenn kein Wort darüber fällt. Und mit jeder Generation, die nicht darüber redet, schwerer wird, aber vielleicht spüren sie es nicht mal, weil die Schutzwälle in uns zu gut geworden sind. Das Opium.

Schotten Sie sich ruhig weiter ab. Mit noch höheren Zäunen, aber das löst die Probleme nicht! Zäune sind keine Salzsäure, die alles zerfrisst. Eine Lösung? Es gibt keine „eine“ Lösung. Es gibt keine Generallösung! Verabschieden Sie sich von dieser Illusion. Ich habe keine Lösung. Aber ich sage Ihnen, was mir sicher geholfen hätte: Zuhören. Hören Sie Ihren Kindern zu.

Denn dafür sind Sie Eltern. Sie haben Ihren Kindern zuzuhören. Egal, was Ihnen passiert ist. Wissen Sie, warum das egal ist? Weil Sie es mit einem Kind zu tun haben. Das kann Ihnen nicht zuhören, geschweige denn ihre Wunden heilen. Sie haben es hier mit einem so zerbrechlichen, neutralen Wesen zu tun. Dass Sie nicht retten kann. Aber Sie können es zerstören, wenn Sie meinen diese Pflicht dem Kind aufbürden zu müssen. Und sich nicht helfen lassen.

Nicht jeder schafft es die Worte „Ich bin vergewaltigt worden“ zu formulieren, geschweige denn zu wissen, was diese Worte überhaupt bedeuten. Ich wusste es nicht und erst zehn Jahre später, in denen die Wunden so tief geschlagen worden sind, von einem Mix aus Böswilligkeit, Zufall und Unfällen, dass sie jetzt Gift versprühen, was mich so viel Kraft kostet, es bei mir zu behalten. Weil ich weiß, wie falsch es wäre dem nachzugeben. Zehn Jahre. Erst jetzt habe ich die Kraft es zu formulieren: Ich bin vergewaltigt worden. Was nur der Auslöser für Vieles war, was mir verwehrt oder genommen wurde. Und jetzt rede ich darüber, weil es wichtig ist, dass wir aus unserer Vergangenheit lernen: Wie wir es nach einem kleinen Neuanfang besser machen können.

Sie stellen sich die Frage, warum ein junges, hübsches Mädchen anfängt, über Gewalt zu schreiben. Sie fragen sich warum hat diese junge Frau sexualisierte Gewaltfantasien. Ganz ehrlich: genau diese Frage stelle ich mir selbst auch und ich habe keine Antwort. Dieses Buch kann auch eine Art Dokumentation sein. Eine Forschung am Menschen. Von mir an mir. Ich kann Gewalttäter verstehen. Was sie tun, wie sie es tun, was ein Hintergrund ist. Aber ich kann nicht sagen, warum. Ich kann auch sagen, was der Hintergrund dafür ist: Die Gewalt, die mir selbst wieder fahren ist. Das ist aber immer noch nicht das Warum. Viele Forscher, viele Psychologen wissen viel mehr als ich über die menschliche Psyche und die Systematiken wie z.B. der IS neue Rekruten gewinnt. Und wie man diesen Nachschub abschneidet, aber in all dem, was ich bisher an Forschung zum IS erfahren habe, ist der Gedanke an der Grundsubstanz dieses Nachschubs zu arbeiten, noch nicht gefallen. Und die Grundsubstanz ist der Mensch, genauer die Seele. Ich kann Ihnen vllt nur eine Erklärung geben, warum Menschen zu so etwas fähig werden, aber ich glaube, das ist der einzige ursprüngliche Grund: Es wird nicht mehr zugehört. Wir haben verlernt, uns zuzuhören und aufmerksam unser Gegenüber zu sehen. Und diese jungen Menschen suchen sich dann jemanden der zuhört. Und sind dann so verletzlich und naiv, eine perfekte Mischung, als Opfer zu dienen. Ob nun als Kanonenfutter für Terroristen oder als Fickmodel für einen sexuell-kranken Geist. Der junge Mensch hat keinen Plan, von was der Typ eigentlich redet, „aber er macht was mit mir und hört mir zu. Dem kann ich was erzählen bzw. der ist mir „freundlich gesinnt“ nah.“ Bis man völlig eingesponnen ist von seinem Speichel aus Lügen und Versprechungen, dass man nicht mehr rausfindet. Wie bei Frodo. Überall Tunnel, keine Ahnung haben, wie man hierhergekommen ist und mit der ständigen Angst vor ihrem Gift im Nacken. (Eine klare Sache, wenn es so läuft. Wenn es einen Bösewicht gibt. Einen klaren Bösewicht. Eine einfache Denke. Aber was ist, wenn es so ist, wie bei mir und meinem Bruder? Dann ist nichts klar. Ich kann ihm seine Behinderung nicht vorwerfen, wie z.B. eine Alkoholkrankheit. Er wurde so geboren. Ein Trinker entscheidet sich am Anfang zum Trinken, mein Bruder konnte sich nie entscheiden. Er wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und ich kann zum Verrecken nicht wütend auf ihn sein. Was noch mal eine schöne Komponente meines Chaos ist, was das Ganze nicht einfacher macht.)

Das „nicht zuhören“ ist nur eine kleine Sache, aber ich führe Ihnen mal auf, was das für mein Leben bedeutet hat. Für meine Kindheit bzw. frühe Jugend:

Mein neugieriges Wesen, mein Drang die Welt zu erobern, hat so manchen entzückt, aber auch die auf den Plan gerufen, die im Gebüsch auf das kleine Rehkitz warten, um es zu reißen. Ich habe mir die Welt alleine angeschaut. Bin in meiner Kindheit über die, für mich, noch so riesige Welt gewandert. Mit nackten Füßen, die sich in die, von der Sommersonne aufgeheizten, frisch gepflügte Erde des Ackerfeldes gruben. Heute ist das meine Erinnerung an grenzenlose Freiheit der Seele. Aber schnell ziehen in diesem Bild die schwarzen Wolken am Himmel auf und ich spüre die Einsamkeit auf diesem Weg, den ich hier beschreite. Und das Kinderglück in mir weicht einem tosenden Gewittersturm, der tiefe Furchen neben mir in den Boden schlägt. Das, was mir passiert ist, ist eine dumme Abfolge. Eine dumme Lawine von Ereignissen, die mit einem kleinen Stein angefangen haben und jetzt drohen mich in Form einer riesigen Steinlawine zu überrollen und Teil ihrer zu werden und folgsam andere niederzumachen. Das, was ich Ihnen klar machen möchte, ist das Wichtige hier, damit wir miteinander leben können, dass wir auf die kleinen Dinge achtgeben. Denn die sind der Anfang. „Der Anfang ist das schwerste beim Schreiben.“ Der Satz stimmt schon. Aber man kann es auch anders auslegen: „Der Anfang ist das Brutalste.“ Der Anfang ist der brutalste Einschnitt und alles andere folgt dann automatisch, wenn man nicht wieder Herr über das Lenkrad wird. Wenn man den Autopiloten nicht abstellt. Und weiter macht wie bisher: „Ach ist doch nicht schlimm.“ „Wird schon werden.“ Oder in meinem Fall: „Das hier … übersteh’s einfach und … Lass es vorbeigehen und dann … passiert’s schon nicht wieder.“

Meine Familie war brüchig, es gab keine feste, starke, tragende Beziehung zwischen meinen Eltern, die fähig gewesen wäre drei Kinder zu tragen, auch ohne Behinderung. Aber genau das war hier der Fall: Mein Bruder hatte eine Behinderung, mein Vater nicht fähig schon allein das mitzutragen. Und dann kamen noch zwei Mädchen auf die Welt, die auch Mutter und Vater gebraucht hätten, um die ersten Schritte in dieser Welt gelehrt zu bekommen. Ich kann nur für mich reden und für das, an was ich mich erinnere. Aber ich musste diese Schritte alleine tun. Mein neugieriges Wesen brachte mich in die Welt, und weil keiner da war, habe ich mein Glück eben selbst gesucht. Die Welt auf eigene Faust erkundet. Was dazu führte, dass ich jetzt alleine auf meinem Weg bin und keinen neben mir dulde, aus reiner Angst, diese Person könnte wie die anderen in meine Seele fassen und ich könnte nichts tun, um sie zu stoppen. Die einfachste Berührung auch von einer verwandten Seele wird zu einer brennenden Qual und ich schaffe es nur mit Mühe dem nicht mit maßloser Gewalt zu begegnen, weil ich es nicht kann, das mit Worten zu sagen.

Eine Mutter allein kann keine drei Kinder auffangen. Nicht, wenn eines davon auch noch eine Behinderung hat und das dritte so neugierig und weltgewandt ist, wie nur irgend möglich. Drei Kinder allein, okay. Wenn die Außenwelt nicht wäre. Stellen Sie sich eine Schale, ein Becken vor, das von zwei Händen getragen wird und bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist. Die Hände gehören zur Mutter, die Schale ist die Familie und das Wasser die Kinder.

Von außen, und das kann keiner verhindern, kommen Einflüsse auf dieses Gebilde zu. Auf die Mutter selbst, die vllt zittrig wird oder Mühe hat die Schale zu tragen, weil das Laufen, in Form von Arbeit, und „für die Kinder sorgen – sich ein Stück weit aufgeben müssen“, so viel Kraft von ihr abverlangt, dass das Becken nicht immer ruhig in ihren Händen liegt.

Am Becken wird gezogen von fremden Händen in Form von Freunden, Nachbarn, externen Verwandten, Schule – schlicht das Leben.

Und dann der Wind, der den Inhalt, die Kinder – Geschwister, auf natürliche Weise erfasst. Und so ganz schön Trubel verursacht.

All das, kann das Gleichgewicht beeinflussen. Und wenn die Hände der Mutter durch die Hände des Vaters oder umgekehrt unterstützt würden, wenn die Schale groß genug wäre bzw. das Wasser nicht bis zum Rand stehen würde, wären alle Widrigkeiten von außen locker zu tragen. Aber wenn eines oder alles nicht zusammenpasst, dann ist klar, dass irgendwer Abstriche machen muss. Und zwangsläufig sind das die Kinder, weil sie dem allem rücksichtslos ausgeliefert sind. Die Eltern stehen schon, aber die Kinder? Irgendwer muss verzichten, weil die Schale zu klein ist, das Wasser zu hoch, eines der Elternteile nicht vorhanden und/oder die äußeren Einflüsse zu stark sind. Was passiert? Das Wasser schwappt über und es fallen Tropfen zu Boden. Und selbst wenn alles sich wieder beruhigt. Etwas fehlt und kann nicht mehr von menschlicher Kraft zurück in dieses Becken fließen. Sondern muss, wenn überhaupt, nachgefüllt werden. Neu hinzugefügt werden.

Oder die Schale ist sogar heruntergefallen, hat Risse oder ist ganz zerbrochen.

Das ist bei mir der Fall. Meine Mutter versuchte in der hohlen Hand das Wasser zu halten, was aber nur wenig Wasser bei ihr, in den sicheren Händen, hielt. Die Familie gebrochen am Boden, verteilt in alle Ecken, der Bruder leblos am Boden und die letzten Reste tummeln sich in der kleinen Handfläche, mit stetigen Tropfen hin zu dieser toten Welt. Noch nicht vollends dort, aber auch nicht mehr bei der Mutter bzw. dem Versuch eine Familie zu sein. Und der Rest, der noch bei ihr verbleibt, ist durch Dreck und Schlick verdorben, den der Wind und fremde Hände gebracht haben. Der Vater überhaupt nicht mehr da.

Brach liegt dieses Bild meiner Familie da. Ich betrachte meinen Bruder, der langsam entschwindet in der Luft, in die Welten, die uns noch entsagt sind. Ich sehe meine Schwester von uns wegfliehen, meine Mutter in ihrem eigenen Schmerz. Blicke mich um nach meinem Vater, der nirgendwo zu sehen ist, und mich. Wie ich mich in meinem Dreck wälze. Den Schlick versuche abzuwerfen, aber es alleine kaum schaffen werde.

Was fange ich an mit dieser Trostlosigkeit in diesem Stillleben. Was ist es bei Ihnen? Wie würde Ihre Familie, ihr Stillleben aussehen? Heiler als meines? Ich hoffe auf weniger Schlick bei Ihnen.


Ich schreibe zwar über Gewalt und es ist interessant, sich mit diesem Teil in sich zu befassen. Wut ist ein natürliches Gefühl. Es gehört zum Menschsein dazu. Aber ich konnte nie wütend sein. Etwas in mir hat es mir verboten. Ich habe noch nicht herausgefunden was oder wo es begründet ist; dieses Verbot. Aber Gefühle suchen sich ihren Weg durch jedes Verbot, über jede Mauer, um jedes Hindernis … so auch meine Wut.

Aber Gewalt ist nicht die Lösung:

„Quiet reflection“

Mensch spiegelt sich im Wasser einer Pfütze. (Foto: Warren Wong, Unsplash.com)


„Ich wurde vergewaltigt.“

War ich wütend?
Sehr sogar.

Bin ich immer noch wütend?
Durchaus.

Ich werde wütend, wenn ich sehe, dass ein Vater seine Hand auf die Beine seiner Tochter legt und in ihrem Gesicht klar zu erkennen ist, dass sie das nicht will!

Ich werde wütend, wenn ich sehe, dass Politik nicht für das Volk gemacht wird, sondern für die Wirtschaft!

Ich werde wütend, wenn ich Studien lese, die belegen, dass wenige Menschen viel haben und viele Menschen wenig!

Lass ich zu, dass mich diese Wut lähmt?
Nein.

Ich würde blind werden, gegen die Liebe.

Ich würde blind werden, gegen die Hoffnung.

Ich würde blind werden, gegen jede Art von Gefühl.

Und dadurch würde ich mir selbst die Kraft aussaugen und meinen Peinigern und allen anderen Tätern die Macht über mich und allen anderen Menschen, wie Opfern, freiwillig überlassen.

Und damit würde ich mich selbst verleugnen, gegen meine Seele handeln und kalt werden.

Zu dem werden, was sie sind. Ich würde mich keinen Deut von meinen Peinigern unterscheiden und mithelfen das Geschwür der Gewalt, des Hasses, der Schmerzen und der grenzenlosen Zerstörung weiter wachsen zu lassen.

Mein Schmerz würde nicht weniger werden.

Er würde sich einfach nur kopieren. Die Hydra der Geißel der Menschheit würde nur noch einen Kopf mehr bekommen, wir würden weiter in unserer dunklen Höhle gefesselt bleiben und nur den Schatten unserer Träume und Heilung nachschmachten. Die Menschheit würde nie das Licht der Welt erblicken.

Und mein Weg ist das nicht!


(N)

Anfang

Ein Tag. Ein Abend. Ein Fest. Ein Blick!

Mitte

Schrift. Kontakt. Eine Verabredung!

Ende

Bruch!

Ein (nicht) Erwachen. Aufbäumen und Nachgeben! Ein Raum; dunkel, spärlich beleuchtet. Kerzen, verteilt auf dem Boden, zwei Tischen, dem Türrahmen. Zusätzlicher Schein durch den Bildschirm des Laptops auf einem der Tische. Das Licht der Kerzen auf der Tastatur. Benutzt zum Zeitvertreib des Wartens. Warten auf sie.

Nun sitze ich auf meiner Liege. Am Ende, ganz am Ende. Vornübergebeugt, Unterarm und Ellenbogen auf den Knien, ein starrer Blick ins Nichts mit leichtem Wiegen des Kopfes von links nach rechts. In meiner rechten Hand spiele ich auf Kopfhöhe mit meinem silbernen Buben mit Ahorngriff. Das Kerzenlicht bricht sich auf dem glänzenden Metall; geformt zur Spitze, perfektioniert zur Schärfe. Die Spiegelung der Flammen tanzt mit meiner Bewegung über den Boden, die Wände und trifft auch auf sie. Sie ist still, liegt bewegungslos auf der anderen Liege. Inmitten des Zimmers. Umringt von Flammensäulen. Das Licht spielt über ihre herrliche Figur. Schlank und schön. Offen, zu sehen. Nur das Blau ihrer Augen ist verschlossen. Ein Blau der Tiefe des Meeres gleich. Auch gleich die Wirkung auf mich. Zuerst das herrlich warme Versinken und dann das schreckliche Ertrinken.
Das Licht tanzt weiter, aber plötzlich bleibt es stehen. Die Bewegung hat gestoppt; mit dem Hören. Dem Hören ihrer Bewegung. Erst ein Zucken in ihren feinen Zügen ihres unglaublichen Gesichts. Über ihrer Stirn ein Kräuseln und dann ein leises Ächzen. Meine Finger schließen sich fest um den Ahorngriff, mein Blick klärt sich und heftet sich auf den schwach beleuchteten, sich bewegenden Körper. Ich sehe sie ihre Augen öffnen, wappne mich mit einem tiefen Atemzug mit geschlossenen Augen. Konzentriere mich, zur Wehr, auf mein Erwachtes. Nicht auf das vergangene Schwache. Sie blickt um sich, dreht ihren Kopf, zuckt zusammen und fasst sich, erneut stöhnende, an den Kopf. Sie blinzelt. Ihr Blick klärt sich langsam und sie setzt sich auf; lässt ihren Blick umherschweifen, setzt eines ihrer Beine dabei von der Liege auf den Boden und begegnet meinem Blick. Sie stockt; ihr Atem setzt aus. Mein Kopf zuckt nach rechts und ihr Blick auf meine rechte Hand. Ich sehe wie sich ihre Augen weiten und sich ihr Atem beschleunigt. „Hey … was …?“ Ich stehe auf. Meinen Blick fest in ihren gerichtet. Ich sehe Angst; ihr Blick flackert. Zwischen meiner Hand und meinen Augen hin und her, während ich auf sie zu gehe; mit schrägem Kopf. Sie steht auch auf. Schnell. Mit dem Gesicht zu mir, geht sie rückwärts um die Liege. Mein Schritt ist fest und stetig. Ihrer bedächtig, aber zittrig. „Hey, was soll das hier?“ Ihre Stimme ist brüchig. Sie stößt gegen Kerzen. Erschrickt. Sieht hinunter; schnell wieder zu mir. „D-du … musst d-das … nicht tun.“ Ich spiele mit meinem Buben. Lass es durch meine Hand rollen. Sie zittert. Hebt abwehrend die Hände. Unsere Schritte haben sich angeglichen. „Wirklich. Ich sage auch keinem was davon! Bitte … “ Ihre Lippen beben und ihr beginnen, Tränen über die Wangen zu laufen. „Lass mich einfach gehen.“ Sie zuckt heftig zusammen, als sie an den Tisch vor der Wand stößt und nicht weiter kann. Sie ist wie gelähmt. Ich verlangsame mein Tempo nicht. Gehe die letzten zwei Schritte zu ihr und hebe meinen Buben in die Luft. Auf Höhe meiner Brust und ihres Halses. Drehe ihn hin und her zwischen meinen Fingern. Bleibe stehen kurz vor ihr und hole tief Luft. Atme ihren Geruch ein. Sie … atmet … stockend. Schluchzt und hält sich an der Tischkante mit beiden Händen fest. „Bitte.“ Ihre Stimme ist nur noch ein gebrochenes Flüstern. „Gehn.“ Spreche ich mein erstes Wort. Sie schnappt nach Luft: „Ja, ich sag keinem was, versprochen!“ „Und du meinst, das soll ich dir glauben?“ „Ja, natürlich.“ (Sie) Ich nicke langsam, lass meinen Blick von ihrem Gesicht leicht abdriften: „Nein. Ich sehe keinen Grund, dir zu glauben. Du bist auch nicht anders als alle anderen. Hältst nicht, was du sagst.“ „Wieso? Doch.“ Sagt sie verwirrt, ihre Angst vergessend. „Ich hab …“ „ … mich angelogen!“ Presse ich zwischen meinen geschlossenen Zähnen hervor und halte meinen Buben nah mit der Spitze an ihre Kehle. Sie zittert, beugt sich zurück. Bebt. Ich sehe auf ihre zusammengepressten Augen und Lippen. Die Wut verfliegt, wie sie gekommen ist. (Löst sich auf. Meine Hand schiebt sich einen Zentimeter zurück.) Sie scheint es gespürt zu haben; sie traut sich, zu sprechen. Glaubt an das Ich, dass sie kennengelernt hat, in mir. „Ich habe nicht gelogen. Es tut mir leid, dass ich dir Hoffnung gemacht habe, aber ich hab dir von Anfang an gesagt, dass ich mich nur ausprobieren will. Und nicht …“ „Das ist auch nicht mein Punkt.“ Sage ich wieder wütend. „Wie war das mit dem Kennen-lernen-wollen und dem nicht einfach so fallen lassen?“ Sie öffnet ihre Augen. „Ich versteh es einfach nicht.“ Zische ich. „Erst große Töne spucken und dann die gleiche Masche abziehen, wie alle anderen auch. DIESE Hoffnung macht mich krank. Nicht die auf Körperkontakt!“ Wir sehen uns direkt an. Direkt in die Augen. Die Körper nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Und ich merke, wie ihr Blau mich in die Tiefe zieht. Mir die Kraft raubt. Ich spüre, wie meine Wut schwindet und einer einfachen Enttäuschung, Trauer und kraftberaubten Müdigkeit weicht. Ich merke, wie mein mörderisches Ich sich zurückzieht und einem gleichgültigen Platz macht. Ich richte mich auf. Der Bube hängt schlaf in meiner Hand an meinem herabgeglittenen Arm. Ich merke wie sinnlos … das ist. Im Grunde bringt es mich kein Stück weiter. Auf (m)einem Weg. Aber was dann? Ist es damit gut? Meine Wut ist verflogen. Sie ist der entschiedene Zünder für eine explosive Mischung; aber verschwunden und mir bleibt nicht. Nichts mehr als eine, nicht Leere, aber … Als was beschreiben? Wie benennen? Ich lass es. Erst mal. Auf sich beruhen. Es ist ja jetzt gut. Besser. Ich hab sie fast vergessen.

Mein verschwommener Blick ins Nichts klärt sich wieder und ich sehe sie. Auf ihren Wangen sind immer noch die Spuren ihrer Tränen, aber sie weint nicht mehr. Ihre Hände greifen immer noch die Tischkante, aber verkrampft nicht mehr. Ihre Brust hebt und senkt sich ruhig. Sie öffnet ihren Mund, aber ich drehe mich einfach um. Ich will es nicht hören. Ich will nichts mehr hören; von ihr.

Ich drehe mich einfach um. Alles beginnt, sich aufzulösen. Unter ihren Händen bricht es. Alles um mich zerfällt zu Staub, mit jedem Schritt, den ich vorwärts tu. Sie hat keinen Halt mehr. Alles wird immer schwärzer um mich, verschluckt alles mit jedem Schritt, den ich tu. Ich sehe halb über die Schulter. Sie rutscht ab und fällt. Ich bleibe stehen. Ich höre sie aufschrecken. Schweißgebadet (i[n)ach] ihrem Traum. Ein heller Fleck in der Tiefe der Schwärze sehe ich sie, in ihrem Bett sitzen. Ihre Brust hebt sich schneller; schnell; ruhig.


Ich hab eine Bitte an Euch: Tut Euch nach diesen Texten etwas Gutes. Ich hab das hier nicht als Witz oder aus Aufmerksamkeitsgeilheit, sondern aus meiner inneren Notwendigkeit geschrieben. Diese Geschichten müssen geschrieben/erzählt werden. Und gehört! Nicht zum Urteilen. Nicht zum Schuldsprechen. Nicht als Abrechnung. Ich bin nicht wütend. Ich spüre keinen Hass. Ich bin nur müde und traurig. Ich hab keine Lösung. Ich weiß nicht, ob erzählen und zuhören die Lösung ist, aber ich glaube und empfinde, dass das zumindest ein Teil der Lösung ist.

Und jetzt ein Vorschlag, was das eben angesprochene Gute sein kann: Ich hab mich einliefern lassen vor einigen Jahren. Es war keine Therapie, so würde ich es nicht bezeichnen. Es war auch nicht final heilsam. Ich erinnere mich, als wäre es eine Klassenfahrt gewesen, aber mit coolen Leuten. Wir wussten nicht viel über uns, aber wir wussten, dass jeder hier war, weil wir Scheiße erlebt hatten und dass war einfach nur eine „ehrliche Basis“. Wir wussten nicht viel über uns, aber das war eine Gewissheit für jeden, von jedem. Wir haben so einiges Lustiges erlebt, weil, aufgrund dieser einen Gewissheit, konnten wir sicher sein, zumindest für diesen Teil hier in diesen Räumlichkeiten, nicht dafür verurteilt zu werden. Wir saßen alle im selben Boot. Und diese Gewissheit und die daraus geborene Akzeptanz waren sehr angenehm. Wir haben so einiges Lustiges erlebt und ich habe es „dokumentiert“:

„Without wings I can feel free“

Mensch am Meer in der roten Sonne. (Foto: Mohamed Nohassi, Unsplash.com)


  • Je später der Abend wird, desto einfallsreicher werden wir.

Sprachverwirrung

Wie einige Leute schon die „Bebe“-Sprache entwickelt haben, haben auch wir mit dem evolutionären-revolutionärem Geräuschmuster des Menschen herumexperimentiert. Unsere Idee ist, um ein Gespräch ein wenig lustiger zu gestalten, dass in einem normalen Moor Satz bzw. Gespräch Hamster einfach sinnlos Wörter eingefügt werden, die Baum nichts mit dem eigentlichen Sinn zu tun haben. Don’t call it Schnitzel. Natürlich Stein ist es wichtig völlig cool zu bleiben und sich Loch nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Man muss ganz normal weiter reden, ohne Baum zu lachen. Auch wenn die Verwirrung im Schnee Gesicht des anderen klar erkennbar ist und man loslachen will. Besonders lustig ist Punkt es, wenn mehrere, die diesen Sprachstil Rot angenommen haben zusammen mit einigen anderen Stift sitzen, die es nicht kennen. Insider Holz sind schon etwas Schönes. Gleichzeitig hat das Ganze ein Licht schönen Lerneffekt. Das Gehirn muss Feld mehrere Dinge gleichzeitig tun und je öfter Schuh man es übt, desto Löffel besser funktioniert es.

Erfrischungsgetränke

Unsere Genialität macht sich nicht nur Gedanken darum, die Welt positiv zu verändern, sondern auch über die selbstverständlichsten Dinge des Lebens: Essen und Trinken. Zwar wird hier für uns gekocht, aber hin und wieder mixen wir uns unsere eigenen Drinks.

Hier eine Auswahl der Leckereien:

  • Mortadellaschorle
  • Salamisekt
  • Leberwursttran
  • Würstchenpunsch
  • Cervenatmilch
  • Spätburgunderbockwurstmischgetränk
  • Steakshake
  • Schnitzeldrink
  • Teewurst
  • Gyroswein
  • Bratlingsirup mit einem Schuss Pfefferminz
  • Rouladenwodka auf Eis
  • Hühnerlimo
  • Königsbergerklopsecocktail
  • Schiwapschischirum
  • Fleischwurstkaffee
  • Nackenbrause
  • Pferdecappuccino
  • Rippencola
  • Blutwurstsmoothie
  • Haggishagebuttentee
  • Buttermilchfilee
  • Fois Gras-Hopper
  • Gulaschkakao
  • Kalbpirinia

Nach müde kommt blöd; und danach wir.

Wenn wir so unseren Tag bestreiten hier in der Klinik, kann das schon ganz schön anstrengend sein. In den Therapien stellt man sich seinen Gespenstern und lern im besten Fall mit harter-leichter Arbeit auch was dazu und dann ist der Abend genau das Richtige, um abzuschalten. Und bei uns kann man das wörtlich nehmen. Wir haben dann keine Kontrolle mehr über unser Sprach- und Denksystem. Das schöne Sprichwort „Nach müde kommt blöd“ haben wir voll und ganz angenommen und auch weiter entwickelt. Jetzt heißt es „Nach müde kommt blöd; und danach wir“. Sie wissen noch nicht ganz, wovon ich spreche? Okay; ich erkläre es an ein paar Beispielen:

Es ist ein Sommerabend, ein Grüppchen von Patienten haben sich entschlossen, noch ein Tee zu trinken, draußen gemütlich zusammen zu sitzen und den Abend mit einer letzten Zigarette ausklingen zu lassen. Okay, bei diesem Satz ist eigentlich alles falsch und uneigentlich auch alles falsch. Die Patienten trinken um halb zehn keinen Tee, sondern Kaffee, dass gemütlich hat mehr den Hauch eines Orkans an Ausgelassenheit und es wird (vielleicht haben einige Schlaue das in einer anderen Geschichte schon bemerkt) nicht eine Zigarette, sondern eine Packung pro Raucher zu sich genommen. In dieser Stimmung (Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass einige Medikamente genommen haben, oder? Aber gut, wir würden das auch locker ohne die hinbekommen) erzählen wir uns dann verschiedene Schwanke aus der Jugend. Da unsere Gehirne immer noch damit beschäftigt sind, sich wieder zusammenzufügen, kann die eine oder andere Steuerung ausfallen. Und das ist dann meistens die Kontrolle über das Sprechen. Dann kommen so Dinge wie „Ich hab das Internet gegoogelt“ heraus. Okay, in der heutigen Zeit ist das leider zu einem Volksmantra geworden, aber ich fand das schon lustig. Es werden Buchstaben vergessen und mit beliebig gewählten ersetzt, wie „gelf“ für „gelb“ oder „gestummen“ für „gekommen“.

Mir ist eine wunderbare Idee in den Sinn gekommen: Damit auch Sie etwas Gehirnjogging hier haben und sich nicht nur den Arsch auf ihrer Couch beim Lesen breitsitzen, sondern, dass er von selbst nur durchs Denken kleiner wird. Denn beim Denken verbrennt man die meisten Kalorien. Ist wissenschaftlich bewiesen. Heißt, Sie können weiterhin sitzen bleiben, müssen sich nicht bewegen (höchstens umblättern) und können sich nach dem Lesen eine Pizza mit extra Käse gönnen. Also, das Spiel ist eigentlich leicht. Sie lesen hier weitere Beispiele und müssen selbst erraten, was in Wirklichkeit gemeint war. Okay, los geht’s:

  • Ich musste aufstößen.
  • Zeig was ich dir geübt habe.
  • Weinst du noch unter uns.
  • Ich habe mich gedrückt ausgewählt.
  • Traumatata

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, habe ich das nach Schwierigkeitsgrad geordnet. Viel Erfolg beim Raten!

Mehr Fragen stellen. (Foto: Jonathan Simcoe, Unsplash.com)


Fotos: Rob Bates, Greg Rakozy, Felipe P. Lima Rizo, Melanie Wasser, Warren Wong, Mohamed Nohassi und Jonathan Simcoe (alle Unsplash.com).

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