Kurzfilm: Amazon macht uns Krank

Das Unternehmen Amazon hat die neuen Möglichkeiten des Internetverkaufs mit alten Praktiken der Versandhändler kombiniert. In dem Kurzfilm „Amazon macht uns krank“ sprechen Arbeiter und Arbeiterinnen über die Arbeitsbedingungen und ihren Widerstand, um diese zu verbessern.

Der Autor Ralf Ruckus, der sich mit den Arbeitskämpfen bei Amazon in Poznan-Sady (Polen) beschäftigte, schrieb in dem Aufsatz „Der amerikanische Traum für zwei Euro pro Stunde“ über Amazon:

Entgegen der von Medien nachgeplapperten Behauptung Amazons, die Firma habe Kauf und Verteilung von Gütern revolutioniert, hat sie bloß die neuen Möglichkeiten des Internetverkaufs mit alten Praktiken der Versandhändler kombiniert. Lieferkosten und -zeiten wurden durch Mechanisierung, Taylorisierung und Standardisierung von Arbeits- und Logistikabläufen reduziert und so eine ausbeuterische Arbeitsumgebung mit Hunderttausenden ungelernter, anstrengender und langweiliger Jobs in Lagern auf der ganzen Welt geschaffen.

Seit Anfang 2015 kommen regelmäßig beim „Grenzübergreifenden Treffen von Amazon-Beschäftigten“ Arbeiterinnen und Arbeiter aus Deutschland, Frankreich und Polen zusammen. Sie diskutieren ihre Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dem global agierenden Unternehmen und planen gemeinsame Aktionen.

Im April 2017 sprachen sie über die arbeitsbedingten Krankheiten und Verletzungen, die sie sich durch Arbeitsverdichtung und ständige Eile zuziehen – ein Problem, das in allen Amazon-Lagern auftauchen soll.

Die Arbeiter initiierten im Sommer die Kampagne „Safe Package“ und verteilten Flugblätter in ihren Amazon-Lagern, in denen sie zur Arbeit „streng nach Vorschrift“ aufforderten … also dem Packen „sicherer Pakete“ auf eine Art und Weise, die ihre Gesundheit schont.

Im Rahmen der Kampagne entstand der Kurzfilm „Amazon macht uns krank“, in dem sechs Arbeiter und Arbeiterinnen aus den Lagern von Amazon in Leipzig, Poznań und Orléans über Arbeitsbedingungen und -hetze, Unfälle, arbeitsbedingte Krankheiten, das unerträgliche Schichtsystem und ihren Widerstand sprechen.

Amazon macht uns krank. (Screenshot; Labournet.tv)


Informationen zum Kurzfilm

AMAZON MACHT UNS KRANK

Deutschland, Polen, Frankreich, 2017 (Deutsch mit Untertiteln)
Länge: 22 Minuten
Umsetzung: Grenzübergreifendes Treffen von Amazon-Beschäftigten und Labournet.tv

Der Film ist Teil des Themenbereichs „Arbeitssicherheit“ von Labournet.tv, einem Projekt von Content – Verein zur Förderung alternativer Medien e.V.


Fotos: Screenshot/Labournet.tv

  1. Alles ganz schön und gut, doch glaubt denn wirklich jemand, Amazon wäre als Arbeitgeber alleine mit diesen Praktiken? Das wäre wahnsinnig naiv.
    Schauen wir uns in der Pflege um – ob Krankenhaus oder Alten-/ Pflegeheime – haben wir ein ähnliches Bild. Oder will jemand behaupten das es normal ist, wenn z.B. eine Nachtschwester ganz alleine für 40 Patienten und mehr, alleine verantwortlich ist? Vom Einkommen der Schwestern und ganz besonders den Pflegepersonal müssen wir doch gar nicht reden – bei letzteren werden in der Regel billige ungelernte Kräfte genommen, die gerade mal Mindestlohn bekommen. Oder reden wir über Leiharbeit, die eigentlich auf 3 Monate befristet ist und für Unternehmen gedacht ist, die kurzfristig eine Auftragsspitze hat. Und warum kann das z.B. VW umgehen und Leiharbeiter über ein Jahrzehnt durchgehend beschäftigen – die Antwort ist einfach: Weil VW und natürlich auch andere ihre Leiharbeiter innerhalb des Unternehmens einfach in andere Abteilungen „versetzen“. Ein kleiner Handwerksbetrieb kann so etwas nicht – weil man es nicht zulassen will und es eigentlich nur ein „Geschenk“ an die Industrieunternehmen sein sollte.

    Das jetzt nur mal als Denkanstoss, wobei jeder für sich weiterdenken und dabei insbesondere die Globalisierung in Auge fassen sollte. Die nämlich hat uns das ganze eingebrockt!
    Weiterhin sollte bedacht werden, das es zugelassen wird, das Unternehmen wie Amazon, Starbucks und wie sie alle heißen (übrigens auch VW) ein Steuermodell nutzen das ihnen erlaubt, fast gar keine Steuern zahlen zu müssen. So hat Starbucks z.B. in den letzten Jahren für die Filialen in Deutschland lediglich 1500,-€ bezahlt – für alle Filialen zusammen!

    Das es Amazon gibt, ist lediglich eine Erscheinung die durch die völlige Umstrukturierung der Arbeitswelt Erfolg hat; kaum jemand hat die Zeit um in die Stadt zu fahren um sich umzusehen, wenn man etwas kaufen möchte – zumal es bei Amazon in aller Regel billiger ist (nicht immer!), aber viel Zeit spart. Muß ich in die Stadt fahren, muß ich entweder mit dem Bs, der bahn oder mit dem Auto fahren; das bedeutet eine Ausgabe, die ich mir mit einer Bestellung bei Amazon oder in einem Versandhandel wie Ottoversand usw. spare und damit die Kosten schon mal um das geschrumpft ist- vom Zeitaufwand mal ganz zu schweigen.
    Und wenn es einen Umtauschgrund gibt, weil es z.B. nicht gefällt, ist das Problemlos möglich.
    Ist etwas im Einzelhandel gekauft worden und reklamiert etwas, muß man wieder zum Geschäft fahren (mit den daraus resultierenden Fahrtkosten die zusätzlich anfallen) und oftmals werden z.B. bei beschädigten oder Schäden binnen der Garantiezeit umständlich abgewickelt, indem der Händler nun die defekte Ware einschicken muß. Nun folgt ein langes hin und her und Wochen dauern kann. Eine Thermo – Kaffeekanne z.B. war bei einem bekannten nach 3 Monaten kaputt; der Kaffee liefam Boden aus, die dann eingeschickt wurde und nach fast 6 Wochen endlich Ersatz kam. Bei Amazon wäre das binnen 2 Tagen erledigt gewesen! Wer einen derartigen „Service“ bietet muß sich nicht wundern wenn Kunden das nicht mehr mitmachen, denn eines ist schon mal klar: Ich habe nicht mit dem Hersteller einen Kaufvertrag abgeschlossen, sondern mit dem Einzelhändler, der dann Ersatz stellen muß oder sogar das Geld erstattet. Das aber scheinen einige Händler/Verkäufer(innen) nicht zu begreifen.
    Ach so, bevor ich es vergesse: Das Verkaufspersonal besteht in vielen Geschäften schon aus Minijobbern, die dann auch gerade mal Mindestlohn bekommen (wenn sie den überhaupt zahlen müssen). Bei H&M Beispielsweise sind Mitarbeiter in Abrufbereitschaft; keiner weiß wirklich wann er arbeiten muß und kann im Grunde nichts planen.
    Ich finde es merkwürdig, wie man sich auf Amazon regelrecht einschiesst und die anderen Unternehmen die es ähnlich machen, dabei „vergisst“. Wer in solchen Unternehmen anfängt, weiß doch was auf ihn zukommt..oder nicht?
    Wie kann es sein, das jemand der die Zahlung von Rundfunkgebühren verweigert, konsequent verfolgt wird, aber große Unternehmen zig Milliarden € Steuern gar nicht erst zahlen müssen?
    Das hängt wohl mit den vielen Lobbyisten zusammen, die in Berlin im Bundestag sitzen und schon dafür sorgen. Von denen kommt auch immer wieder der Einwand, das man sonst viele Arbeitslose bekommen würde, was allerdings völliger Unsinn ist.
    Oder nehmen wir Unternehmen wie Nokia, die Arbeitsplätze in Deutschland behalten haben, weil man ihnen viele Millionen € gezahlt hat. Als das Geld dann alle war, ist Nokia bei Nacht und Nebel ins billige Ausland verschwunden.
    Und was machen die Medien: man hat Amazon als Feind Nummer eins auserkoren. Ist denn niemand mehr in der Lage sich mit der ganzen Sauerei zu beschäftigen, weil Deutsche Händler den Anschluß verpennt haben und weil sie kein Geld dafür ausgeben wollen um selbst Online aktiv zu werden?! Und das, wo doch Händler selbst über Amazon verkaufen und genau das fördern, was hier kritisiert wird. Würden Händler nicht über Amazon verkaufen, hätte Amazon es nie so weit geschafft.
    Ich will die Praktiken von Amazon nicht beschönigen, jedoch sollte man auch mal über den Tellerrand schauen, um das ganze Geschäftsgebahren und damit auch die üble Bezahlung und brutale Arbeitsmethoden zu sehen. Alle haben ihren Teil dazu beigetragen um es soweit kommen zu lassen.

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    1. Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und die Kritik. Dazu zwei Anmerkungen: Wir versuchen in unserer Berichterstattung, die sich vorzugsweise mit Grundsätzlichkeiten beschäftigt, die Zusammenhänge von Arbeitsbedingungen, der Veränderung der Arbeitswelt, aber auch die daraus entstehenden teilweise extrem harten Arbeitskämpfe aus historischer Sicht abzubilden. Wenn sie unsere Berichte und Hinweise zu Dokumentationen wie zum Beispiel „Verdammte Fabrik … Putain d’usine„, „Mütterstreik“ oder „Ich kämpfe, also bin ich“ nehmen, beschäftigen sich diese mit der Lebenswirklichkeit von Arbeitern und Arbeiterinnen, die natürlich in bestimmten Konzernen/Unternehmen tätig sind, wir uns aber auf keinen bestimmen Konzern oder ein Unternehmen einschießen. Deshalb berichten wir auch z.B. über Arbeitskämpfe in London oder über „Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens„, was letztlich zur Verschärfung der Arbeitsbedingungen in der Pflege führt. Dennoch haben Sie natürlich recht, dass es durchaus an der Zeit ist, einen großen Beitrag zu verfassen, der zum einen die Entwicklung der Arbeit unter dem Aspekt der Globalisierung unter die Lupe nimmt, aber vor allem auch neue Geschäftsmodelle, die zwingend die massive Ausbeutung der Arbeiter, und konkret im Gesundheitswesen, eine Verschlechterung der Pflege mit sich bringt, um gewünschte Profitraten zu erzielen. Das Thema werden wir aufgreifen und demnächst vertiefend darstellen.

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