#MeToo – Über die Gewalt gegen Frauen im World Wide Web

Moral und Werte müssen bereits den Kindern vermittelt werden, um eine Gesellschaft aufzubauen, in der kein Platz ist für sexuellen Missbrauch und Gewalt, sondern in der Respekt, Fairness und die Achtung aller Menschen höchste Tugenden darstellen – auch im World Wide Web. Ein Beitrag von Robert Manoutschehri.

Das Internet kann für Frauen ein bedrohlicher und gefährlicher Ort sein. Online-Gewalt und sexuell motivierter Missbrauch in sozialen Medien stellen nicht nur eine unmittelbare Bedrohung für die psychische Gesundheit dar, sondern führen auch zur Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäußerung.

Kaum jemand hat es noch nicht erlebt, dass geschlechtsspezifische Beleidigungen, Anfeindungen und Drohungen in den Kommentarspalten oder im digitalen Postkasten gegen ihn gerichtet wurden.

Oftmals geschieht dies in einer Schärfe und Feindseligkeit, die sich die meisten Schreibtischtäter, die sich hinter ihrem PC und in der Anonymität des World Wide Web verstecken, im echten Leben wohl niemals zu äußern wagen würden.

Charakterlich gefestigte Menschen mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein verlachen solche Angriffe zwar vordergründig, aber nur die wenigsten überstehen ein massives Cyber-Mobbing aus Herabsetzung, Rufschädigung, Nötigung oder Erpressung tatsächlich ohne Verletzungen und Narben an der Psyche. Kinder und heranwachsende Jugendliche sind dabei natürlich am verwundbarsten – aber vor allem Frauen sehen sich im Netz mit Gewalt und Missbrauch konfrontiert.

Kurz vor dem „Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen“ veröffentlichte Amnesty International gemeinsam mit Ipsos MORI eine Umfrage zu den Erfahrungen von Frauen mit Missbrauch und Belästigungen in sozialen Medien. Die Ergebnisse zeigen, welche zum Teil dramatischen Folgen der verbale Missbrauch im Web tatsächlich hat.

„Das hört nicht einfach auf, wenn du dich ausloggst.“

In acht Ländern wurden jeweils rund 500 Frauen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren zu ihren Erfahrungen befragt. Fast ein Viertel der befragten Frauen (23 Prozent) gab an, mindestens einmal Belästigung oder Missbrauch in der digitalen Welt erlebt zu haben. Dabei lag der Anteil mit 33 Prozent in den USA am höchsten und in Italien mit 16 Prozent am niedrigsten.

Besonders alarmierend ist, dass 41 Prozent der betroffenen Frauen angaben, sich bei mindestens einer Gelegenheit durch diese Online-Erfahrung auch körperlich massiv bedroht gefühlt zu haben.

Azmina Dhrodia, Autorin und Amnesty New Media Expertin, beschreibt, was sich im Kopf abspielt:

„Das hört nicht einfach auf, wenn du dich ausloggst. Stell dir vor, du erhältst Mord- oder Vergewaltigungsdrohungen, wenn du eine Online-Plattform besuchst oder du befürchtest, dass Fotos mit privatem oder sexuellem Inhalt ohne dein Einverständnis im Internet geteilt werden könnten.“

Die betroffenen Frauen berichten von Stress, Angst bis hin zu Panikattacken. Viele leiden unter einem verminderten Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Ebenso ist die Tendenz, sich selbst zu zensieren und persönliche Ansichten gar nicht mehr zu posten, nach solchen Erfahrungen hoch. Genau das stelle eine unmittelbare Bedrohung für das Recht auf freie Meinungsäußerung dar. Ein Recht, das aber auch den Schutz vor beleidigenden, verstörenden und sexistischen Meinungsäußerungen beinhalte, wie Amnesty feststellt.

Die psychischen Folgen von Online-Missbrauch

61 Prozent der betroffenen Frauen gaben an, dass sie in der Folge ein vermindertes Selbstwertgefühl oder Verlust an Selbstvertrauen an sich wahrnehmen würden. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) gab an, nach dem Missbrauch oder der Belästigung in den sozialen Medien an Stress, Angstzuständen oder Panikattacken gelitten zu haben.

63 Prozent erklärten, sie hätten nach dem Missbrauch oder der Belästigung nicht mehr gut geschlafen. In Neuseeland waren es sogar 75 %. Deutlich über die Hälfte (56 %) sagte, der Missbrauch oder die Belästigung habe dazu geführt, dass sie sich über einen langen Zeitraum hinweg nicht mehr konzentrieren konnten.

Mehr als drei Viertel (76 %) der Frauen, die angegeben hatten, von Belästigung oder Missbrauch in den sozialen Medien betroffen gewesen zu sein, änderten ihr Verhalten. Dazu zählt die Selbstzensur bei der Veröffentlichung eigener Beiträge: 32 Prozent der Frauen gaben an, dass sie ihre Meinung zu gewissen Themen nicht mehr veröffentlichen.

Jede dritte Frau wird Opfer von Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist laut den Vereinten Nationen die am weitesten verbreitete Form der Verletzung der Menschenrechte – jede dritte Frau fällt ihr zum Opfer. Der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen und die UN-Kampagne „16Days“ vom 25. November bis zum 10. Dezember sollen Bewusstsein dafür schaffen, dass jede Art von geschlechtsspezifischer Gewalt nicht zu akzeptieren ist und endlich Maßnahmen zu ergreifen sind, um sie zu verhindern und auszuschließen.

Was kann die Gesellschaft machen? Achtsam sein und den Gewalttätern im Real Life und in den sozialen Netzwerken in den Arm fallen? Die Gesetze zum Schutz gegen Beleidigung und Gewalt verschärfen? Die Strafen für Missbrauch erhöhen oder das Internet gleich abschalten?

Was zu tun ist, bringt Phumzile Mlambo-Ngcuka, im UN-Generalsekretariat und Direktorin der aktuellen UN Frauen Kampagne „Lasst niemanden zurück“ auf den Punkt:

„Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist keine unvermeidliche Sache. Es gibt viele Möglichkeiten, Gewalt von vornherein zu verhindern und zu stoppen. Als Gesellschaft können wir die Verabschiedung und Umsetzung von Gesetzen zum Schutz von Mädchen und Frauen vor sexueller Nötigung und Belästigung unterstützen und wir können dafür sorgen, dass ihre Auswirkungen angemessen überwacht und bewertet werden. Vor allem aber muss Gewaltprävention möglichst früh beginnen. Elterliches Vorbildverhalten, das Bildungssystem und die Lehrer stehen dabei an vorderster Front um die Prinzipien der Gleichheit, des Respekts und der Gewaltfreiheit an zukünftige Generationen weiterzugeben – und im Bedarfsfall nicht zuletzt die Zivilcourage jedes Einzelnen von uns.“


Weiterführende Informationen und Quellen:

Aussendung von Amnesty International
https://www.amnesty.at/de/alarmierende-folgen-online-missbrauch/

Die Zahlen der Umfrage von Ipsos Mori im Detail
https://www.ipsos.com/ipsos-mori/en-uk/online-abuse-and-harassment

Der vollständige Bericht zum Downloaden
https://www.ipsos.com/sites/default/files/ct/news/documents/2017-11/online-experiences-tables-2017.pdf

Eine Zusammenfassung der Autorin Azmina Dhrodia
View story at Medium.com

Informationen zur UN-Kampagne „16 days of activism“
http://www.unwomen.org/en/what-we-do/ending-violence-against-women/take-action/16-days-of-activism


Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Wien.Über den Autor: Robert Manoutschehri ist Fotograf, Journalist, Texter und Grafikdesigner aus Österreich. Er engagiert sich ehrenamtlich für zahlreiche Bürgerinitiativen und NGO’s. Robert Manoutschehri lebt in Wien.


Foto: Mihai Surdu (pixabay.com); Creative Commons CC0

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