Afrika – Menschenrechtsverstöße, Ausbeutung und Kinderarbeit bei der Kobaltproduktion

Kobalt wird in der Demokratischen Republik Kongo unter oftmals unmenschlichen und lebensgefährlichen Bedingungen abgebaut. Kinderarbeit ist keine Seltenheit. Namenhaften Unternehmen aus den Industrienationen ist das offenbar völlig egal. Amnesty International übt scharfe Kritik. Ein Bericht von Robert Manoutschehri.

Rund die Hälfte des weltweit abgebauten Kobalts, das in vielen Akkus von Elektronikgeräten aller Art verbaut wird, stammt aus der Demokratischen Republik Kongo.

Amnesty International (AI) weist ebenso wie andere Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bereits seit Jahren darauf hin, dass Kobalt in den dortigen Kupferminen unter oftmals unmenschlichen Bedingungen bis hin zur Kinderarbeit abgebaut wird – doch vielen Unternehmen ist das offensichtlich noch immer völlig egal.

Im neuen AI-Bericht Time to Recharge werden Unternehmen wie Apple, Samsung Electronics, Dell, HP, Microsoft, BMW, Renault und Tesla bewertet – unter anderem danach, ob seit den AI-Warnungen im Vorjahr die jeweilige Beschaffungsstrategie für Kobalt verbessert wurde. Mit schlechten Ergebnissen, denn nur eine Handvoll Unternehmen hätten zwar die Kontrollen verbessert, seien aber noch weit davon entfernt, lückenlos zu prüfen. Die meisten würden allerdings „nach wie vor nicht einmal grundlegende Schritte setzen“.

Die Menschenrechtsrechts-NGO hatte Anfang 2016 schon angeregt, vor allem das chinesische Unternehmen Huayou Cobalt als Hauptbezieher der kongolesischen Rohstoffe und Weltmarktbelieferer sowie weitere 28 in Abbau und Handel involvierte Unternehmen mit „angemessenen Schritten zu konfrontieren, um internationale Standards zu befolgen“. Im damaligen Bericht bezifferte die UNICEF rund 40.000 Minderjährige, die in den Minen im Kongo arbeiten.

„Als wir die Unternehmen damit konfrontierten, fanden wir zu unserem Schrecken heraus, dass viele unter ihnen nicht einmal grundlegende Informationen haben, woher ihr Kobalt stammt“, so Seema Joshi von Amnesty.

Der Weg des Kobalts aus der Demokratischen Republik Kongo bis zu den internationlen Märkten. (Grafik: Amnesty International)

Der Weg des Kobalts aus der Demokratischen Republik Kongo bis zu den internationlen Märkten. (Grafik: Amnesty International)

Alle kobaltverarbeitenden Unternehmen in der Lieferkette müssten im Einklang mit den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und den Leitsätzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Minerale ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht erfüllen, so die AI-Forderung.

Apple hatte daraufhin die Namen seiner Kobaltlieferanten veröffentlicht und „sei aktiv mit Huayou Cobalt in Kontakt“, um gegen Kinderarbeit in der Lieferkette vorzugehen. Auch Dell und HP hätten damit begonnen, ihre Lieferkette mit Huayou Cobalt genauer zu untersuchen. Andere größere Elektronikkonzerne „hinken jedoch gewaltig hinterher“, wobei AI neben Microsoft hier unter anderem auch Lenovo und den Autokonzernen BMW, Tesla, VW, Fiat und Renault weiterhin „deutliche Mängel“ unterstellt, beziehungsweise Volkswagen und Daimler sogar „erhebliche Mängel“.

Generell herrsche ein Mangel an Transparenz. Die Unternehmen machen ihre Einschätzung der Menschenrechtsverletzungen, die in ihrer Lieferkette möglicherweise begangen werden, nicht öffentlich – ebenso wenig sind die Sorgfaltspflichtregelungen ihrer Lieferanten transparent.

„Da der Bedarf an wiederaufladbaren Batterien steigt, tragen die Unternehmen eine große Verantwortung. Sie müssen beweisen, dass sie nicht aus dem Elend der Minenarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo ihren Gewinn schöpfen. Energielösungen der Zukunft dürfen nicht auf Menschenrechtsverletzungen aufbauen.“

Vor allem die Lithium-Ionen-Akkumulatoren (Li-Io) sind bei wiederaufladbaren Stromspeichern die derzeit führende Technologie. Li-Io ist aber nur der Oberbegriff für eine Vielzahl an möglichen Kombinationen von Materialien für Anode, Kathode und Separator. Was besonders im Falle der Traktionsbatterien von Elektroautos meist unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, dass Kobalt keineswegs „zwingend“ nötig ist, sondern de facto hauptsächlich nur bei zwei Li-Io-Varianten, NCA und NCM, zum Einsatz kommt.

Etliche Hersteller beweisen längst, dass auch gänzlich kobaltfreies Kathodenmaterial verwendet werden kann – etwa Lithium-Mangan oder Lithium-Eisenphosphat – und dabei sogar billiger, weniger anfällig gegenüber Temperatur und physischer Deformation und nicht zuletzt umweltfreundlicher ist. Und auch diese Technologie ist derzeit nur als Brücke zu Festkörperspeichern oder Li-Schwefel, Li-Luft, Zink-Luft oder Natrium-Ionen mit deutlichen Kapazitätssteigerungen zu sehen.

Diese differenzierte Betrachtung ist nötig, um nicht in die Falle eines „Energiewende- und Elektro-Auto-Bashings“ zu tappen, die gerade in Form von Diffamierungs-PR der Öl- und Autolobby mit Texten wie „Ihr E-Mobil fährt mit Kinderarbeit“ betrieben wird.

Dieses Thema sollte nicht für Politik und Wirtschaftslobbys missbraucht werden, sondern es sollten endlich wirksame Gegenmaßnahmen gegen die bereits jahrzehntelange Kinderversklavung, Arbeits- und Menschenrechtsverstöße und auch unverhältnismäßige Naturzerstörung getroffen werden.


Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Wien.Über den Autor: Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Österreich. Er engagiert sich ehrenamtlich für zahlreiche Bürgerinitiativen und NGO’s. Robert Manoutschehri lebt in Wien.

Sein Beitrag über die Ausbeutung von Kindern bei der Kobaltproduktion erschien erstmals bei unserem Kooperationspartner Unsere Zeitung – die Demokratische.


Foto/Grafik: Amnesty International

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